Interview: Gert-René Loerken über das Sparpaket der Landeskirche, das Defizit zu Hause und neue Hoffnung.

Superintendent Gert-René Loerken nimmt bis heute an der Landessynode teil.   Archiv
Superintendent Gert-René Loerken nimmt bis heute an der Landessynode teil. Archiv

Superintendent Gert-René Loerken nimmt bis heute an der Landessynode teil. Archiv

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Superintendent Gert-René Loerken nimmt bis heute an der Landessynode teil. Archiv

Burscheid. Bis Freitag tagt die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr. Gert-René Loerken, Superintendent des Kirchenkreises Leverkusen, hatte zunächst eine der acht Arbeitsgruppen geleitet, in denen die Synodalen das Sparpaket der Kirchenleitung in Höhe von 11,3 Millionen Euro diskutieren konnten. Damit gehörte er auch dem Ausschuss für Haushaltskonsolidierung an, der die Entscheidung der Synode vorbereitete. Am Mittwochabend wurde das Sparpaket dann bei nur vier Enthaltungen und ohne Gegenstimmen angenommen.


Herr Loerken, auf der jüngsten Kreissynode haben Sie geklagt, die evangelische Kirche habe sich von einer Kirche der Hoffnung zu einer Kirche der Haushaltskonsolidierung gewandelt. Jetzt standen die Finanzen auch auf Landesebene wieder im Vordergrund. Haben Sie trotzdem Hoffnung entdeckt?

Gert-René Loerken: Auf jeden Fall. Zum einen ist die Atmospäre gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich verbessert. Zum anderen merkt man den klaren Willen, zu Entscheidungen zu kommen, damit wir uns dann wieder den wirklichen kirchlichen Themen zuwenden können. Wir waren ja nur noch mit uns selbst beschäftigt. Aber dafür wird Kirche weder geliebt noch gebraucht. Wir werden gebraucht, um für die Menschen da zu sein, Gott zu verkündigen und nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln. Aber die Konsolidierungsdiskussion hat ja alles gelähmt.

 

Die Sparvorschläge der Kirchenleitung waren durchaus kontrovers diskutiert und teilweise heftig abgelehnt worden. Daher erstaunt die Einmütigkeit des Abstimmungsergebnisses.

Loerken: Dazu muss man sagen, dass die Einschnitte ja noch nicht vorgenommen sind. Vieles ist auch auf die Synode 2016 verschoben worden. Die Feuerprobe steht uns noch bevor. Kann sein, dass es glattgeht, kann sein, dass das Thema dann noch mal zurückschlägt. Außerdem sind die ganzen Lobbyisten, die sich im Vorfeld gerade aus dem Schul- und Jugendbereich zu Wort gemeldet hatten, hier nicht so stark vertreten. Beim Thema Jugend war ohnehin die Luft raus, weil jetzt ein Weg eröffnet wurde, die Beteiligten in die Neukonzeption miteinzubinden.

 

Welche Konsequenzen haben die Sparbeschlüsse für den Kirchenkreis?

Loerken: So lange die Landeskirche ihre Probleme nicht löst, drohen diese auf die Kirchenkreise durchzuschlagen. Wir hängen ja alle am selben finanziellen Tropf, auch wenn die Gemeinden formal die Kirchensteuerhoheit haben. Jetzt gibt es endlich Klarheit, was uns auch auf Kirchenkreisebene Planungssicherheit gibt. Manche Entscheidungen der Synode haben für uns im Kirchenkreis zunächst einmal relativ wenig Bedeutung. Aber auf längere Sicht werden uns eine Reihe von Leistungen wie Beratungen oder Gelder für Fortbildungen nicht mehr zur Verfügung stehen. Doch das ist nicht der große Einbruch.

 

Dafür steht dem Kirchenkreis das Thema Haushaltskonsolidierung auch noch bevor.

Loerken: Das ist richtig und das schmerzt. Wir müssen ein Defizit von 500 000 Euro beheben. Am Montag tagt erstmals unser Ausschuss dazu. Er wird dem Kreissynodalvorstand (KSV) aber am Ende keine Lösungen präsentieren, sondern zunächst unsere Situation aufzeigen. Der Zeitplan ist, dass der KSV im Mai erste Vorschläge prüft, um der Kreissynode im Juni zumindest einen Ansatz präsentieren zu können. Bei der Herbstsynode sollen dann die Beschlüsse fallen. Denn die Maßnahmen werden ja frühestens 2018 greifen.

 

Welche Lösungen sind denkbar?

Loerken: Wenn wir nicht ganze Arbeitsbereiche wie die Jugendarbeit oder die Erwachsenenbildung dichtmachen wollen, sehe ich im Augenblick vor allem eine Stellschraube: den Seelsorgebereich mit den Funktionspfarrstellen. »Tagesthemen

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