Alaaf und Helau hieß es am Samstag in St. Laurentius. Etwa 120 Gäste schunkelten und tanzten mit.

Burscheid. Auf ihrem Endspurt in Richtung der sieben Fastenwochen machte die "Reisegesellschaft" noch einmal Station in der Südsee. "Alaaf, Helau, man glaubt es kaum: ganz LauLi ist ein Südseetraum!", hieß es am Samstag im katholischen Gemeindehaus. Dass die Hochrufe des Karnevals sich einst gegen staatliche und kirchliche Macht richteten, (Kölle all aff - also Köln über alles und Helau als Verballhornung des Halleluja) tat der Stimmung in St. Laurentius keinen Abbruch. Unter aufblasbaren Palmen aus Plastik amüsierten sich etwa 120 kostümierte Gäste.

Traumschiffe, Hula-Mädchen und muskelstarke Eingeborene

Steffi Messing und Martina Weißhuhn hatten für die stilechte Kulisse gesorgt. Nach einer launigen Begrüßung durch Helmut Bollig und Frank Berger schickte das Südsee-Medley Traumschiffe, Hula-Mädchen und muskelstarke Eingeborene ins bunte Scheinwerferlicht. Statt unter hawaiianischen Schmusetönen zog das bunte Völkchen mit dem Ur-Kölner Marsch "Möllemer Bötchen" ab.

Was sich an Themen aus Politik, Arbeitswelt und privaten Geschichten aufarbeiten lässt, versah die "durchgeknallte Alte" (Gaby Bollig) in ihrer Büttenrede mit Kommentaren. Auch für sie echote es nach dem Vortrag aus dem Saal: "Gibbse noch ne Schanze." Die "vornehmen" Damen und ihre begriffsstutzige "Minna" (Hanni Dreyer) wurden ebenso mit Orden und einer Saal-Rakete bedacht wie ihre Vorrednerin.

Pfarrer Temur Bagherzadeh schritt als "Domprediger" in die Bütt - eine Premiere. Als Halb-Iraner in Köln geboren und aufgewachsen, kennt er sich in der närrischen Szene gründlich aus. Seine Bonmots als kirchlicher Insider und messerscharfer Beobachter gingen über rein witzige Wortspiele hinaus.

Christiane und Dieter Schneider als Kannibalen: Zum Anbeißen

Auch wenn die nachfolgenden Sketch-Gruppen bereits seit Jahren zum festen Ensemble der Karnevals-Gestaltung gehören, haben sich Martina und Christoph Dürdoth als "Ehepaar auf dem Balkon" auch in diesem Jahr etwas Neues einfallen lassen. Was ihnen im Jahr begegnet, gibt ihnen viel Stoff für nachbarschaftlichen Klatsch und Tratsch. Ebenfalls mit im Programm: Der Straßenfeger (Thomas Harwarth) und die Kirchenputzfrauen.

Die Gäste an den Tischen im Saal schunkelten mit. Wenn die langen und kurzen Baströckchen der Damen auch über wärmenden Leggins getragen werden mussten, brachten doch die Plastikbananen um die Hüften ein wenig Tropenflair. Textile Blumenketten als Halsschmuck und in den Haaren durften da nicht fehlen. Und was wird aus den künstlichen Früchten nach der Narrenzeit? Eine junge Insulanerin gab freimütig Auskunft: "Entweder landen die gelben Dinger in unserem Fundus für Karnevals-Utensilien oder im gleichfarbigen Sack zur Entsorgung."

Bei so fantasievollen Kostümen fiel den Juroren die Entscheidung schwer. Die Auszeichnung des originellsten Kostüms war einer der Höhepunkte des Abends. Da verloren auch die letzten im Saal ihre Angst vor Menschenfressern. Christiane und Dieter Schneider als Kannibalen sahen selbst zum Anbeißen aus und trugen den ersten Preis nach Hause. Aber erst als die Feier, bei der die Gäste bis in die Nacht schunkelten, ihr Ende gefunden hatte.

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