Der Ilex wurde vor allem durch das Christentum zum Symbolträger. "An den Hülsen" in Hilgen erinnert an die Stechpalme.

Der Hilgener Straßenname „An den Hülsen“ ist ein Hinweis auf die im Bergischen noch weitverbreitete Pflanze.   Fotos (2): Barbara Sarx
Der Hilgener Straßenname „An den Hülsen“ ist ein Hinweis auf die im Bergischen noch weitverbreitete Pflanze. Fotos (2): Barbara Sarx

Der Hilgener Straßenname „An den Hülsen“ ist ein Hinweis auf die im Bergischen noch weitverbreitete Pflanze. Fotos (2): Barbara Sarx

Die roten Früchte der Stechpalme sollten nicht verzehrt werden.

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Der Hilgener Straßenname „An den Hülsen“ ist ein Hinweis auf die im Bergischen noch weitverbreitete Pflanze. Fotos (2): Barbara Sarx

Burscheid. Die Weihnachtsfeiern sind gerade vorbei – nicht nur mit Keksen, Kugeln und Kerzenschein. Neben diesen Dingen gehörten zum weihnachtlichen Brauchtum immer auch Blumen und Pflanzen. Außer Tannenbaum und Weihnachtsstern sticht da – durchaus wörtlich – der Ilex hervor, der auch Stechpalme, Winterbeere, Christdorn oder Hülse genannt wird. In Burscheid finden wir die Hülse auch als Straßennamen wieder, denn in Hilgen lautet eine Adresse „An den Hülsen“.

Die Stechpalme ist tief im Volksglauben verwurzelt. Das lässt sich bis in die Zeit der Germanen zurückverfolgen. Bereits unsere Vorfahren schätzten die Hülse besonders zur Wintersonnenwende: Sie galt als Garant für Gesundheit und Glück. Die Römer betrachteten die Stechpalme aufgrund ihrer immergrünen Blätter und der leuchtend roten Früchte als Symbol für Fruchtbarkeit und ewiges Leben.

Hollywood hat seinen Namen von den Stechpalmen

Der englische Begriff „holly“ findet sich auch in einer berühmten Ortsbezeichnung in Amerika: in Hollywood. Weil die Wälder auf den Hügeln rings um die Filmmetropole von Stechpalmen gesäumt waren, kam es zu der berühmten Namensgebung. In England schmücken heute noch zur Weihnachtszeit Stechpalmenzweige den Kamin des Hauses. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass böse Geister durch den Kamin ins Haus gelangen. In späteren Zeiten war es zu Silvester vielerorts üblich, Vieh und Mensch mit Stechpalmenzweigen zu schlagen. Dieser „Brauch“ fußte auf der Überzeugung, dass somit das neue Jahr fruchtbarer würde. Ausgangspunkt für diese Handlung bildeten nicht – wie man fälschlicherweise annehmen könnte – die dornigen Enden der Ilexblätter. Vielmehr lag das an den kräftigen Farben Rot und Grün, mit denen die Hülse in jedem Winterwald hervorsticht.

Der für die Hülse in Deutschland weitverbreitete Begriff Stechpalme hat mit Palmen (auch im botanischen Sinne) nichts gemein. Der deutsche Name lässt sich eher auf den Brauch zurückführen, am Palmensonntag Ilexzweige in der Kirche zu verwenden. An diesem Tag wird an den festlichen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert und in den hiesigen Gefilden mit Palmwedeln aus Ilex gehuldigt.

Zur symbolträchtigen Pflanze wurde Ilex erst so richtig in der christlichen Zeit. In den Zweigen mit den stachlig-spitzen Blättern sah man die Dornenkrone Jesu mit den roten Blutstropfen. Und da ihr immergrünes Laub als Symbol der Unsterblichkeit verstanden wurde, drängte sich die Verbindung zur christlichen Auferstehung geradezu auf. Weil man dabei die spitzen Stacheln der ledernen Blätter schmerzhaft zu spüren bekam, erhielten sie im Volksmund den Namen Stechpalme.

Das sehr harte und langsam wachsende Holz des Ilex wurde noch auf vielfältigere Art und Weise genutzt. Es fand zum Beispiel Verwendung als Handgriff oder Peitschen- und Hammerstiel. Sogar der alte Goethe besaß einen eleganten Stock aus edlem Ilex-Holz. Neben der praktischen Verwendung für alltägliche Gegenstände fand die Stechpalme auch in der Medizin vielfältige Anwendung. Sie wurde zum Beispiel gegen Erkältungskrankheiten und Fieber sowie gegen Epilepsie und Verstopfung verwendet.

Früchte fanden auch Anwendung in der Medizin

Das lässt sich relativ leicht erklären, denn Ilex aquifolium beinhaltet giftige Stoffe, die zunächst abführend wirken. Diese Stoffe können mitunter aber auch heftigere Nachwirkungen auslösen: Erbrechen und Bauchschmerzen sind da noch die harmloseren Varianten. Deshalb wird – vor allem für Kinder – vor dem Kontakt und besonders dem Verzehr der bunten Beeren gewarnt.

Die Hülse ist im regenreichen Bergischen Land, dessen feuchtes Klima ihr sehr zusagt, noch recht häufig. Jahrhunderte zuvor muss sie wahrhaft üppige Bestände gebildet haben. Sie waren so umfangreich und weitverbreitet, dass naheliegende Siedlungen nach ihr (Hülse) benannt wurden. Die Hülse liebt die Nachbarschaft zu Buchenbeständen; im schattigen Buchenwald fühlt sie sich besonders wohl. Deshalb passt der Straßenname „An den Hülsen“ perfekt zur Umgebung. Dort befindet sich sozusagen Burscheids Hollywood.

„In der Nachkriegszeit kamen die Ilexbestände durch neue Siedlungen und Anpflanzungen in den Wäldern unter Druck. Aber vor allem in den vergangenen 30 Jahren konnten sich die Bestände wieder stabilisieren. Ilex steht immer noch unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutz-Abkommens. Vor allem hier im Bergischen, dort wo es Lehm- und Lößauflagen bei den Böden gibt, finden sich viele Hülsen. Geht man jedoch weiter ins Eifgental, dort, wo die Böden steiniger sind, schwinden die Hülsenbestände“, sagt Förster Karl Zimmermann.

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