Zoodirektor Theo Pagel spricht über das große Jubiläum, Lieblingstiere und die Perspektiven für den Tierpark.

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Theo Pagel war schon als Kind im Kölner Zoo. Heute ist er dort der Chef von 160 Mitarbeitern.

Theo Pagel war schon als Kind im Kölner Zoo. Heute ist er dort der Chef von 160 Mitarbeitern.

Stephan Eppinger

Theo Pagel war schon als Kind im Kölner Zoo. Heute ist er dort der Chef von 160 Mitarbeitern.

Köln. Bergischer Volksbote: Herr Pagel, wie feiert der Kölner Zoo sein 150-jähriges Bestehen in diesem Jahr?

Theo Pagel: Wir feiern das ganze Jahr über mit einem interessanten Rahmenprogramm. Dazu gehören historische Führungen, ein historischer Lehrpfad und eine Austellung zur Zoogeschichte im Stadtmuseum. Außerdem gibt es eine historische Woche unter anderem mit einem Jahrmarkt sowie vier lange Samstage, die alle unter einem Motto stehen. Der eigentliche Festakt ist am 22. Juli. Da werden wir, wenn alles klappt, die sanierte Seelöwen-Anlage präsentieren.

BV: Wie schätzen Sie die Bedeutung des Zoos für die Stadt ein?

Pagel: Vielen ist nicht bewusst, dass der Zoo mit seinen 1,5 Millionen Besuchern die Attraktion in Köln ist, die nach dem Dom die meisten Gäste anzieht. Außerdem sind wir ein mittelständischer Betrieb, der 160 Mitarbeiter beschäftigt. Ein von uns in Auftrag gegebenes Wertschöpfungsgutachten hat ergeben, dass wir jedes Jahr 35 Millionen Euro in die Stadt bringen. Als Zoo haben wir zudem eine Führungsrolle in Europa, wo wir bei einem Ranking den siebten Platz eingenommen haben. In Deutschland sind wir die Nummer drei.

BV: Wie hat sich der Zoo im Laufe der 150 Jahre gewandelt?

Pagel: Der Zoo wurde 1860 vom gehobenen Bürgertum gegründet und war damals ein gesellschaftlicher Treffpunkt. So gab es Konzerte mit mehr als 4000 Besuchern. Die Leute waren begeistert von exotischen Tieren im exotischen Ambiente. Das waren echte Sensationen. Heute steht der Zoo auf den vier Säulen Erholung, Bildung, Forschung und der Artenerhaltung. So hatten wir die erste Zooschule in Deutschland und bieten Studenten alle Möglichkeiten vom Praktikum bis zur Doktorarbeit.

BV: Wie beurteilen Sie die Rolle der Zoo-Serien im Fernsehen?

Pagel: Zu Beginn wussten wir nicht, ob sie in Sachen Zoo satt oder oder ob sie Appetit machen. Heute ist klar, dass solche Zoo-Soaps Aufmerksamkeit erregen und die Leute zu uns locken. Positiv sehe ich auch das Tierquiz von Frank Elstner, bei dem ich als Experte dabei bin. Es ist wichtig, so eine Sendung zur Primetime zu zeigen und über die Tiere Gutes zu tun, um Menschen zu helfen. Die Infos sind zudem sehr interessant. Auch ich muss manche Frage erst mal gründlich recherchieren.

BV: Wie sieht der Zoo im Jahr 2030 aus?

Seit 2007 ist der gebürtige Duisburger Theo Pagel (49) Direktor im Kölner Zoo, in dem er zuvor schon als Kurator 15 Jahre gearbeitet hatte.

Rund 10 000 Tiere aus mehr als 700 verschiedenen Arten sind im Kölner Zoo zu Hause.

Pagel: Ich fürchte, dass der Zoo immer mehr zu Arche wird und man Tiere wie die Menschenaffen nur noch hier sehen kann. Der Zoo wird auch immer mehr zum Bildungszentrum. Jedes Jahr besuchen 60 Millionen Menschen in Deutschland einen Zoo, das sind mehr als in der Bundesliga. Damit wird der Zoo, global gesehen, zur größten nichtstaatlichen Schule der Welt. Wir versuchen, Menschen für Tiere und die Natur zu begeistern. Sie sollen dabei aber auch zum Nachdenken angeregt werden.

BV: Was ist Ihre erste Erinnerung an den Zoo?

Pagel: Hier im Büro steht ein Bild, das mich mit vier Jahren auf der alten Kölner Zoolok zeigt. Außerdem erinnere ich mich an die vielen Besuche mit meinen Eltern im Duisburger Zoo. Vor allem die Bären in ihren Zwingern sind bei mir im Gedächtnis haften geblieben.

BV: Darf ein Zoodirektor ein Lieblingstier haben?

Pagel: Ja, aber jeden Tag ein anderes. Als kleiner Junge haben mich vor allem die Kralenotter begeistert.

BV: Welche großen Projekte stehen im Zoo noch an?

Pagel: Wir sind gerade dabei, einen neuen Masterplan für den Zoo zu erarbeiten. Zu den Dingen, die wir gerne umsetzen würden, gehört zum Beispiel die afrikanische Savanne, ein neuer Nebeneingang und ein neuer Spielplatz.

BV: Wie schwer ist die Realisierung in Zeiten knapper Kassen?

Pagel: Die aktuelle Lage ist nicht gerade einfach. Da wird die Unterstützung von Sponsoren und Förderern immer wichtiger. Auch der Zoo als Platz für Events bringt Geld. Das muss sich aber immer im Rahmen halten und darf nie zum Nachteil für die Tiere sein.

BV: Wie kann sich der Zoo im reichhaltigen Freizeitangebot heute durchsetzen?

Pagel: Der Bezug der Stadtmenschen zum Tier ist ungebrochen - egal, ob es wie bei Schlangen oder Spinnen der Gruselfaktor oder bei anderen Tieren das Kindchenschema ist. Es ist aber auch wichtig, dass wir den Zoo attraktiv halten, wie zum Beispiel durch den neuen Hippodom oder das Elefantenhaus.
 

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