Der IHK-Präsident Paul Bauwens-Adenauer hofft, dass knappe Kassen als belebendes Element wirken.

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Paul Bauwens-Adenauer wünscht sich bei kommunalen Aufgaben weniger Parteipolitik.

Paul Bauwens-Adenauer wünscht sich bei kommunalen Aufgaben weniger Parteipolitik.

IHK

Paul Bauwens-Adenauer wünscht sich bei kommunalen Aufgaben weniger Parteipolitik.

Köln. Bergischer Volksbote: Herr Bauwens-Adenauer, wie wird Köln derzeit von außen wahrgenommen?

Paul Bauwens-Adenauer: In den Medien überwiegen die negativen Schlagzeilen von Unglücken und Skandalen. Da steht es derzeit mit der Außendarstellung leider nicht zum Besten.

"Die Gemeinschaft in der Region ist die Voraussetzung, um in der ersten Liga mitspielen zu können"

Paul Bauwens-Adenauer

BV: Köln hat durchaus etwas zu bieten. Warum kann man daraus nicht mehr Kapital schlagen?

Bauwens-Adenauer: Das sind häufig Dinge, die sich an ein eher kleines Publikum richten. Da haben wir die Theater und die Oper, die mit ihren Programmen positive Schlagzeilen erzeugen. Auch in der übrigen Kulturwelt gibt es Positives und über die Wirtschaft gibt es im Grunde auch nur Gutes zu berichten. Aber das Stadtimage wird dadurch nicht geprägt.

Es sind die großen Ereignisse, die das Bild in den Medien bestimmen. Dazu gehören das Unglück beim U-Bahn-Bau genauso wie das Thema ’Vergabe Messehallen’ und - etwas zurückliegend - Unregelmäßigkeiten bei den Parteien. Da wird dann schnell vom Klüngel gesprochen und alles zu einem undifferenzierten Brei vermischt. Den endlich aufzulösen, ist jetzt unsere Aufgabe.

BV: Warum kann die "Marke Köln" auch nach fast einem Jahrzehnt nicht umgesetzt werden?

Bauwens-Adenauer: Köln steht nicht eindeutig für bestimmte Dinge. Hamburg ist mit dem Hafen das Tor zur Welt und Frankfurt am Main der Finanzplatz. Köln hat eine breit aufgestellte Wirtschaft. Damit fährt man besser durch die Krise, aber für eine Marke ist das nicht so griffig. Eine gute Chance nach vorne zu kommen, ist aber die Kultur der Stadt. Das gilt auch, wenn wir in Köln die Kultur selbst finanzieren müssen und nicht wie in Berlin von allen Seiten das Geld zugesteckt bekommen. Hier kann die Marke wachsen.

BV: Welche Rolle spielt dabei die Region Rheinland?

Paul Bauwens-Adenauer wurde 1953 in Köln geboren. Er hat in Braunschweig und Aachen Architektur studiert und 1982 seine berufliche Laufbahn als Trainee bei der Firmengruppe Bauwens begonnen. Seit 1986 ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der Bauwens GmbH. Seit 2005 ist er Präsident der IHK Köln.

Bauwens-Adenauer: Die Gemeinschaft in der Region ist die Voraussetzung, um in der ersten Liga mitspielen zu können. Deshalb muss die Region unbedingt gestärkt werden. Städte wie Köln oder Düsseldorf sind zu klein, um alleine wirklich oben mitspielen zu können. Ich hoffe, dass da knappe Kassen als ein belebendes Element wirken.

Wir sind die stärkste Region in Deutschland und sehr stark in Europa. Hier leben sechs Millionen Menschen und wir haben eine Kultur- und Wissenslandschaft ohne Gleichen. Das ist ein Schatz, der noch gehoben werden muss. Jetzt braucht es Überlegungen, die wirklich zu etwas führen, auch wenn jetzt keine Stadt bei ihren kulturellen Einrichtungen Abstriche hinnehmen will.

"Das Rheinland ist eine echte, gelebte Region und so positiv besetzt wie Bayern."

Paul Bauwens-Adenauer

BV: Was macht das Rheinland aus?

Bauwens-Adenauer: Das Rheinland ist eine echte, gelebte Region und so positiv besetzt wie Bayern. Keiner hat Probleme sich damit zu identifizieren. Ich selbst bin überzeugter Rheinländer.

BV: Wie attraktiv ist Köln für Unternehmen und den Führungsnachwuchs?

Bauwens-Adenauer: Sehr! Das sehe ich an meinen Kindern, die gerade im Studentenalter sind. Junge Menschen leben gerne in der Stadt und deshalb wächst die Stadt hier auch weiterhin.

BV: Was muss getan werden, um Gründern besser zu helfen?

Bauwens-Adenauer: Es gibt hier viele Initiativen, die Gründer unterstützen. Beim Angebot preiswerter Arbeits- und Wohnflächen hat Berlin allerdings derzeit noch die Nase vorne. Etwas getan werden muss auf jeden Fall bei den Ausgründungen aus den Hochschulen und Fachhochschulen. Da müssen neue Bindeglieder geschaffen und Schwellen abgebaut werden.

BV: Wie beurteilen Sie die Arbeit des neuen Oberbürgermeisters, Jürgen Roters?

Bauwens-Adenauer: Er ist um sein Amt nicht zu beneiden. Er muss jetzt viele Dinge ordnen und neu strukturieren. Vieles sind sehr mühselige Betätigungsfelder wie das komplexe Thema Nord-Süd-Bahn. Aber Herr Roters hat sich sehr tief in die Sachverhalte eingearbeitet und sich so Kompetenz erworben. Kritischer sehe ich die politische Seite, wenn es zum Beispiel um das Zusammenspiel von Rat und Verwaltung geht. Außerdem bestimmt das parteipolitische Denken zu oft die Diskussionen. Bei 90 Prozent der Dinge geht es aber nicht um Parteipolitik, da müssen einfach Aufgaben gelöst werden.

BV: Welche Chancen ergeben sich aus der neuen Landesregierung?

Bauwens-Adenauer: Ich erhoffe mir für Köln bessere Netzwerke. So mit dem neuen Minister Norbert Walter-Borjans, der hier jahrelang Wirtschaftsdezernent war. Beim Programm bin ich aber noch skeptisch. Ich sehe nicht die Vorteile, die eine Abschaffung der Studiengebühren und der Kopfnoten bringen sollen. Da fehlt mir noch die Zukunftsorientierung.

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