Flughafen-Chef Michael Garvens erkennt im Sparpaket eine Gefahr für den Airport Köln-Bonn.

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Michael Garvens ist seit 2007 Flughafen-Chef in Köln-Bonn.

Michael Garvens ist seit 2007 Flughafen-Chef in Köln-Bonn.

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Michael Garvens ist seit 2007 Flughafen-Chef in Köln-Bonn.

Köln. Bergischer Volksbote: Herr Garvens, welche Auswirkungen werden die im Sparpaket der Bundesregierung vorgesehenen Abgaben für den Flughafen Köln-Bonn haben?

Michael Garvens: Wir sehen das mit Blick auf die Niederlande äußerst kritisch. Dort hat man 2008 eine Eco-Tax eingeführt. Passagiere, die innerhalb Europa in einem Radius von 2500 Kilometern flogen, mussten eine Abgabe in Höhe von 11,25 Euro zusätzlich entrichten. Alle anderen wurden mit einem Zuschlag von 45 Euro belegt.

Die Folge war, dass der Flughafen Amsterdam-Schiphol 18 Prozent weniger einsteigende Passagiere verzeichnete. Ein Gutachten der niederländischen Regierung ergab, dass der steuerlichen Mehreinnahme von 350 Millionen Euro ein volkswirtschaftlicher Schaden von 1,3 Milliarden Euro gegenüberstand. Daraufhin wurde die Eco-Tax sehr schnell wieder abgeschafft. Insofern betrachte ich eine solche Abgabe gerade für die Flughäfen in NRW mit ihrer grenznahen Lage sehr gefährlich.

BV: Wie beurteilen Sie die Drohung von Germanwings Flugzeuge von Köln-Bonn abzuziehen?

Garvens: Wir nehmen diese Drohung sehr ernst, weil wir genau wissen, wie empfindlich unsere Kundschaft auf Preisveränderungen reagiert.

BV: Welche Rolle spielt die Abgabe und ihre Folgen für die Arbeitsplätze am Flughafen?

Garvens: Wenn Germanwings drei Flugzeuge nach Maastricht oder woanders hin verlagern würde, entspräche das knapp einer Million Passagiere. Das entspricht der Zahl an Fluggästen, die uns bei der Einführung einer Kernruhezeit während der Nacht verloren gehen würden. Ein von uns für diesen Fall in Auftrag gegebenes Gutachten hat errechnet, dass dies den Verlust von 1800 Jobs am Flughafen bedeuten würde.

BV: Massive Auswirkungen für den Flughafen hatte die Aschewolke aus Island. Was muss sich bei Krisenmanagement ändern, dass die Folgen eines solchen Naturereignisses besser abgefedert werden können?

Michael Garvens ist seit 2007 kaufmännischer Geschäftsführer der Flughafen Köln-Bonn GmbH. Er war vorher Geschäftsführer der Globe Ground Berlin GmbH, die am Berliner Flughafen mit 1500 Mitarbeitern Bodenabfertigungsdienste anbietet. Der Betriebswirt arbeitete zudem mehr als zehn Jahre in unterschiedlichen Positionen bei der Lufthansa.

Köln-Bonn kann bis zu 14 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen. Insgesamt arbeiten dort in 135 Betrieben 12 460 Menschen.

Garvens: Das Krisenmanagement ist sicher nicht optimal gelaufen. Besonders kritischen sehen wir, dass die Flugraumsperre nur auf der Basis von theoretischen Computersimulationen und nicht als Reaktion auf real gemessene Werte verhängt wurde. Dazu kamen Koordinationsprobleme auf der europäischen Ebene. Da gibt es noch reichlich Handlungsbedarf.

"Der Flughafen ist der erste Berührungspunkt für Gäste der Stadt und das ist ganz entscheidend."

Michael Garvens

BV: Sie hatten schon 2009 ein größeres Sparprogramm umgesetzt und müssen dies jetzt wieder tun, um die Verluste durch die Aschewolke zu kompensieren. Wo gibt es am Flughafen noch Sparpotenziale?

Garvens: Das Problem ist, dass der größte Teil der Kosten fix vorbestimmt ist. Man kann ja hier nicht mal einfach eine Start- und Landebahn schließen, um Geld einzusparen. Wir haben einen 24-Stunden-Betrieb und müssen deshalb rund um die Uhr betriebsbereit sein. Daher sind maximal zehn Prozent aller Kosten beeinflussbar und auch da gibt es Grenzen. Wir haben 2009 schon 14 Millionen Euro eingespart und jetzt müssen nochmals die drei Millionen Euro Verlust durch die Aschewolke kompensiert werden. Da wird die Luft für Einsparungen natürlich immer dünner.

BV: Es gab im Rahmen um die Diskussionen zu der Internationalen Luft- und Raumfahrt-Ausstellung, die nach Köln kommen sollte, auch die Frage eines größeren Kongresszentrums am Flughafen. Gibt es die Chance, solche Strukturen künftig zu schaffen?

Garvens: Wir haben hier ein eigenes Konferenzzentrum, das für Veranstaltungen von bis zu 150 Personen ausreicht. Alles, was darüber hinausgeht, ist momentan nicht umsetzbar. Da müssten wir ein neues Hotel mit einem Konferenzzentrum in den Flughafen eingliedern. Das würden wir auch gerne tun, aber leider gibt es da noch eine Exklusivitätsklausel des bisherigen Hotels Holiday Inn, die einen weiteren Hotelstandort am Flughafen ausschließt. Der Bedarf ist da, aber so sind uns leider die Hände gebunden. Das gilt für den Konferenzbereich genauso wie für die Hotelbetten am Flughafen.

BV: Es wird ja gefordert, dass Köln endlich zur Marke werden muss und dass dafür eine Marketing-Gesellschaft notwendig ist. Wie beurteilen Sie die Chance, dass dies auch wirklich umgesetzt wird?

Garvens: Die Idee ist sicherlich sinnvoll, aber ich erkenne in der Stadt keine Ansätze, um das Ganze wirklich mit Leben zu füllen. Wir reden schon sehr lange darüber, konkrete Ergebnisse gibt es aber nicht. Deshalb sehe ich mittelfristig leider keine Bewegung bei diesem Thema.

BV: Welche Rolle spielt der Flughafen für die Darstellung der Stadt nach außen?

Garvens: Der Flughafen ist das Stadttor, durch das die Gäste Kölns kommen, die von weither anreisen. Der Flughafen ist der erste Berührungspunkt und das ist ganz entscheidend. Wer hier schon einen negativen Eindruck bekommt, wird diesen so schnell nicht wieder ablegen. Das ist beim Fliegen genauso. Wenn ein Passagier beim Einchecken ein negatives Erlebnis hat, wird es für die Flugbegleiter während des Flugs ganz schwer, ihn wieder zu besänftigen.

"Ich rechne wegen des harten Wettbewerbs nicht damit, dass Fliegen in Zukunft wesentlich teurer werden wird."

Michael Garvens

BV: Wie beurteilen Sie die Unterstützung der Stadt für den Flughafen?

Garvens: Wir haben eine sehr enge Kooperation und die Unterstützung ist hervorragend. Die Stadt hat die Bedeutung des Flughafens für Köln und die Region erkannt. Wo ich mir eine noch engere Zusammenarbeit vorstellen könnte, wäre die Vernetzung des Flughafens mit der Messe, der Hotelerie und mit Köln-Tourismus. Es gab schon Ansätze dazu, so bei einem Karnevalspaket, das wir zusammen mit Germanwings geschnürt haben.

Das kostete 99 Euro und beinhaltete den Flug, eine Übernachtung und die Eintrittskarte zu einer Karnevalssitzung. Das Angebot ist sehr gut gelaufen. Da könnte man noch mehr machen. Das gilt auch für die Vermarktung Kölns und der Region im Ausland. Wir haben mehr als 100 Flugziele im Low-Cost-Bereich und das sind ja keine Einbahnstraßen, da könnte man die Menschen am anderen Ende doch auch mal hierher holen. Allerdings müsste man dafür mehr die Werbetrommel rühren.

BV: Wie sieht der Flughafen der Zukunft aus?

Garvens: Ich will nicht so weit gehen und von einem Kaufhaus mit angeschlossener Start- und Landebahn sprechen. Aber den Non-Aviation-Sektor werden wir weiter ausbauen, um so den Flughafen zu einem großen und attraktiven Dienstleistungszentrum und Eventplatz in der Region zu machen, das über eine reine Verkehrsstation hinausgeht. Außerdem wird sich der Automatisierungsprozess weiter fortentwickeln.

So wird es dort, wo heute noch Check-in-Schalter stehen, in Zukunft neue Ladenstraßen geben, weil man dann beim papierlosen Fliegen mehr über das Internet oder das iPhone einchecken wird. Ich bin mir zudem sicher, dass Köln bei der Zahl der Flugverbindungen noch attraktiver werden wird und ich rechne auch wegen des harten Wettbewerbs nicht damit, dass das Fliegen in Zukunft wesentlich teurer werden wird.
 

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