So kann Köln wieder zu einer positiven Marke werden. OB Jürgen Roters im Gespräch mit dem BV.

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Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) will der Stadt wieder eine klare Richtung vorgeben.

Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) will der Stadt wieder eine klare Richtung vorgeben.

Doro Siewert

Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) will der Stadt wieder eine klare Richtung vorgeben.

Köln. Bergischer Volksbote: Herr Roters, wie fällt Ihre Bilanz als Oberbürgermeister nach den ersten acht Monaten aus?

Jürgen Roters: Es ist mit viel Arbeit verbunden, diese Stadt wieder auf einen geraden Kurs zu bringen. Köln hat einiges an Schwierigkeiten und auch Skandalen hinter sich. Das Ganze ist mit dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs eskaliert. Es gibt aber auch andere Dinge, die nicht gut gelaufen sind, so das gesamte Verfahren zum Bau der Messehallen. Jetzt geht es darum, der Stadt wieder eine klare Richtung vorzugeben, und ich bin hoffnungsfroh, dass das auch von allen Beteiligten so angesehen wird.

"Zuerst muss man, nach den Enttäuschungen, die viele erlebt haben, das Vertrauen und die Zuversicht der Bürger wieder stärken."

Jürgen Roters

BV: Wie kann man in dieser Situation, Köln nach außen hin wieder zu einer positiven Marke machen?

Roters: Da ist nichts mit bunten Bildern oder Prospekten zu erreichen. Zuerst muss man nach den Enttäuschungen, die viele erlebt haben, das Vertrauen und die Zuversicht der Bürger wieder stärken. Außerdem braucht es klare politische Linien. Es ist wichtig, nach außen zu verdeutlichen, dass Köln eine reiche Stadt ist in Hinblick auf ihre Kulturschätze, ihre Geschichte und Tradition sowie das Lebensgefühl der Menschen hier. Das sind wichtige Pfunde der Stadt. Das muss man aber nach außen kommunizieren.

BV: Was muss getan werden, um positive Schlagzeilen wie bei der Eishockey-WM langfristig nutzbar zu machen?

Roters: Man muss durch kontinuierliche gute Politik dafür Sorge tragen, dass die positiven Seiten herausgestellt werden. Wir müssen jetzt zum Beispiel den Weiterbau der Nord-Süd-Bahn sehr sicher und konfliktfrei hinbekommen. Wir müssen gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft stringent daran arbeiten, dass die Ursachen für den Einsturz des Archivs geklärt werden. Wir müssen uns außerdem dafür einsetzen, dass das Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Sachen Bau der Messehallen umgesetzt wird.

Nur so kann das Image der Stadt wieder besser werden. Wir hatten nicht nur die Eishockey-WM, wir hatten auch ein fantastisches Finale der Handball-Champions-League hier in der Arena und wir hoffen sehr, dass es gelingt, den Eurovision Songcontest nach Köln zu holen. In der Stadt wird investiert: In wenigen Wochen wird sich RTL an seinem neuen Platz in Deutz präsentieren, große Baumaßnahmen wie der Umbau des Lufthansa-Hochhauses laufen, im Gerling-Viertel wird kräftig investiert und am Waidmarkt entsteht ein neues Stadtquartier. 1,5 Milliarden werden an Investitionen für die Universität getätigt. Das bringt Köln nach vorne.

BV: Gibt es eine Chance, die Nord-Süd-Bahn auf dem Teilstück zwischen Heumarkt und Breslauer Platz vorzeitig in Betrieb zu nehmen?

Geboren 1949 in Coesfeld, 1968 bis 1974 Jurastudium, 1988 bis 1995 Persönlicher Referent und Leiter des Büros des Innenministers Herbert Schnoor, 1995 bis 1999 Polizeipräsident Köln, 1999 bis 2005 Regierungspräsident Köln, 2006 bis 2008: Freiberufliche Tätigkeit als Autor und Gutachter, 30. August 2009: Direktwahl zum Oberbürgermeister.

Roters: Die entsprechenden Gespräche laufen. Ich kann mir vorstellen, dass dies eine Möglichkeit ist, schon relativ zügig den Menschen zu signalisieren, dass zumindest ein Teil dieser Nord-Süd-Fahrt nutzbar ist und Vorteile bringt. Wenn dann die Oberflächen wieder neu gestaltet sind, dann wird das, was wir jetzt als Wunde im Herzen der Stadt empfinden, auch wieder heilen.

"Der Masterplan ist ein fantastisches Regiebuch für die Zukunft Kölns."

Jürgen Roters

BV: Wie sehen Sie die Chancen, in Zeiten knapper Kassen und Sparpläne den Masterplan von Albert Speer mittel- und langfristig umzusetzen?

Roters: Wir müssen mit langem Atem daran arbeiten. Jeder weiß, dass wir wie viele andere Städte auch unter einer dramatischen Finanzsituation leiden. Wir können uns nicht große Projekte von heute auf morgen leisten. Aber der Masterplan ist ein fantastisches Regiebuch für die Zukunft Kölns und er setzt die Maßstäbe für alle Maßnahmen, die wir jetzt im Innenstadtbereich angehen. Wir werden versuchen, das Ganze punktuell umzusetzen. Es gibt Arbeitsgruppen für die Planungen, so zum Beispiel für die Verschönerung unserer Plätze. Aber jetzt ganz viel Geld in die Hand zu nehmen und den Neumarkt in kurzer Zeit umzubauen, dazu sind wir im Moment nicht in der Lage.

BV: Gibt es bei Ihnen eine Prioritätenliste der kommenden Projekte?

Roters: Wir werden möglicherweise den ersten Schritt am Ebertplatz machen, um ihn zu verschönern. Dann werden die Ringe vom Hohenzollernring bis hin zum Barbarossaplatz modernisiert, die ja durchaus Boulevardcharakter haben und haben können. Das sind Dinge, die mit den heutigen Mitteln zu stemmen sind.

BV: Könnte eine Marketinggesellschaft ähnlich wie in Düsseldorf Köln als Marke voranbringen?

Roters: Wir überlegen im Moment, wie man ein Marketingkonzept am besten organisiert. Da bin ich offen für Vorschläge. Nur zu glauben, eine solche Gesellschaft würde von alleine funktionieren, ist falsch. Man muss sie natürlich auch entsprechend ausstatten, das gilt auch für das Budget, das zur Verfügung steht. Dafür benötigen wir ein klares Finanzierungskonzept und darüber sprechen wir gerade. Ich wäre dankbar, wenn hier City-Marketing sich engagieren und sich auch finanziell einbringen würde.

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