Seit gut zwei Jahren ist Gerald Böse Chef der der Köln-Messe. Im Gespräch mit dem BV zieht er eine erste Bilanz.

wza_375x500_760965.jpg
Seit 2008 ist Gerald Böse Vorstandsvorsitzender der Köln-Messe.

Seit 2008 ist Gerald Böse Vorstandsvorsitzender der Köln-Messe.

Seit 2008 ist Gerald Böse Vorstandsvorsitzender der Köln-Messe.

Köln. Bergischer Volksbote: Herr Böse, Sie sind jetzt seit gut zwei Jahren Chef der der Köln-Messe. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Gerald Böse: Die Bilanz der ersten zwei Jahre fällt für mich sehr positiv aus. Ich habe hier ein faszinierendes Messe-Programm übernommen und einen engen Kontakt mit unseren Kunden aufgebaut. So entwickelt man ein Gefühl, wo noch Probleme anstehen und wo es die Möglichkeit gibt, weiter durchzustarten. Was das Portfolio angeht, haben wir das Programm ergänzt, neue Messen hinzugewonnen und Veranstaltungen, bei denen es keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr gab, gestrichen.

BV: Wie wichtig ist es, die Messe mit ihren Themen und Besuchern in die Stadt zu tragen?

Böse: Da haben wir Akzente gesetzt, und das nicht nur für Köln, sondern für die gesamte Messelandschaft. Wir haben gezielt die attraktiven Themen unserer Publikumsmessen mit der "Initiative Messestadt Köln" in die Stadt gebracht. Zu den Partnern gehören City Marketing, der Einzelhandelsverband, die IHK, die Verkehrsbetriebe, die Dehoga und der Flughafen.

Wir möchten, dass sich die Aussteller und die Besucher hier in Köln wahrgenommen fühlen, dass sie ihre Branche repräsentiert sehen und das nicht nur in den Messehallen, sondern auch in der Stadt. Dazu gehört eine Shopping-Night genauso wie die Dekoration der Schaufenster im Einzelhandel nach dem jeweiligen Messethema. Das funktioniert nicht bei jeder Messe, aber Veranstaltungen wie die Gamescom, die Photokina, die Anuga oder die Intermot eignen sich gut dafür.

BV: Wie erfolgreich sind solche Aktionen?

Böse: Das Feedback der Kunden ist sehr gut. Das gilt auch für die Beteiligten, die in der Stadt davon profitieren. Man lockt mit solchen Aktionen viele Leute in die Innenstadt. Die Lage der Messe ist da ein klares Plus für Köln. Man muss nur über die Brücke gehen, schon ist man in der Altstadt und auf den Einkaufsmeilen. Die Verzahnung zwischen innerstädtischen Aktivitäten und der Messe wird deshalb bei bestimmten Themen zunehmend wichtiger.
 

"Wir konnten bei Messen, die in der Kritik standen, eine Wende schaffen, die uns wenige zugetraut hätten."

Gerald Böse

BV: Die neuen Messehallen sind ein viel diskutiertes Thema. Was ist der aktuelle Stand?

Seit 2008 ist Gerald Böse (48) Chef der Kölner Messe. Der Diplom-Betriebswirt war zu Beginn seiner Laufbahn vier Jahre bei der Messe München tätig und wechselte 1992 zur Igedo-Modemesse nach Düsseldorf. Ab 1995 verantwortete er als Geschäftsführer die Internationalisierung und den Vertrieb der Gesellschaft sowie die Unternehmensplanung. Anfang 2006 wurde er Sprecher der Geschäftsführung der Karlsruher Messe.

Die Kölner Messegesellschaft wurde 1922 auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer gegründet. Die Köln-Messe ist in Deutschland mit rund 70 internationalen Messen und über 2000 Kongressen der größte Veranstalter von Messen auf eigenem Gelände. Sie verfügt über 284 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und ein 100 000 Quadratmeter großes Freigelände. Mit 229 Millionen Euro Umsatz war 2009 ein Rekordjahr für die Messe.

Böse: Fakt ist, dass von der Stadt die Mietverträge für die Hallen gekündigt wurden und man damit den Forderungen des Europäischen Gerichtshofs nachgekommen ist. Stadt und Messe sind trotzdem im steten Dialog mit dem Fonds, um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, die für die Messe und die Stadt tragfähig ist. Wir sind bereit, die Hallen zu kaufen und in der Übergangszeit ein Nutzungsentgelt zu bezahlen. Wir sind ja keine Mietnomaden, die ohne Gegenleistung etwas nutzen wollen.

BV: Wie sehr hat der Streit um die Messehallen dem Image der Messe geschadet?

Böse: Bisher erstaunlich wenig. Natürlich machen sich unsere Partner Gedanken. Aber sie vertrauen auf die handelnden Personen. Die Stadt Köln, das Land NRW und die Messe stehen dafür ein, dass die Veranstaltungen hier in diesem und den kommenden Jahren reibungslos über die Bühne gehen.

BV: Wie sehen Sie die Perspektiven für die Köln-Messe?

Böse: Wir konnten 2009 in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld den höchsten Umsatz der Unternehmensgeschichte verzeichnen. Wir haben so viele Messen veranstaltet wie noch nie. Gleichwohl haben wir unsere ambitionierten Ziele nicht ganz erreicht. Die Unternehmen haben bei den Messebeteiligungen auf die Kosten geachtet. Ein wichtiger Erfolg war aber, dass wir alle wichtigen Partner halten konnten. Es gab wohl hier und da Standverkleinerungen, wir konnten trotzdem bei den Leitmessen alle davon überzeugen, dass ein Auftritt gerade in dieser Zeit für das Marketing unverzichtbar ist.

BV: Wie ist die Lage im laufenden Wirtschaftsjahr?

Böse: 2010 zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Das erste Halbjahr ist sehr positiv verlaufen. Wir konnten bei Messen, die in der Kritik standen, eine Wende schaffen, die uns wenige zugetraut hätten. Wir haben für die Möbelmesse 2011 erstmals wieder die Küchen an Bord mit über 110 Ausstellern. Wir haben dort außerdem etliche weitere Rückkehrer.

Dazu kommen neue Messen im kommenden Jahr wie die Leitmesse für den Gebrauchtmaschinenhandel, die Usetec sowie weitere Messe- und Kongressformate in Wachstumsthemen der Zukunft. Ich bin zuversichtlich, dass wir im laufenden Jahr das Umsatzniveau von 2009 mindestens wieder erreichen, auch durch Großprojekte wie die Organisation des Deutschen Pavillons auf der Expo in Shanghai.

BV: Was muss die Messe dafür tun?

Böse: Wir müssen unser Bestandsgeschäft mit Leitmessen in 25 Wirtschaftsbereichen erhalten und ausbauen. Wir müssen aber auch in Zukunftsthemen wie Gesundheit und Medizin, Elektromobilität, Umwelt und Technologie oder innovative Materialien investieren. Das tun wir hier auch gemeinschaftlich mit Netzwerken aus der Region wie der RWTH Aachen, der Universität Köln und mit dem Cluster-Management des Landes.

BV: Halten Sie eine Kooperation mit anderen Standorten in NRW für sinnvoll?

Böse: NRW ist Messe-Weltmeister. Fast 50 von weltweit 150 Leitmessen finden in der Region statt. Die Messeplätze haben sich bei ihrem Portfolio gut aufeinander eingestellt. Sicher gab es auch unglückliche Entwicklungen. Wenn Düsseldorf und Köln frühzeitig aufeinander zugegangen wären, wäre zum Beispiel die Modemesse Bread & Butter nicht nach Berlin abgezogen. Eine Entwicklung, die für beide Standorte negative Auswirkungen hatte. Das darf uns bei anderen Branchen nicht passieren. Wir sind offen für Kooperationen, die für beide Seiten und vor allem für unsere Kunden Sinn machen.

BV: Was wären noch Wunschmessen für den Standort Köln?

Böse: Die Veranstalter des Mobile World Congress haben jüngst mitgeteilt, dass es die Köln-Messe in die Runde der letzten sechs möglichen Gastgeber dieser Leitmesse zum Thema Mobilkommunikation geschafft hat. Eine solche Veranstaltung würde perfekt in die Region passen.
 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer