Alles nur wegen des Geldes? Zehntklässler erzählen, warum sie sich für welchen Beruf entschieden haben.

Burscheid. Wenn Felix Wengenroth und Laura Farsen von der Zukunft sprechen, dann nicht ohne Zweifel. Die Schüler machen in diesem Sommer ihren Realschulabschluss, beide wollen nach den Ferien eine weiterführende Schule besuchen und irgendwann Abitur machen. "Damit haben wir bessere Chancen", sagt Laura. Sie hat Träume, möchte gerne, "was mit Literatur machen, vielleicht auch mit Sprachen."

Ob sie diesen Traum verwirklichen kann, weiß sie nicht. Nicht jeder Realschüler werde an der Schule seiner Wahl angenommen. Und selbst wenn: "Schlimm ist, wenn ich dann das Abitur nicht schaffe", sagt sie. "Dann habe ich unglaublich viel Zeit verschenkt." Dass ihr die Welt offensteht, glaubt sie nicht. Vom Tellerwäscher zum Millionär - alles Quatsch. "Selbst wenn ich mich reinhänge, heißt das nicht, dass ich später eine Arbeit finde."

"Selbst wenn ich mich reinhänge, heißt das nicht, dass ich später eine Arbeit finde."

Laura Farsen, Realschülerin

Man müsse flexibel sein, dürfe sich nicht auf einen Beruf fixieren, glaubt Felix: "Anders geht es nicht." Wenn er die Situation der Realschüler beschreiben will, wählt er oft das Wort "übel": "Die Unternehmen haben übelst hohe Ansprüche." Er plädiert an die Ausbilder, sich ein wenig mehr Mühe zu geben und sich die Zeit zu nehmen ihre Bewerber persönlich kennenzulernen. "Viele stützen ihre Auswahl nur auf die Noten. Wir sind aber keine Übermenschen. Wer eine vier in Kunst hat, kann trotzdem ein guter Schrauber sein." Felix selbst möchte Ingenieur werden, nach dem Sommer das Berufskolleg in Opladen besuchen. "Nur wer sich früh anmeldet, macht auch einen guten Eindruck", schätzt er.

Finanziell abgesichert statt dem Traumberuf hinterherzujagen

Felix und Laura sind nicht die einzigen Schüler, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Jeder vierte Jugendliche im Alter von 15 Jahren, das besagt eine Studie der Unicef, erwartet, später gering qualifiziert beschäftigt zu sein. Damit schätzen deutsche Schüler ihre Chancen weit schlechter ein als ihr europäische Kollegen.

Anders als Felix und Laura glaubt Anne Eck - sie besucht die zehnte Klasse der Friedrich-Goetze-Schule, dass vielen Schülern einfach das Selbstbewusstsein fehlt. Eck hat Glück gehabt, das weiß sie. Anders als viele ihrer Mitschüler wird sie nach den Sommerferien eine Ausbildung beginnen. Sie will Zahnarzthelferin werden. Schon jetzt jobbt sie vier Stunden in der Woche bei ihrem künftigen Arbeitgeber. "Ich habe keine Angst vor der Zukunft", sagt sie. "Viele Schüler fürchten doch einfach nur die Niederlage." Mitschüler Dennis Faßbender ist skeptischer. Eigentlich würde er gern mit Computern arbeiten - das ist sein Hobby.

Trotzdem hat er sich entschieden, das Berufskolleg zu besuchen und eine Ausbildung zum Kaufmann für Finanzen und Versicherungen zu machen: "Da habe ich die Möglichkeit, aufzusteigen." Auch für Feridun Uslu steht die Sicherheit bei der Berufswahl im Vordergrund. Er will sein Fachabitur schaffen und dann Polizist werden. "Das ist mein Traumberuf. Beamte verdienen gut." Noch lieber würde er studieren. Was genau, darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht: "Erstmal muss ich mein Abitur bestehen." Alles nur wegen des Geldes? "Nein", sagt Uslu und lacht. "Als Polizist kann ich Menschen helfen und mich für das Recht einsetzen. Auch das ist mir wichtig."

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