Originelle Kostüme, ein Eisbrecher und eine Schützenhalle in Jeckenhand: Der „historische“ Rathaussturm war für viele eine Alternative zur Domstadt.

Originelle Kostüme, ein Eisbrecher und eine Schützenhalle in Jeckenhand: Der „historische“ Rathaussturm war für viele eine Alternative zur Domstadt.
Polonaise durch die Schützenhalle.

Polonaise durch die Schützenhalle.

Der Bürgermeister (2. v. l.) bei seiner Verteidigungsrede.

Der Rathausschlüssel in den richtigen Händen. Fotos (3): Doro Siewert

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Polonaise durch die Schützenhalle.

Burscheid. Auf Kommando lustig zu sein, das schaffen wohl nur die Profis. Kabarettisten, Comedians und erprobte Alleinunterhalter, die jedes Wochenende ihrem Publikum einheizen. Die Burscheider dagegen haben sich an den Ernst der Lage gewöhnt. Auf Fingerschnipp kommen sie nicht aus ihrer Haut.

Das erklärt auch, dass die stürmischen Weiber, die das Rathaus, Pardon die Schützenhalle, einnahmen, ein Drehbuch brauchten. Wie ein Mantra sprachen die Schützenfrauen die Aufforderung an den Bürgermeister, doch endlich von dannen zu ziehen. „Den Männern beweisen wir, wer die Stadt wirklich regiert“, lautete es im Chor. Wer wann zu kichern und zu lachen hatte, stand auch geschrieben. Was will man sich da noch lange vor dem Rathaussturm wehren?

Gut gelaunte Gäste fliehen vor dem Regen

Originelle Kostüme, ein Eisbrecher und eine Schützenhalle in Jeckenhand: Der „historische“ Rathaussturm war für viele eine Alternative zur Domstadt.
Polonaise durch die Schützenhalle.

Polonaise durch die Schützenhalle.

Der Bürgermeister (2. v. l.) bei seiner Verteidigungsrede.

Der Rathausschlüssel in den richtigen Händen. Fotos (3): Doro Siewert

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Der Bürgermeister (2. v. l.) bei seiner Verteidigungsrede.

Die Jecken drängten in den Saal des Schützenhauses. Dorthin, wo man vor den Schneeflocken des Vormittags gut geschützt war. Und genau die sollten den Jecken noch viele gut gelaunte Gäste bescheren. Auf Straßenkarneval hatten selbst eingefleischte Narren bei Schnee und Regen keine Lust. „Sonst sind wir Altweiber immer in Köln. Aber bei dem schlechten Wetter bleiben wir doch lieber in Burscheid“, sagte Ulrike Elstermeier.

Ihrer Treue zur Metropole am Rhein gaben sie und ihr Ehemann Jürgen dennoch Ausdruck: Von Kopf bis Fuß waren sie mit Fähnchen und Schriftzügen verziert, sie waren zwei wandelnde Stadtwappen.

Originelle Kostüme, ein Eisbrecher und eine Schützenhalle in Jeckenhand: Der „historische“ Rathaussturm war für viele eine Alternative zur Domstadt.
Polonaise durch die Schützenhalle.

Polonaise durch die Schützenhalle.

Der Bürgermeister (2. v. l.) bei seiner Verteidigungsrede.

Der Rathausschlüssel in den richtigen Händen. Fotos (3): Doro Siewert

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Der Rathausschlüssel in den richtigen Händen. Fotos (3): Doro Siewert

In Sachen Kostümierung waren der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Adeligen gaben sich mit dem gemeinen Volk ab: Bauern, Hexen und Mägde. „Burscheid, so schön wie anno dazumal“ lautete schließlich das Motto. Auf dem ersten Blick als Einheit erkennbar waren die Schützenfrauen oder an diesem Tage die Elben- und Droidenweiber aus dem Eifgental – eine Mischung aus Burgfräulein und Starlight-Express samt Lichterkette im Haar. „Wir puzzeln jedes Jahr an unserem Kostümen herum. Ich kann auch ein bisschen nähen, dann klappt das“, sagt Angelika Wehner vom Burscheider Schützenverein.

Aber ein gutes Kostüm macht noch keine Party. Dazu braucht es Musik, die zum Schunkeln, Tanzen und Mitgrölen anregt. DJ Mimo legte die Paveier, Helene Fischer und Brings auf. Und dann braucht es zu guterletzt noch ein Opfer, um das Eis zu brechen. Jemanden, der ganz unverhofft plötzlich im Mittelpunkt des Geschehens steht. Dieser jemand war Axel Schwamborn, der seine Feier zum 70. Geburtstag praktischerweise in die Schützenhalle verlegen konnte. Das Lied „Sierra Madre“ war nur ihm gewidmet. Als er die Tanzfläche betrat, taten viele Gäste es ihm nach. Das weitere Programm für den Tag: „Viel trinken, Spaß haben und feiern“, sagte das Geburtstagskind.

Die Party steht im Mittelpunkt

Das Hauptaugenmerk lag auch bei Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss auf Party. Schließlich kamen am diesjährigen Altweibertag weder das Dreigestirn aus Blecher noch die „Traumtänzer“. Die einen, weil es sie in dieser Session nicht gibt, die anderen, weil sie bereits lange im Voraus ausgebucht waren. „Heute gibt es Party, Party, Party“, so Bergfelder-Weiss, die sich ein originalgetreues Magd-Kostüm aus dem Fundus der Kaltenherberger Heimatfreunde geliehen hatte. Die Party sei doch das Wichtigste. Für Ulrike Elstermeier auf jeden Fall. „16 Jahre haben wir in Bayern gelebt, bis wir endlich wieder nach Burscheid gezogen sind“, erzählte sie. „Ich freue mich jedes Jahr auf Karneval.“

 

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