Die Stadt Solingen hat die Trinkwasserentnahme wegen Algenbefalls gestoppt. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Analyse
Die 43 Meter hohe Staumauer des Hauptbeckens der Sengbachtalsperre. an der Wasseroberfläche wurde eine rote Wasserverfärbung festgestellt, die sich als Teppich der Burgunderblutalge herausgestellt hat.

Die 43 Meter hohe Staumauer des Hauptbeckens der Sengbachtalsperre. an der Wasseroberfläche wurde eine rote Wasserverfärbung festgestellt, die sich als Teppich der Burgunderblutalge herausgestellt hat.

Christian Beier

Die 43 Meter hohe Staumauer des Hauptbeckens der Sengbachtalsperre. an der Wasseroberfläche wurde eine rote Wasserverfärbung festgestellt, die sich als Teppich der Burgunderblutalge herausgestellt hat.

Bergisches Land. Groß ist die Verunsicherung der Solinger Bevölkerung nach der Entdeckung von vermutlich giftigen Burgunderblutalgen in der Sengbachtalsperre. Denn die Trinkwasserentnahme aus dem Stausee ist seit Freitag gestoppt. Das Wasserwerk in Glüder ist damit vorerst gesperrt: Frühestens heute Mittag soll das Analyse-Ergebnis von Wasserproben eines externen Hygienelabors vorliegen, sagte Michael Esser. Er ist Leiter des Solinger Stadtwerke-Labors.

 

Ist der Stopp der Wasserentnahme nur eine reine Vorsorgemaßnahme?

Der Chemie-Ingenieur unterstreicht nochmals, dass es am vergangenen Freitag eine „reine Vorsorgemaßnahme“ gewesen sei, derzeit der Sengbachtalsperre kein Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung zu entnehmen. Er begründet: „Die von uns im SWS-Labor ermittelten Belastungswerte durch die nur 0,3 Millimeter großen und erstmals in der Sengbachtalsperre aufgetretenen Algen, die als ein Cyano-Bakterium gelten, liegen weit unter dem von der Weltgesundheitsorganisation vorgeschriebenen Richtwert von einem Mikrogramm pro Liter.“

Wo und auf was werden derzeit die Wasserproben untersucht?

Die Proben werden in einem dafür akkreditierten Labor auf den Giftstoff Mikrozystin untersucht. Das Gift entsteht beim Zerfall der Algen. „Aber wir wollen ganz sicher sein, darum erfolgte die Einbindung eines externen Hygiene-Labors.“ Vorsorglich und ohne gesetzliche Vorgabe sei das mögliche Auftreten der Burgunderrotalgen der Bezirksregierung gemeldet worden, so Esser. „Wir stehen vorsorglich bereits mit einem weiteren Hygiene-Institut in Gelsenkirchen in Verbindung und wollen in jedem Fall Kontakt zu einem Gewässerbiologen aufnehmen“, kündigt Esser an.

 

Warum ist die Alge ausgerechnet diesen Winter aufgetreten?

Das könne man nicht sagen, so Esser. „Derartige Algen können durch Enten eingeschleppt worden sein.“ Besonders wachse und vermehre sich die Alge, wenn das Binnengewässer einen hohen Nährstoffgehalt beispielsweise durch Überdüngung von Feldern und Wiesen im Einzugsgebiet aufweise. Doch das sei gerade bei der Sengbachtalsperre seit Jahrzehnten nicht der Fall. „Die wöchentlichen Messungen belegen dies: Der Nährstoffgehalt ist stets extrem niedrig“, so der Chemie-Ingenieur.

Was geschieht, wenn heute die Ergebnisse vorliegen? Wer entscheidet, ob die Talsperre wieder freigegeben werden darf?

Die Talsperre wurde nicht durch eine Behörde gesperrt, sondern von den SWS selbst. „Daher können wir die Talsperre auch jederzeit wieder freigeben“, so Esser.

 

Wie kommt das Ersatz-Trinkwasser aus der Großen Dhünntalsperre überhaupt nach Solingen?

Norbert Kellner, SWS-Abteilungsleiter für Wasserversorung, -aufbereitung und -speicherung, erklärt: „Die SWS sind zu 20 Prozent Anteilseigner am Bergischen Trinkwasserverbund, dem Betreiber der Dhünntalsperre, und beziehen immer schon die Hälfte des Solinger Trinkwassers aus der Großen Dhünntalsperre.“

Dieses Rohwasser fließe durch eine Transportleitung bis zum Wasserwerk Dabringhausen und werde dann aufbereitet zum großen Pumpwerk nach Remscheid-Aue geleitet. Von dort wird es nach Gräfrath zu zwei je 10 000 Kubikmeter fassenden Großbehältern abgepumpt – täglich seien das rund 27 000 Kubikmeter Trinkwasser. Von dort wird das kühle Nass ins Solinger Netz eingespeist. Jederzeit könne die Abnahmemenge aus der Dhünntalsperre gesteigert werden.

Entstehen den Solinger Stadtwerken hierdurch zusätzliche Kosten?

Das sei nicht der Fall, sagt Norbert Kellner. Sobald die Sengbachtalsperre wieder angezapft werden könne, stoppe man die Förderung aus der Dhünntalsperre für Solingen wieder, sodass man im Rahmen des Jahreskontingents von 6,3 Millionen Kubikmeter bleibe. Damit entstünden für die SWS auch keine Mehrkosten.

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