Weiberfastnacht: Das getrickste Rathaus hält dem jecken Ansturm nicht lange stand. Jetzt haben die Frauen das Sagen.

Seit dem frühen Morgen auf den Beinen: Angelika Überall (rechts) und ihre Mitstreiterinnen schunkeln sich in der Schützenburg warm.  (Fotos (4): Doro Siewert)
Seit dem frühen Morgen auf den Beinen: Angelika Überall (rechts) und ihre Mitstreiterinnen schunkeln sich in der Schützenburg warm. (Fotos (4): Doro Siewert)

Seit dem frühen Morgen auf den Beinen: Angelika Überall (rechts) und ihre Mitstreiterinnen schunkeln sich in der Schützenburg warm. (Fotos (4): Doro Siewert)

Seit dem frühen Morgen auf den Beinen: Angelika Überall (rechts) und ihre Mitstreiterinnen schunkeln sich in der Schützenburg warm. (Fotos (4): Doro Siewert)

Burscheid. Es ist kurz vor halb elf. Im Schützenhaus, das an diesem Tag stellvertretend Rathaus heißt, sammeln sich die ersten Indianer. Beschwingt und bereit, dem Bürgermeister zur Seite zu stehen und das Haus vor dem Ansturm der närrischen Weiber zu schützen. Doch die Männer müssen sich gedulden. Angelika Überall und ihre Freundinnen schunkeln sich noch in der Schützenburg warm für die entscheidende Schlacht.

Seit dem frühen Morgen sind sie auf den Beinen. Die Kostümierung kostete Zeit. Ideengeber waren die schrägen Outfits von Popstars wie Gossip-Sängerin Beth Dito oder Lady Gaga. "Vampir oder Popstar - egal. Hauptsache, nicht langweilig", sagt Überall und lacht.

Punkt 11.11 Uhr rückt Bürgermeister Stefan Caplan vor dem neuen Rathaus Halstuch und Schnurrbart zurecht und ist entsetzt: "Wo kommen denn die ganzen Männer her?" Tatsächlich hat sich eine Horde Gallier zu den jecken Weibern vor dem Eingang gesellt. Ein rot gelockter Michael Baggeler grinst zurück, tritt höflich zur Seite und lässt den Frauen den Vortritt.

Der Bürgermeister kapituliert und bietet die Friedenspfeife an

Angesichts der weiblichen Übermacht beharrt Caplan nicht allzu lange darauf, das Sagen im Rathaus zu behalten. Er entscheidet sich für Kapitulation und bietet Petra Wengenroth Friedenspfeife und Rathausschlüssel an - und zwar das karnevalistische Original aus Bronze.

Das hatte der Hans Dieter verkrost, munkelt ein Karnevalist in der Menge. Erst kürzlich sei der Schlüssel wieder aufgetaucht. Ex-Bürgermeister Hans Dieter Kahrl alias Winnetou nimmt’s gelassen, blinzelt und schiebt sich gut gelaunt die schwarze Indianer-Mähne aus der Stirn.

Die Frauen stürmen das Rathaus, Cowboy Caplan und seine männlichen Mitstreiter stürmen mit. Die Krawatte haben sie zu Hause gelassen. Schließlich sei "Wilder, wilder Westen" das Motto des Tages: "Wie sieht das denn aus? Ein Cowboy, der Krawatte trägt!" Inge Schmitten ist das ganz recht. Sie ist 75 Jahre alt, feiert jedes Jahr im Schützenhaus Altweiber: "Eine Krawatte abschneiden - ne, das mache ich nicht." Schunkeln schon.

Karnevals-Urgestein Fritz Jansen ("Mir kann nix mehr passieren, ich steh unter Denkmalschutz") steigt in die Bütt, DJ Peter Mihm macht Stimmung. Angelika Überall stellt den Dreizack beiseite, um besser schunkeln zu können. Die Freundinnen tun es ihr nach. Hippie hakt sich bei Neanderthaler und Indianer bei Cowboy unter. "Komm’, hol das Lasso raus", dröhnt es aus den Boxen und die Karnevalisten im Saal heben die Arme. Vor 21 Uhr, da sind sich alle einig, geht heute kein Narr nach Hause. Auf gar keinen Fall.

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