Projekt: Ein Erlebnisparcours soll frühzeitig bei der Berufs- und Lebensplanung helfen.

Schüler der Burscheider Hauptschule werfen im Zeittunnel mit Reisebegleiterin Sigrid Weidig (r.) von der Caritas Rhein-Berg einen Blick auf ihre Zukunft.
Schüler der Burscheider Hauptschule werfen im Zeittunnel mit Reisebegleiterin Sigrid Weidig (r.) von der Caritas Rhein-Berg einen Blick auf ihre Zukunft.

Schüler der Burscheider Hauptschule werfen im Zeittunnel mit Reisebegleiterin Sigrid Weidig (r.) von der Caritas Rhein-Berg einen Blick auf ihre Zukunft.

Jürgen Venn

Schüler der Burscheider Hauptschule werfen im Zeittunnel mit Reisebegleiterin Sigrid Weidig (r.) von der Caritas Rhein-Berg einen Blick auf ihre Zukunft.

Rhein.-Berg. Kreis. Irena kann vor Lachen kaum gehen. Doch nicht nur das hindert sie am Vorankommen. An ihrem rechten Fuß trägt die 13-Jährige eine Schwimmflosse, in ihren Händen hält sie einen kleinen gelben Tisch. Auf der anderen Seite hält die zwölfjährige Alina die Tischplatte. Hinter Alina bemüht sich Katrin (12), ebenfalls mit einer Schwimmflosse am Fuß, voranzukommen.

Kichernd versuchen die drei Schülerinnen der Hauptschule Wermelskirchen sich und ihre Last durch das Labyrinth von "Komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft" zu manövrieren. An dem Projekt haben in dieser Woche 500 Siebt- und Achtklässler aus Haupt- und Förderschulen des Rheinisch-Bergischen Kreises teilgenommen. Am Dienstag absolvierten Schüler der Burscheider Friedrich-Goetze-Hauptschule den Erlebnisparcours.

Für jede gelöste Aufgabe gibt es einen Aufkleber mit einer Stärke

Irena, Alina und Katrin stoßen zwar an so manche Wand, schaffen es aber trotzdem die Aufgabe zu meistern. Kaum sind die Schülerinnen aus dem Labyrinth heraus, bekommen sie auch schon einen Aufkleber, auf dem eine große und eine kleine Hand abgebildet sind. Er symbolisiert die Stärke Hilfsbereitschaft und Teamarbeit. "Die Schüler bekommen vermittelt, dass jeder Mensch seine Stärken hat", sagt Landrat Rolf Menzel, der die Schirmherrschaft für das Projekt im Kreis übernommen hat.

Siebt- und Achtklässler sollen frühzeitig unterstützt werden

Das landesweite Angebot der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) und des NRW-Schulministeriums soll Siebt- und Achtklässler aus Haupt- und Förderschulen frühzeitig bei der Berufs- und Lebensplanung unterstützen. "Die Weichen für die Zukunft können gar nicht früh genug gestellt werden", sagt Anna Artmann von der Agentur für Arbeit in Bergisch Gladbach.

Der Erlebnisparcours, der in dieser Woche im Saal 2000 in Bergisch Gladbach aufgebaut war, soll den Schülern dabei helfen, ihre Stärken zu entdecken und selbstbewusster zu werden. An vier Stationen müssen die Schüler Aufgaben erledigen.

Das Projekt gibt es seit 2006, 2008 fand es zum ersten Mal im Rheinisch-Bergischen Kreis statt. Ins Leben gerufen wurde es, da Studien der BZGA ergeben haben, dass sich eine drohende berufliche Perspektivlosigkeit auch auf die Lebensplanung auswirken kann. So ist die Rate ungewollter Schwangerschaften bei Hauptschülerinnen fünfmal so hoch wie bei Gymnasiastinnen.

Komm auf Tour" kostet jährlich 2,4 Millionen Euro. Die Hälfte trägt die Bundesarbeitagentur, die andere teilen sich BZGA, Kommunen, Land und auch Verbände.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis beteiligen sich 31 Partner an "Komm auf Tour". Darunter sind Wohlfahrtsverbände, unterschiedliche Beratungsstellen, Ämter der Kommunen und des Kreises sowie die Schulsozialarbeit.

An den einzelnen Stationen werden die Schüler von Diplom-Pädagogen betreut. Außerdem hat jede Gruppe mindestens einen festen Reisebegleiter. "Das sind Mitarbeiter aus der Region von der Arbeitsagentur oder der Schwangerschaftskonfliktberatung, damit die Kinder die Institutionen mit einem Gesicht in Verbindung bringen", sagt Stefan Krings von der BZGA.

Neben dem Labyrinth gibt es eine sturmfreie Bude, die die Schüler wieder auf Vordermann bringen sollen. Im Zeittunnel geht es um die Planung der Zukunft. "Die Schüler haben verschiedene Karten und sollen sich überlegen, was für eine Reihenfolge zum Beispiel bei Kind, Hochzeit und Ausbildung sinnvoll ist oder ob man nicht zuerst arbeiten sollte, bevor man sich einen Ferrari kauft", sagt Stefan Krings von der BZGA. An der vierten Station sollen sich die Schüler dann Szenen zu Themen wie zum Beispiel Vorstellungsgesprächen ausdenken und auch vorspielen.

Auch Lehrer und Eltern werden in das Projekt eingebunden

Nach 20 Minuten ertönt eine Musik und die Schüler wechseln ihre Stationen. Stolz zeigt Alina ihren Freunden ihren bunten Ärmel, auf dem schon zahlreiche Aufkleber kleben. Sie symbolisieren sieben Stärken: Ordnung/Organisation, Arbeit mit Tieren/Pflanzen, Kreativität/Fantasie, Zahlen/Rechnen, Reden/Zuhören, handwerkliches Geschick und Hilfsbereitschaft/Teamarbeit. "Ich habe jetzt schon besonders viele Zahlen", sagt Alina nach drei Stationen. Bei der Auswertung nach allen vier Stationen erfährt sie dann - ebenso wie alle anderen Teilnehmer - welche Berufsbilder zu den Stärken passen. "Es ist nur ein erster Impuls und kein analytisches Verfahren", sagt Krings.

Bei "Komm auf Tour" sind aber nicht nur die Kinder aktiv. Für die Eltern gibt es einen Infoabend und während die Schüler eifrig Aufkleber sammeln, können die Lehrer Kontakt mit regionalen Beratungsstellen knüpfen.

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