Zwei 17-jährige Kölner aus der Roofing-Szene haben am Freitag bei dem Schneesturm den TV-Mast in Witzhelden erklettert. Die Polizei warnt vor dem lebensgefährlichen „Ausflug“. Und eigentlich sollte der Turm längst weg sein.

Zwei 17-jährige Kölner aus der Roofing-Szene haben am Freitag bei dem Schneesturm den TV-Mast in Witzhelden erklettert. Die Polizei warnt vor dem lebensgefährlichen „Ausflug“. Und eigentlich sollte der Turm längst weg sein.
Der Videoausschnitt zeigt einen der beiden 17-Jährigen auf der Spitze des Fernsehmastes in etwa 200 Metern Höhe. Gerade beginnt der Schneesturm. Repro/Aufnahme: Heimann/Sined

Der Videoausschnitt zeigt einen der beiden 17-Jährigen auf der Spitze des Fernsehmastes in etwa 200 Metern Höhe. Gerade beginnt der Schneesturm. Repro/Aufnahme: Heimann/Sined

Obwohl es 2015 schon eine Abrissgenehmigung gab, steht der Fernsehturm in Witzhelden immer noch.

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Der Videoausschnitt zeigt einen der beiden 17-Jährigen auf der Spitze des Fernsehmastes in etwa 200 Metern Höhe. Gerade beginnt der Schneesturm. Repro/Aufnahme: Heimann/Sined

Rhein.-Berg. Kreis. Zwei 17-jährige Kölner sind am Freitag ungesichert auf den Witzheldener Fernsehmast geklettert. Als sie in etwa 200 Metern Höhe auf der Plattform ankamen, setzte gerade der Schneesturm ein. Die beiden konnten den hohen Zaun an dem Eingang mühelos überwinden und hatten auch leichtes Spiel, in den Mast zu kommen. Offensichtlich ist der gar nicht gegen ungebetene Besucher abgeschottet. Der Hauptakteur des Kletterer-Teams ist regelrechter Stammgast in Witzhelden.

„Ich war schon acht Mal dort oben“, berichtet Sined, der auf BV-Anfrage bereit ist, anonym über „sein Hobby“ zu berichten. „Ich liebe einfach das Klettern, das ist alles. Und die Fotos, die am Ende entstehen.“ Mit der Sucht nach einem besonderen Kick, einem Thrill oder dem verstärkten Bedürfnis nach öffentlicher Aufmerksamkeit habe die gefährliche Kletterpartie nichts zu tun. Zumindest schenkt „Sined“ diesen Fragen keine Aufmerksamkeit.

Allerdings lassen die bisher „eroberten“ Gebäude und die öffentliche Darstellung in verschiedenen Online-Plattformen (Youtube) darauf schließen, dass es um Ansehen insbesondere in der Szene geht. Nicht von ungefähr sagt „Sined“ über sich selbst in manchen dieser Darstellungen, dass er „The King in NRW“ sei. Auf Hochhäusern in Köln und Düsseldorf sei er herumspaziert, auch die Müngstener Brücke habe er erklommen – entsprechende Fotos im Internet belegen die waghalsigen Unternehmungen des 17-Jährigen und seinen Freunden, die zur so genannten Roofing-Szene gehören. „Der Witzheldener Turm war damals der Anfang für mich in der Deutschen Roofingszene. Ich verbinde vieles mit diesem Turm und bin wie das ganze Dorf dagegen, dass er abgerissen werden soll.“ Das wird freilich nicht von allen Witzheldenern geteilt, wie die Reaktionen auf den Link ergeben, den „Sined Cologne“ in der Facebook-Gruppe „Liebe Witzheldener“ gepostet hat. Dort sind einige Bewohner des Höhendorfs dafür, dass das „Wahrzeichen“ wegkommt, wenn viele auch schon 2015 gefordert hatten, den Mast als Industriedenkmal zu erhalten. Damals waren die Pläne des Betreibers (Deutsche Funkturm/Tochter der Telekom) längst von der Verwaltung abgesegnet worden, dort einen neuen, 40 Meter hohen Stahlgittermast zu errichten. Doch der Abriss verzögerte sich. Allerdings dürfte das Ende des roten-weißen Turms nur eine Frage der Zeit sein. Die Deutsche Funkturm (die auf Anfrage des BV zur Zukunft des Turms nicht reagiert hat) sieht jährliche Kosten für den Unterhalt in Höhe eines sechsstelligen Betrages, falls es doch keine Erlaubnis zum Abriss geben werde.

So bleibt es nur bei einer Warnung der Polizei: „Gerade bei dieser Witterung ist das lebensgefährlich. Die spielen mit ihrem Leben“, sagt Sprecherin Sheila Behlert. Und wenn die Polizei eine Meldung bekomme, würden schnell die Höhenretter der Feuerwehr alarmiert. Und dann könne „das Hobby“ richtig teuer und unangenehm werden. So bleibe es ein Hausfriedensbruch.

Roofing wird ein Extremsport genannt, bei dem Menschen ohne Sicherung auf hohe Bauwerke klettern, um sich dort zu fotografieren oder zu filmen.

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