Gezielt können künftig Menschen in Burscheid gefördert werden, die Opfer eines Schlaganfalls geworden sind oder an Parkinson erkrankt sind.

Gezielt können künftig Menschen in Burscheid gefördert werden, die Opfer eines Schlaganfalls geworden sind oder an Parkinson erkrankt sind.
V.l.: Josef Dirnberger, Ergotherapeutin Julia Schaaf, Edeltraud Mosch und Reha-Fachtrainer Bernhard Pautsch demonstrieren die Übungen in einem Raum des Altenzentrums, in dem die Bewegungstherapie künftig immer mittwochs angeboten wird.

V.l.: Josef Dirnberger, Ergotherapeutin Julia Schaaf, Edeltraud Mosch und Reha-Fachtrainer Bernhard Pautsch demonstrieren die Übungen in einem Raum des Altenzentrums, in dem die Bewegungstherapie künftig immer mittwochs angeboten wird.

Doro Siewert

V.l.: Josef Dirnberger, Ergotherapeutin Julia Schaaf, Edeltraud Mosch und Reha-Fachtrainer Bernhard Pautsch demonstrieren die Übungen in einem Raum des Altenzentrums, in dem die Bewegungstherapie künftig immer mittwochs angeboten wird.

Burscheid. Erstmalig wird es ab sofort mittwochs ein offenes Reha-Sportangebot für Menschen in Burscheid geben, die einen Schlaganfall erlitten haben oder von Parkinson betroffen sind. In lockerer Atmosphäre bei Schlagermusik oder Wanderliedern sollen Betroffen durch Übungen unter anderem mit Gymnastikbällen oder leichten Hanteln ihre Mobilität und Sensorik stärken. Die zunehmende Immobilität könne so verzögert werden, heißt es.

Träger des Angebots ist der Verein Rehabilitations- und Behindertensport (RBS) Burscheid in Kooperation mit der Tagespflege des Luchtenberg-Richartz-Hauses auf der Schützeneich. „Wir haben entschieden, dass das in der Tagespflege gut angesiedelt ist“, erklärt Einrichtungsleiterin Birgit Hoferichter, die den Raum für die Übungen jeden Mittwoch in der Zeit von 10.45 bis 12.15 Uhr zur Verfügung stellt. Als künftige Teilnehmer dabei sind bereits vier Betroffen mit dem Krankheitsmuster, die die Tagespflege besuchen. Sechs bis acht weitere Menschen finden aber noch in den Räumlichkeiten des Altenzentrums Platz – je nachdem, wie viel Rollstuhlfahrer dabei sein werden.

Julia Schaaf und Bernhard Pautsch betreuen die neue Gruppe

Betreut werden sie von Reha-Trainer Bernhard Pautsch und

der Ergotherapeutin des Seniorenzentrums, Julia Schaaf. „Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben oder unter Parkinson leiden, verlieren ohne eine Bewegungstherapie ihre mobilen und sensorischen Fähigkeiten. Wir versuchen das umzudrehen“, sagt die Expertin, die unterschiedliche Materialien für das Bewegungsangebot parat hält.

Bunte Gymnastikbälle sind genauso darunter wie seidene Tücher, Wollknäueln oder sogar Hanteln. „Die haben natürlich nur ein Gewicht von 0,5 bis ein Kilogramm. Aber alles wird durchbewegt.“ Und da bestimmte Rhythmen die Motorik anregen können, wird auch der Lautsprecher dezent aufgedreht. „Musik spielt eine große Rolle dabei“, erklärt Julia Schaaf. Der Jahreszeit angepasst könnte das in den kommenden Wochen so mancher Karnevalshit sein, der zudem die Erinnerung weckt.

Dass das Reha-Angebot für die Zielgruppe etwas außerordentlich Wichtiges sei, erklärt Christa Glaubitz, die für die Tagespflege in dem Altenzentrum verantwortlich ist. „Wir haben Bewegungsangebote im Haus. Aber wir stellen fest, dass die Schlaganfallpatienten ganz lieb herumsitzen und nichts sagen. Sie fühlen sich als Hemmschuh.“ Um die Menschen aus dieser Passivität herauszuholen, müsse man sie in überschaubaren Gruppen mit Teilnehmern des selben Krankheitsbildes betreuen. „So können wir diese Menschen ganz gezielt fördern.“

Dass schon früh der Faden verloren gehe, um insbesondere Schlaganfallpatienten wieder die Möglichkeit einer höheren Lebensqualität zu geben, erläutert RBS-Vorsitzende Gertrude Struminski. „Nach einem Schlaganfall kommen die Patienten in eine Reha-Maßnahme.“ Auch bei der späteren medizinischen Betreuung wieder zurück zu Hause dürften Angebote in Anspruch genommen werden. „Aber irgendwann verordnet der Arzt das nicht mehr.“ Die Folge: Motorik, Sensorik – und schließlich die gesamte soziale Teilhabe am Leben lasse nach und schlafe ein. Genau dem soll jetzt durch das Angebot entgegengesteuert werden.

Möglich gemacht hat das Angebot der Landessportbund NRW, der das Modellprojekt „Bewegende Alteneinrichtungen & Pflegedienste (BAP) mit 1000 Euro ein Jahr bezuschusst. Berater Christopher Winter: „Wir haben die Vereine 2016 angeschrieben und über die Möglichkeit der Anschubfinanzierung informiert.“ Der RBS habe als einer der ersten Verein reagiert. Bedingung sei aber die Kooperation mit einer Einrichtung gewesen. Genau die wurde mit der Tagespflege des Burscheider Altenzentrums gefunden.

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