Das Tricafé bietet Nähkurse für Flüchtlinge. Die Frauen dort sprechen nicht eine Sprache, aber haben das gleiche Ziel: etwas Neues zu lernen.

An der Nähmaschine werden aus Stoffen Kleidungsstücke. Die Teilnehmerinnen gucken interessiert zu.
An der Nähmaschine werden aus Stoffen Kleidungsstücke. Die Teilnehmerinnen gucken interessiert zu.

An der Nähmaschine werden aus Stoffen Kleidungsstücke. Die Teilnehmerinnen gucken interessiert zu.

Monika Wagner von der Flüchtlingshilfe, überprüft das gerade fertiggestellte Kleidungsstück.

Doro Siewert, Bild 1 von 2

An der Nähmaschine werden aus Stoffen Kleidungsstücke. Die Teilnehmerinnen gucken interessiert zu.

Burscheid. Ein Parkplatz war noch frei vor dem Tri-Café am Freitag, um 11 Uhr. In der oberen Etage ging es seit einer Stunde sehr lebhaft zu. Vier elektrische Nähmaschinen schnurrten um die Wette, Stoffe in Fülle bedeckten den großen Tisch und geschickte Hände schnitten gezielt Formen aus weichem Material. Fatmire Burga – geboren in Albanien – und seit vielen Monaten mit Ehemann und drei Kindern in Burscheid zu Hause, probierte soeben ein geblümtes Kleid an. Obwohl sie den sommerlichen Stoff über ihr hübsches Alltagsgewand zog, war schon zu sehen, dass Weite und Länge fast dem Endprodukt entsprachen.

Die sprachlichen Schwierigkeiten sorgen für Heiterkeit

Fatmire holt sich für ihre Anfänge im Selbstschneidern gerne professionelle Hilfe. Besonders Irmgard Grave kümmert sich darum, die einfachen Arbeitsgänge dieses Handwerks zum Teil mit Händen und Füßen zu erklären. Ihr zur Seite steht Gerlinde Roscheck. An ihr hängen sogar die Allerjüngsten im Raum, deren junge Mütter froh sind, wenn sie sich eine Weile auf die Näharbeit konzentrieren können. Am vergangenen Freitag saßen zehn Kurs-Teilnehmerinnen beim Schneidern. Die Schwierigkeit, sich untereinander sprachlich zu verständigen, machte die Stimmung nicht gespannt, sondern eher heiter.

Eine gute Hilfe, Begriffe zu übersetzen, war Nargis Safi. Die 28-jährige Afghanin trat die Nachfolge von Luise Mühl an, deren Praktikum dem Ende entgegengeht. Die Leiterin des Bundes-Freiwilligen-Dienstes, Sektion Flüchtlingshilfe, Monika Wagner, berichtet mit einigem Stolz: „Nargis ist die erste anerkannte Asylbewerberin, die in diese Tätigkeit offiziell berufen wurde. Sie bringt aus ihrer Heimat eine solide pädagogische Ausbildung mit und hat dort bereits im sozialen Bereich gute Kenntnisse erworben. Sie ist uns eine wertvolle Hilfe im Umgang mit ihren Landsleuten, etwa bei Amts- und Arztbesuchen.“ Dass Nargis nicht weniger geschickt mit Nadel und Faden umgeht, war gut zu beobachten.

Flora Hakobyn bewunderte derweil wie aus einem unförmigen Stoffteil ein Rock wurde. Die gebürtige Armenierin hatte in ihrer Heimat zwar per Hand einfache Reparaturarbeiten an Kleidungen ausgeführt, staunte nun aber über die jungen Frauen im Tri-Café, wie sie mit den elektrischen Maschinen zurechtkommen. Flora hatte eine junge Irakin zur Seite, die mit sicherem Schnitt ein Rockteil entwickelte. Hadeel Dakil wohnt seit einigen Monaten in Burscheid. Unter ihren Händen entstanden bereits viele Kleidungsstücke. Die ersten Näherfahrungen brachte sie aus ihrer Heimat mit. Sozusagen als Naturtalent in diesem Bereich stellt sie die nötigen Schnittvorlagen selbst her – aus festem Papier und nach Vorlagen im Kopf, passend für die benötigten Größen.

Von vielen Seiten kommen Stoffe und Nähzubehör als Spenden ins Tri-Café. Irmgard Grave hat noch gute Kontakte zu ihrem früheren Berufsumfeld. Am Freitag brachte auch Monika Karrenbauer (Stadtbibliothek) einen Stapel aus ihrem privaten Restbestand. Im Augenblick stehen vier elektrische Nähmaschinen zur Verfügung. . Weitere Maschinen sind durchaus erwünscht. In den Sommerferien wird der Nähkurs nicht weitergeführt. Für die Frauen wird eine Art Ersatztreffen angeboten. Monika Wagner wird an den Montagen und Mittwochen die Sprachkurse in der evangelischen Kirche fortsetzen; anschließend an die Lernstunden mit den Frauen und Kindern einen sprachfördernden Spaziergang in Burscheids Umgebung unternehmen.

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