Mit Werken von Gluck und Haydn baut die Musicalische Academie auf die Tradition klassischer Sinfoniekonzerte.

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Solist Joachim Schiefer (r.) am Cello setzt nicht auf vordergründige Effekte, sondern lässt der Komposition den Vorrang.

Solist Joachim Schiefer (r.) am Cello setzt nicht auf vordergründige Effekte, sondern lässt der Komposition den Vorrang.

Barbara Sarx

Solist Joachim Schiefer (r.) am Cello setzt nicht auf vordergründige Effekte, sondern lässt der Komposition den Vorrang.

Burscheid. Eine Ouvertüre, ein Solokonzert, eine Sinfonie - die Musicalische Academie von 1812 zu Burscheid trägt die Tradition großer klassischer Sinfoniekonzerte ins Haus der Kunst: mit Musik von Christoph Willibald Gluck und Joseph Haydn, dessen 200. Todestag man 2009 in der ganzen musikalischen Welt gefeiert hat.

Glucks Oper "Iphigenie in Aulis" ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Nur die Ouvertüre zu dieser Oper erfreut sich bis heute großer Beliebtheit, und so war die Academie gut beraten, mit diesem von starken Gefühlen geprägten Werk ihr Konzert zu beginnen. Der offene Klang der Komposition birgt Schwierigkeiten in einem Raum, dem der Nachhall fehlt. Die Academie meisterte sie mit gut kalkulierter Intuition.

Das Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 D-Dur von Joseph Haydn ist ein "Publikumsliebling", seine Melodien hat jeder Musikfreund im Ohr. Umso erstaunlicher, wie der in Wuppertal geborene Cellist Joachim Schiefer dem Werk ein neues Gesicht gab: keine vordergründigen Effekte, ein kammermusikalischer Ton, die Lautstärke immer wieder bis zum Pianissimo zurückgenommen. Die virtuosen Läufe bekamen keinen falschen Glanz, die Kadenz des ersten Satzes einen Hauch von Traurigkeit.

Wolfgang Georg passte die Academie diesem ungewohnten Klangerlebnis in jeder Nuance an - für das inzwischen große Orchester stellten vor allem die vom Solisten vorgegebenen leisen Passagen eine Herausforderung dar. Mit vollem Ton gestaltete Joachim Schiefer den langsamen Satz, ein Interpret, der nie eine "Schau" macht, sich selbst zurücknimmt und dem Werk in jeder Phase den Vorrang lässt.

Auch das heitere Rondo blieb still und eher verhalten bei aller Virtuosität. Diesem Konzept entsprach auch die von den Zuhörern erklatschte Zugabe: eine innige Interpretation der Sarabande aus der Suite in g für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach.

Deutliche Fortschritte unter Leitung von Wolfgang Georg

Beschwingt, entspannt und temperamentvoll ging es weiter mit der Sinfonie Nr.101 von Joseph Haydn. Und deutlich war zu hören, welche Fortschritte die Academie unter ihrem Leiter Wolfgang Georg in den vergangenen Jahren gemacht hat: Da sitzt alles: von den exakten Einsätzen, der schönen Phrasierung bis zur ausgefeilten Dynamik.

Der zweite Satz hat der Sinfonie den Beinamen "Die Uhr" gegeben. Leichtfüßig ließ Wolfgang Georg die "Uhr" ticken, besonders hervorzuheben die wohlklingenden Bläser. Das muntere Scherzo und das rasante Finale spielten die Musiker zur Freude der Zuhörer mit sichtlichem hörbarem Vergnügen. Diese Uhr zählte nur die heiteren Stunden.

Viel Beifall für Wolfgang Georg und sein glänzend disponiertes Orchester.

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