Der Landrat soll den Kreis zum Jahreswechsel verlassen. Das Ja des Leverkusener Stadtrats gilt als sicher.

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Jetzt doch vor dem Abgang als Landrat: Rolf Menzel.

Jetzt doch vor dem Abgang als Landrat: Rolf Menzel.

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Jetzt doch vor dem Abgang als Landrat: Rolf Menzel.

Rhein.-Berg. Kreis. „Ich bin gerne Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises und das möchte ich auch bleiben.“ So klang Rolf Menzel (CDU) noch Ende Februar, als er einem möglichen Wechsel als Geschäftsführer zu den Abfallwirtschaftsbetrieben nach Köln eine Absage erteilte. Inzwischen ist praktisch sicher, dass Menzel dafür nach Leverkusen zurückkehrt: als Geschäftsführer der Energieversorgung Leverkusen (EVL).

Die Findungskommission unter Vorsitz des EVL-Aufsichtsratsvorsitzenden und CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Hupperth hat sich bereits einstimmig für Menzel ausgesprochen. Er soll zum Jahreswechsel die Nachfolge des aus Altersgründen ausscheidenden kaufmännischen Geschäftsführers Wolfgang Sobich antreten.

Entscheidung am 30. Mai

Da die achtköpfige Findungskommission personalidentisch mit den städtischen Mitgliedern im EVL-Aufsichtsrat ist, besteht kein Zweifel, dass dieser dem Personalvorschlag in einer Sondersitzung am 26. Mai zustimmen wird. Am 30. Mai entscheidet dann der Rat der Stadt Leverkusen. Auch hier sind keine Überraschungen zu erwarten.

Menzel, der am 28. Mai 56 Jahre alt wird, ist in Leverkusen bereits bestens bekannt. „Das hat mit dazu beigetragen, dass die Findungskommission der einhelligen Meinung ist, dass er die richtige Wahl wäre“, sagt Hupperth. Ab 1995 war Menzel zunächst Fachbereichsleiter Finanzen der Stadt Leverkusen. Zwei Jahre später wurde er Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsbetriebe Leverkusen (AWL) und danach der Avea, einer Fusion der AWL mit dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband (Bav). Nach der Kommunalwahl 2004 erfolgte dann der Wechsel als Landrat nach Bergisch Gladbach.

Innerhalb seiner Partei hat Menzel mit seinem bevorstehenden Abschied für Irritationen gesorgt. Er sei „total perplex“, kommentierte der Kreisvorsitzende Rainer Deppe die Entwicklung, nachdem er am Montagabend von Menzel informiert worden war. „Wir haben gut zusammengearbeitet, er ist ein guter Landrat und hatte im Kreistag breite Mehrheiten.“ Außerdem hat auch Deppe Menzels Beteuerungen vom Februar noch im Ohr. Es sei jetzt wichtig, „von ihm möglichst schnell Klarheit über seinen Wechsel zu erhalten“.

Die Energieversorgung Leverkusen ist je zur Hälfte eine Tochter der Stadt und der Rheinenergie. Die Stadt stellt den kaufmännischen, die Rheinenergie den technischen Geschäftsführer.

Die EVL hat rund 380 Mitarbeiter und versorgt Leverkusen mit Strom, Gas, Fernwärme und Wasser.

Gerhard Zorn, SPD-Fraktionschef und zweifach unterlegener Wahlkonkurrent Menzels, wird deutlicher: „Ab sofort ist er ein Landrat auf Abruf.“ Es sei schon länger spürbar gewesen, dass Menzel „den Spaß am Job verloren hat“. Ob er selbst noch einmal für das Landratsamt kandidieren werde, ließ Zorn offen: „Eine solche Kandidatur ist nicht an das Amt des Fraktionsvorsitzenden gebunden. Aber die Frage stellt sich erst in dem Moment, wenn er das Amt formal aufgibt.“ Er schließe aber auch nichts aus.

„Ich freue mich sehr über den einstimmigen Beschluss der Findungskommission.“

Rolf Menzel

Sollte Menzels Wechsel zum Jahresende über die Bühne gehen, wären Neuwahlen für das Landratsamt fällig. Nach der Kreisordnung sind Wahlen frühestens drei Monate vor und spätestens sechs Monate nach dem Ende der Amtszeit möglich. Dieser eigentlich auf den Normalfall gemünzte Paragraf wird auch auf ein vorzeitiges Ausscheiden übertragen. Im Fall Menzels müsste also bis zum 30. Juni 2012 ein Nachfolger gewählt werden; er selbst würde dann aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden.

Der Landrat sagt, er sei vor einem Monat auf die EVL-Stelle angesprochen worden und habe sich nicht beworben. Ansonsten ließ er sich am Dienstag nur mit dem Satz zitieren: „Ich freue mich sehr über den einstimmigen Beschluss der Findungskommission, bitte jedoch um Verständnis dafür, dass ich mich bei dem jetzigen Verfahrensstand zu mehr nicht äußern möchte.“ Am Nachmittag weilte er zur Bürgersprechstunde in Burscheid.

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