Nicht wirklich traurig hat der Initiativkreis „Hilgen lebt“ Abschied von dem Bauwerk genommen. Die Umfahrung für den Abriss ist seit dem Wochenende schon freigegeben.

Nicht wirklich traurig hat der Initiativkreis „Hilgen lebt“ Abschied von dem Bauwerk genommen. Die Umfahrung für den Abriss ist seit dem Wochenende schon freigegeben.
Fröhliche Trauerfeier: Beim Abschiedsfest des Vereins „Hilgen lebt“ wurden viele Erinnerungen an die Brücke über der Balkantrasse ausgetauscht. Fotos (2): Doro Siewert

Fröhliche Trauerfeier: Beim Abschiedsfest des Vereins „Hilgen lebt“ wurden viele Erinnerungen an die Brücke über der Balkantrasse ausgetauscht. Fotos (2): Doro Siewert

Um in dieser Woche mit dem Abriss der Brücke am Raiffeisenplatz beginnen zu können, ist am Wochenende die Umfahrung freigegeben worden – und wurde nicht nur von Autofahrern, sondern auch von Radfahrern genutzt.

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Fröhliche Trauerfeier: Beim Abschiedsfest des Vereins „Hilgen lebt“ wurden viele Erinnerungen an die Brücke über der Balkantrasse ausgetauscht. Fotos (2): Doro Siewert

Burscheid. Rund 150 Hilgener und ihre Gäste haben sich am Samstagabend mit einer nicht ganz ernst gemeinten Trauerfeier von der Brücke am Raiffeisenplatz verabschiedet. Wenige Stunden vorher war die Umfahrung der Brücke eröffnet worden, sodass erstmals auf beiden Fahrspuren der B 51 gefeiert werden konnte.

Der Initiativkreis Hilgen hatte zu diesem Anlass eingeladen und um Trauerkleidung gebeten. Die Idee dazu kam von Erhard Jäger und dem achtköpfigen Fanclub des Hilgener Schützenvereins. Jäger erschien stilecht mit schwarzem Chapeau claque: „Die haben wir aus dem Kostüm-Fundus unserer Vorsitzenden Waltraud Küpper.“ Auch Bürgermeister Caplan hatte einen solchen Hut abbekommen und trug, wie die anderen, dazu eine schwarze Schärpe mit der Aufschrift „Brücke Adé“.

Waltraud Küpper verkaufte Würstchen für einen Euro und erklärte offen, ihr tue es gar nicht leid um das Bauwerk. Vereinskassierer Eggert Schiffler versuchte sich auch gar nicht erst an einer Trauerrede, sondern fasste nüchtern die Historie zusammen.

Von den Gästen waren einige tatsächlich in Trauerkleidung gekommen. So wie Dagmar Belloff, die feststellte: „Es war eben eine bescheidene Brücke.“ Dorffotograf Jürgen Aßmann erinnert sich: „Ich kenne die Brücke von den Anfängen bis zum Ende.“ Und Renate Schelle denkt zurück an glückliche, aber gefährliche Zeiten: „Wir haben als Kinder immer unter der Brücke gespielt, auch wenn es streng verboten war.“ Eggert Schiffler suchte nach Worten, die der Trauerfeier angemessen waren: „Sie führte auf geradem Weg von Burscheid nach Hilgen.“ Claudia Pickard hatte wenig positive Erinnerungen: „Für mich war die Brücke lästig. Als Kinder durften wir nie über die Trasse laufen und mussten immer den Umweg hierher nehmen.“

Geschäftsmann Udo Willius hatte passend zum Fest die Idee eines Abschiedsfotos. Im Laden der Magic-Photobox an der Kölner Straße können sich Hilgener vor der Ansicht der Brücke mit der Aufschrift: „Tschüss Brücke“ und „Willkommen Raiffeisenplatz“ zeigen lassen.

Gespannt auf die Neugestaltung des Raiffeisenplatzes

Der Verein „Hilgen lebt“ blickt derweil erwartungsvoll auf die Neugestaltung des Raiffeisenplatzes. So erklärt Jäger: „Wir wollen hier Patenschaften für die Beete übernehmen und suchen Sponsoren für Bänke.“

Im Blog von „Hilgen lebt“ steht unter dem Datum 14. Januar 2014 eine Grafik, auf der anschaulich zu sehen ist, wie der Platz demnächst gestaltet wird. Die Haltestellen des Buswendeplatzes werden rechts und links der Fahrbahn angelegt. Der Radweg wird bis zu der nur wenig höher gelegenen Straße geführt und eine Fußgängerampel eingerichtet.

Ein Anwohner äußert sich dahingehend skeptisch: „Ich glaube, dass viele Fahrradfahrer diese Ampel benutzen werden. Dann stauen sich die Autos hier noch viel öfter als bisher.“

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