Die Anbieter vor Ort sind derzeit Nutznießer – vor allem, wenn sie ihr Futter selbst produzieren.

Der Bioladen an der Höhestraße kann die Nachfrage nach Eiern derzeit nicht mehr befriedigen.
Der Bioladen an der Höhestraße kann die Nachfrage nach Eiern derzeit nicht mehr befriedigen.

Der Bioladen an der Höhestraße kann die Nachfrage nach Eiern derzeit nicht mehr befriedigen.

Doro Siewert

Der Bioladen an der Höhestraße kann die Nachfrage nach Eiern derzeit nicht mehr befriedigen.

Burscheid. „Normalerweise verkaufen wir etwa 180 Eier an drei Tagen. Momentan verkaufen wir sie in drei Stunden“, berichtet Alexandra Steinke, Inhaberin des Bioladens an der Höhestraße. Durch den Dioxin-Skandal habe ihr Laden wesentlich mehr Kunden hinzugewonnen: „Das macht sich extrem bemerkbar, auch bei anderen Lebensmitteln. Die Leute machen sich anscheinend mehr Gedanken darüber, wo ihre Nahrung und vor allem ihre Eier herkommen.“

Von denen könnte Alexandra Steinke heute das Doppelte verkaufen. Könnte. Denn Bio-Eier sind nicht nur in Burscheid und Umgebung gefragt. „Unser Großhandel kommt kaum mit den Lieferungen nach.“ Aus diesem Grund muss Steinke häufig ein „Leider ausverkauft“-Schild in die Auslage stellen. „Viele Stammkunden sind natürlich nicht erfreut, wenn Neukunden die Eier wegkaufen.“

Kunden fragen gezielt nach der Herkunft der Produkte

Auch der Laden auf dem Thomashof verzeichnete nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen eine wachsende Nachfrage nach Eiern und anderen Waren. „Die Leute fragen gezielter, woher die Produkte kommen“, sagt eine Mitarbeiterin. Momentan komme es sehr auf das Vertrauensverhältnis zwischen Verkäufer und Käufer an: „Die Leute kaufen diese Lebensmittel eben kaum noch im Discounter.“ Im Gegensatz dazu sei das gegenseitige Vertrauen am Thomashof gegeben. „Wir erhalten unsere Eier von einem Gut, das das Futter selber und ohne Zusätze produziert.“

Im Bauernladen von Gut Engelrath wurden seit dem Futtermittel-Skandal dagegen eher schlechte Erfahrungen gemacht. „Wir haben uns gleich nach Bekanntwerden um die Freigabe des Veterinäramts gekümmert, aber der Skandal geht nicht spurlos an uns vorbei“, erklärt Klaus Behling. Es gebe viele Nachfragen der Kunden, „und obwohl wir unsere Waren von zwei Firmen bekommen, bei denen es keine Probleme gibt, ist der Verkauf seit einigen Wochen stark rückläufig“.

„Wir haben die schärfsten Verordnungen, aber auch die billigsten Preise. Das ist ein Widerspruch in sich.“

Frank Paas Vorsitzender Ortsbauernschaft

„Wir haben beim Lebensmittelrecht weltweit mit die schärfsten Verordnungen und Kontrollen, aber auch die billigsten Preise. Das ist ein Widerspruch in sich“, sagt Frank Paas, Vorsitzender der Ortsbauernschaft. „Jetzt kaufen die Leute 14 Tage Bioprodukte, aber spätestens mit Beginn der Grillsaison greifen sie wieder zur billigen Ware in der Kühltheke.“ Vielleicht bringe der Skandal aber den ein oder anderen Konsumenten zum Nachdenken.

Die Genossenschaft Berg & Mark, von der Paas und andere Bauern in Burscheid ihre Futtermittel beziehen, habe gerade noch einmal versichert, dass die Lieferfirmen aus Düsseldorf und Neuss keine vertraglichen Bindungen zu Harles & Jentzsch in Schleswig-Holstein gehabt hätten. Aber ein solcher Skandal wirke sich immer auf die ganze Branche aus. Seine Hoffnung: „Wir haben hier im Bergischen ja noch die Chance, bei den Erzeugern direkt zu kaufen, anders als viele Kunden in der Stadt.“

Eine Chance, die auch bei Friedhelm Kamphausen vom Grunderhof in Bergisch Neukirchen derzeit für steigende Umsätze sorgt. Er ist mit 7500 Hühnern der größte Geflügelzüchter der Region. Seit 16 Jahren erzeugt Kamphausen sein Futter selbst – einschließlich des Rapsöls für die Fettzusätze. „Wir können jetzt auch nicht mehr Eier produzieren als sonst, aber Mengen, die normalerweise in den Handel gehen, werde ich derzeit selber los.“

Mit der Grünen Woche Vertrauen zurückgewinnen

Ein geschlossenes Futtersystem könnten andere nicht garantieren und seien daher jetzt die Leidtragenden. „Das tut mir kollegial weh. In einer solchen Krise gibt es auch nicht nur Gewinner oder Verlierer, sondern das System insgesamt wird belastet.“ Der Dioxinskandal sei aus seiner Sicht kriminellen Ursprungs, „aber nach den Informationen, die ich habe, aufgrund der geringen Konzentrationen nicht gefährlich“. Jetzt gelte es, mit dem Start der Grünen Woche „Vertrauen zurückzugewinnen“.

Auch der Burscheider Bauer Klaus Hammans (Claasmühle) setzt bei seinen Hühnern überwiegend auf selbst produziertes Futter. Die Eier werden ausschließlich ab Hof verkauft. „Und die Kunden haben weiter Vertrauen“, ist er erleichtert über fehlende Geschäftseinbrüche.

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