Jörg Rosemann ist neuer Leiter der Kriminalpolizei im Kreis. Mit dem BV spricht er über sein Konzept gegen Einbrecher und seine Zeit in Afghanistan.

Interview
Jörg Rosemann hält ein Dankesschreiben des afghanischen Innenministers in der Hand.

Jörg Rosemann hält ein Dankesschreiben des afghanischen Innenministers in der Hand.

Doro Siewert

Jörg Rosemann hält ein Dankesschreiben des afghanischen Innenministers in der Hand.

Burscheid.Jörg Rosemann (55) ist neuer Leiter der Kriminalpolizei der Kreispolizeibehörde in Bergisch Gladbach. Der Kriminaloberrat ist Nachfolger von Rainer Hölzenbein, der wegen einer Krankheit in den Ruhestand versetzt wurde. Der Bergische Volksbote sprach mit Rosemann über die jüngste Kriminalitätsentwicklung und seinen Einsatz zum Aufbau der Polizei in Afghanistan.

  
Herr Rosemann, Sie sind seit wenigen Wochen neuer Kripochef bei der Kreispolizeibehörde Rhein-Berg. Wie gut kennen Sie den Kreis?
Jörg Rosemann: Eigentlich recht gut. Abgesehen davon, dass ich seit 1999 in Wermelskirchen wohne, war ich ja auch schon von 1997 bis 2000 als Inspektionsleiter in der damals noch existierenden Polizeiinspektion Nord tätig. Und obwohl ich danach in vielen anderen Funktionen unterwegs war, habe ich stets den Kontakt zur Behörde in Bergisch Gladbach aufrechterhalten.

 

Fast parallel zu Ihrem Einstand mussten Sie die aktuelle Kriminalitätsstatistik präsentieren – mit einer dramatisch gestiegenen Zahl an Wohnungseinbrüchen und einem Negativrekord im Kreis überhaupt. Wie wollen Sie das Problem in den Griff bekommen?
Rosemann: Ein wesentlicher Arbeitsschritt besteht in der Analyse dessen, was wir in den vergangenen Monaten bereits gegen die steigenden Fallzahlen unternommen haben, denn das war schon eine ganze Menge. Neben der Verdoppelung von Präsenzstunden und der Durchführung von Schwerpunkteinsätzen haben wir ja auch die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch mit den angrenzenden Polizeibehörden intensiviert.

Wie soll das konkret aussehen? Mehr Kräfte wird es in Ihrer Behörde doch nicht geben . . .
Rosemann: Da wir kaum Personal zusätzlich für die Aufgabenbewältigung erhalten werden, liegen die Stellschrauben in Richtung Erfolg hoffentlich in anderen Bereichen. So gilt es jetzt, Anpassungen vorzunehmen und taktische Konzepte anders auszurichten. Dabei steht insbesondere die strukturierte Auswertung der Erfahrungen der eingesetzten Kräfte im Vordergrund; sie sind die Experten.

Schaut man genau in die Statistik, zeigt sich, dass in Burscheid die Zahl der Wohnungseinbrüche etwa stagniert, bei leichtem Rückgang. Dafür gibt es eine deutliche Zunahme in Overath, Kürten und Bergisch Gladbach. Woran liegt das?
Rosemann: Eine belastbare Aussage lässt sich dazu kaum treffen. Ich persönlich gehe davon aus, dass dies vornehmlich täterseitige Ursachen hat. Deren Bewertung über günstige Tatgelegenheiten hinsichtlich lohnenswerter Objekte und einer sicheren An- und Abfahrt dürften da für die kommunalen Unterschiede verantwortlich sein. Immer im gleichen Bereich Straftaten zu begehen ist ja auch eher unschlau, da damit das Entdeckungs- und Festnahmerisiko steigt.

Das klingt strategisch gut durchdacht.
Rosemann: Sie dürfen nicht vergessen, dass wir es überwiegend mit sehr professionell organisierten und agierenden Tätergruppen zu tun haben.

Seit Jahren wird erzählt, dass es sich bei den Kriminellen zumeist um so genannte reisende Täter handelt. Warum ist dieses Problem offenbar nicht in den Griff zu bekommen?
Rosemann:Ich stelle dazu mal eine grundsätzliche Gegenfrage: Wie wollen Sie das Reisen in Deutschland oder in einem Länderverbund wie der Europäischen Union unterbinden, dessen besonderer Vorteil gerade in den Möglichkeiten eines grenzüberschreitenden und nahezu kontrolllosen Verkehrsraums liegt?

Und welche Rolle kommt der Polizei dabei zu?
Rosemann: Es ist ja nicht so, dass die Polizei hier untätig wäre. Allerdings ist der dazu erforderliche Aufwand überdurchschnittlich hoch, sehr personalaufwendig und überaus ermittlungsintensiv. Da gibt es keine schnellen Erfolge.

Um rechtzeitig handeln zu können und entsprechende Hinweise zu bekommen, braucht die Polizei die Bevölkerung. Da ist in den vergangenen Jahren viel Öffentlichkeitsarbeit von ihrer Behörde geleistet worden. Wie können Sie jetzt noch mehr Bürger gewinnen?
Rosemann: Wir werden auf jeden Fall die sehr gute Öffentlichkeitsarbeit fortsetzen und insbesondere in den nächsten Wochen und Monaten noch einmal offensiver zu diesem Thema berichten. Dabei werden wir konkrete Beispiele in den Mittelpunkt stellen, denn nur wenn persönliche Betroffenheit erzeugt wird, erfolgt eine Sensibilisierung und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Auch hier sind es die kleinen Schritte, die wichtig sind, aber auch Geduld erfordern.

Zu Ihrer Person: Sie waren bis vor Kurzem noch in Afghanistan im Einsatz. Was haben Sie genau dort gemacht?
Rosemann: Ich war stellvertretender Leiter und Berater eines deutsch-afghanischen Projektes zum Aufbau der afghanischen Polizei. Das seit 2004 in Afghanistan durch das Bundesinnenministerium tätige German Police Project Team (GPPT) unterstützt das afghanische Innenministerium im Rahmen von Trainings, intensivem Mentoring und Beratungsleistungen auf strategisch-ministerieller Ebene.

Was zieht einen Menschen dorthin? Auch wenn Sie als Polizist einen eher gefährlichen Beruf haben: Sie haben als Beamter in Ihrer Position einen wohl sicheren Lebenshintergrund. Warum dieses Wagnis mit wahrscheinlich täglich deutlichen Abstrichen – auch am täglichen Wohlstand?
Rosemann: Es gibt da eine ganze Reihe von Gründen. Mich reizte schon immer die Arbeit in einem internationalen Umfeld, bei der ich interessante Menschen und Länder kennenlernen durfte. Dass es dann Afghanistan wurde, war so nicht geplant. Eigentlich sollte meine Erstverwendung auf dem Balkan erfolgen. Aber in meinem ersten Jahr in Kabul von 2007 bis 2008 habe ich das Land und die Leute kennen- und schätzengelernt. Deshalb fiel dann die Wahl für die zweite Mission nicht schwer.

Was nehmen Sie aus dieser Zeit für die Bewältigung Ihrer heutigen Aufgaben mit?
Rosemann: Dass ich wie die Afghanen viele Dinge deutlich gelassener angehe. Jedes Problem löst sich irgendwie, irgendwann. Ich verfalle nicht mehr in unkontrollierte Hektik und wilden Aktionismus, trete erst mal gedanklich einen Schritt zurück. Sie glauben gar nicht, wie viel Energie ich dadurch spare und dennoch zu ausgezeichneten Lösungen komme.

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