Die Polizei sieht darin einen Präventionserfolg. Aber dafür ist die Aufklärungsquote dramatisch niedrig.

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Rhein.-Berg. Kreis. „Die erfreulichen Entwicklungen überwiegen.“ Davon ist zumindest Landrat Hermann-Josef Tebroke überzeugt, wenn er in die Kriminalitätsstatistik der Kreispolizeibehörde für 2013 blickt. Bei der Gewaltkriminalität die niedrigsten Fallzahlen seit 2003, bei den Raubdelikten sogar seit 2001, und ein Rückgang bei der Straßenkriminalität – das stimmt den Landrat positiv.

Doch da gibt es noch dieses Kriminalitäts-Dauerthema im Kreis, die Wohnungseinbrüche. Und da bedarf es schon eines besonders gutwilligen Blickwinkels für die Einschätzung „Der Anstieg beim Wohnungseinbruch ist gestoppt“, wie sie in der Pressemappe der Polizei zu lesen ist. Kreisweit sank die seit 2010 dramatisch angestiegene Zahl gerade mal um 14 Fälle auf jetzt 857. Dafür rutschte die Aufklärungsquote gleich auf 12,6 Prozent ab – der schlechteste Wert der vergangenen zehn Jahre.

Zwei zeitintensive Ermittlungsgruppen in 2013

Fairerweise gehört dazu aber auch die Information, dass die Kreispolizei im vergangenen Jahr zweimal mit personal- und zeitintensiven Ermittlungsgruppen in Sachen Wohnungseinbruch tätig war, deren geklärte Fälle aber dann nicht alle auch im Kreisgebiet verortet waren und somit der hiesigen Statistik nicht zugute kamen. Ermittlerpech.

Auch durchaus positiv ist die Tatsache zu bewerten, dass der Anteil der erfolglos abgebrochenen Einbruchsversuche auf inzwischen 45 Prozent gestiegen ist. Das sieht die Polizei als Erfolg ihrer Präventionsarbeit an und dankt den Hauseigentümern ausdrücklich, „dass sie das Beratungsangebot auch annehmen und ihre Wohnungen absichern“.

Kreispolizeibehörde auf Platz acht abgerutscht

Insgesamt 14 262 Straftaten im vergangenen Jahr, davon 6718 aufgeklärt: Damit liegt Rhein-Berg innerhalb der 47 Polizeibehörden im Land deutlich auf der sicheren Seite, auch wenn sie aktuell auf Platz 8 abgerutscht ist.

Insgesamt 771 (2012: 740), davon 356 aufgeklärt (46,2 Prozent). 344 Tatverdächtige wurden ermittelt.

Den größten Anteil stellen die Diebstähle (321 Fälle), gefolgt von Straßenkriminalität (190), Sachbeschädigungen (121), Vermögens- und Fälschungsdelikten (117) und Körperverletzung (79). Auch sechs Waffendelikte, je eine Brandstiftung und Erpressung sind verzeichnet.

Rechnet man die Gesamtkriminalität in Burscheid auf 100 000 Einwohner hoch, liegt die Zahl der Delikte bei 4136 (Platz 6 im Kreis). Zum Vergleich: Landesweit liegt die Häufigkeitszahl bei 8320; höchster Wert im Kreis ist Rösrath mit 6824.

Bei den Häufigkeitszahlen (Zahl der Straftaten, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner) liegen die drei Nordkommunen Wermelskirchen, Leichlingen und Burscheid fast gleichauf im Mittelfeld. Den höchsten Wert weist erstmals das neue Sorgenkind Rösrath auf, noch vor der Kreisstadt Bergisch Gladbach. Am sichersten sind nach wie vor Kürten und Odenthal.

Anders als bei den Wohnungseinbrüchen bewegt sich die Gewaltkriminalität im Kreis mit 360 Fällen in 2013 (darunter 248 Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzung) auf einem Zehn-Jahres-Tief. Zugleich gibt es hier eine starke Aufklärungsquote von 78,9 Prozent.

Schwer aufzuklären ist dagegen die Straßenkriminalität (von Raub, Vergewaltigung und Kfz-Delikten bis zu Taschendiebstählen und Sachbeschädigungen). Auch sie ist kreisweit um 8,9 Prozent auf 3510 Fälle gesunken; nur 14 Prozent konnten aber aufgeklärt werden.

Schaut man in die Statistik der Tatverdächtigen, finden sich darunter zu 75 Prozent Männer. Rückläufig ist seit Jahren der Anteil der Täter unter 21 Jahren – und zwar in stärkerem Maße, als das dem demografischen Wandel entspricht. Inzwischen sind Täter- und Bevölkerungsanteil hier fast identisch.

Auf Opferseite sieht das anders aus. Da gilt: Kinder, Jugendliche und Heranwachsene sind deutlich stärker gefährdet, als das ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Das hat viel mit dem berüchtigten „Abziehen“ von Handys und anderen elektronischen Geräten zu tun. Senioren ab 60 Jahren dagegen machen entgegen ihrem subjektiven Bedrohungsgefühl nur 6,7 Prozent der statistisch ermittelten Opfergruppe aus – bei einem Bevölkerungsanteil von 28 Prozent.

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