Beim Einsturz des Gebäudes kamen vor sechs Jahren zwei Menschen ums Leben. 96 Prozent des Archivguts ist nun wieder nutzbar.

Jahrestag
Einen Tag nach dem Einsturz wurde das ganze Ausmaß deutlich: Nur noch Trümmer liegen dort, wo das Historische Stadtarchiv war.

Einen Tag nach dem Einsturz wurde das ganze Ausmaß deutlich: Nur noch Trümmer liegen dort, wo das Historische Stadtarchiv war.

dpa

Einen Tag nach dem Einsturz wurde das ganze Ausmaß deutlich: Nur noch Trümmer liegen dort, wo das Historische Stadtarchiv war.

Köln. Sechs Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln sind 96 Prozent der Archivalien wieder analog oder digital nutzbar. Nur vier Prozent sind so massiv geschädigt, dass sie ohne eine aufwändige Restaurierung gar nicht genutzt werden können.

Schaden der Katastrophe wird auf eine Milliarde Euro geschätzt

Beim Einsturz am 3. März 2009 waren zwei Hausbewohner ums Leben gekommen. Angenommen wird, dass der Einsturz durch Bauarbeiten für eine U-Bahn-Haltestelle verursacht worden ist. Möglicherweise führte eine löchrige Wand dazu, dass sich unter der Erde ein Druck aufbaute und schließlich große Mengen Wasser, Kies und Schlamm in die Baustelle einbrachen. Dem Archiv wurde buchstäblich der Boden entzogen. Der Schaden der Katastrophe wird von der Stadt Köln mit einer Milliarde Euro beziffert.

Seit Juni 2014 läuft eine gerichtliche Untersuchung der Unglücksstelle tief unter der Erde. Diese war erst ab diesem Zeitpunkt möglich, weil zunächst die Bergung der verschütteten Archivdokumente Vorrang hatte. Erst als alles aus der Schuttgrube herausgeholt worden war, begann die Ursachensuche. Doch dafür musste in der Grube mit Millionenaufwand ein „Beweissicherungsbauwerk“– eine Art Schacht – errichtet werden. Diese Konstruktion soll verhindern, dass es zu Erdverschiebungen kommt und dadurch Beweise vernichtet werden.

2019 soll das neue Historische Archiv der Stadt am Eifelwall, einem neuen Standort etwa einen Kilometer entfernt vom alten in der Severinstraße, eröffnet werden. Am 18. Februar wurde von der Verwaltung das Verfahren zur Baugenehmigung eingeleitet. Die Unterlagen finden in 18 Aktenordnern Platz. Die Kosten für den dreigeschossigen Neubau mit einer Nutzfläche von 14 000 Quadratmetern belaufen sich auf 76,3 Millionen Euro. „Der Neubau ist der entscheidende Baustein für den Wiederaufbau des Archivbestands“, betont Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia. Der Neubau besteht aus einem öffentlich zugänglichen Kopfbau mit einem Vortragssaal, Gebäudeteilen für das eigentliche Magazin des Archivs, Werkstätten und Verwaltung. Das fensterlose Magazin verfügt über sieben Etagen, jeweils mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern. Es gibt 45 Kilometer Regalanlagen und sieben Klimazonen.

Obwohl seit 2009 kontinuierlich Archivalien nach Köln zurückgeholt werden konnten, lagern noch mehr als 75 000 Kartons in Asylarchiven unter anderem in Bonn, Brauweiler, Detmold, Freiburg, Freudenberg, Siegen, Münster und Schleswig.

Köln war im Mittelalter die größte Stadt auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Im Stadtbild spiegelt sich das nur noch an wenigen Stellen, doch in den Stockwerken des Historischen Archivs lagerten die Epochen wie geologische Schichten übereinander – bis zum 3. März 2009. Da stürzte es ein. Die Trümmer begruben 30 Regalkilometer an Dokumenten, darunter alle Protokolle des Stadtrates seit 1320. Zu den wertvollsten Stücken gehörte die Originalhandschrift des „Buchs der Tiere“ von Albertus Magnus aus dem 13. Jahrhundert. Die Restaurierung aller Archivalien wird wohl 30 bis 40 Jahre dauern.

Derzeit sind bei der Restaurierung des beschädigten Archivguts 18 Restauratoren und 45 Helfer im Einsatz. Diese haben 955 500 sogenannte Bergungseinheiten mit zusammengehörenden Archivgutteilen angelegt. 1115 Objekte konnten restauriert werden. Mehr als 15 000 Kartons mit Archivgut sowie 28 000 Urkunden wurden bislang als erster Schritt trocken gereinigt.

Damit stehen den Nutzern zahlreiche Archivalien zur digitalen Nutzung zur Verfügung. Die Liste dieser Objekte umfasst 845 Seiten. Dementsprechend sind die Nutzerzahlen des Historischen Digital-Archivs angewachsen: von 166 000 Klicks im Jahr 2013 auf mehr als 514 000 im vergangenen Jahr.

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