Das Extrakt der legendären Kölner Stunksitzung sorgt für eine ausverkaufte Hans-Hoersch-Halle.

Stunk unplugged
Nicht nur heimatlose Tiere müssen vermittelt werden, sondern immer öfter auch bemitleidenswerte Funken – meinen jedenfalls die Kölner Stunker.

Nicht nur heimatlose Tiere müssen vermittelt werden, sondern immer öfter auch bemitleidenswerte Funken – meinen jedenfalls die Kölner Stunker.

Doro Siewert

Nicht nur heimatlose Tiere müssen vermittelt werden, sondern immer öfter auch bemitleidenswerte Funken – meinen jedenfalls die Kölner Stunker.

Burscheid. Mächtig Stunk in Burscheid: Am Sonntagabend machte das berühmte Ensemble der Kölner Stunksitzung im Rahmen seiner Unplugged-Tour 2012 in der Hans-Hoersch-Halle Station. Wie bei Künstlern dieses Kalibers zu erwarten war, gab es in der Halle nicht einen freien Platz mehr und die Karten waren schon lange im Voraus ausverkauft. Der Auftritt war im Vorfeld von Leichlingen nach Burscheid verlegt worden.

Im Programm hatten die „Stunker“ eine bunte Mischung aus Stücken ihrer bislang 29-jährigen Bühnenlaufbahn. Dabei boten die Kölner Künstler sowohl kabarettistische Einlagen als auch musikalische Beiträge zu den Themen Politik, Gesellschaft und dem ganz normalen Leben. Für die musikalische Untermalung des Abends sorgten unter anderem Purple Schulz und Josef Piek, die einst die Hausband der Stunksitzung, Köbes Underground, ergänzten und seitdem zum festen Stamm der Unplugged-Auftritte gehören.

Moderator Reiner Rübhausen gab gleich zu Beginn die Richtung vor, bei der viele aktuelle Themen durch den Kakao gezogen werden sollten. Er stellte vielen Politikern die Diagnose einer Logorhö aus: eines genuschelten Sprachdurchfalls, bei dem zwar viele Worte verwendet werden, ohne dass jedoch tatsächlich etwas gesagt wird.

Im ersten Kabarettstück ging es nicht ganz so aktuell zu. Im Mittelpunkt standen Moses, mit 107 Jahren der „Jopi Heesters des Alten Testaments“ und die Schwierigkeiten, die beim Aufstellen und Diktieren der Zehn Gebote aufgekommen sein sollen.

„Che Guevara war ja noch sexy. Aber Lafontaine?“

Reiner Rübhausen, Stunk-Moderator, über die heutige Linke

Dann folgte ein Zeitsprung in die Gegenwart: Das bestens aufgelegte Publikum erhielt einen Einblick in die alltägliche Arbeit von Frau Pütz, die das Bürgertelefon der Stadt Köln besetzt und die Anrufer bei alltäglichen Themen wie einem Hausbrand, Betrug des Ehemanns durch die Postbotin oder einer Überschwemmung berät – oder auch nicht.

Zwischen den Kabarettstücken präsentierte die Band des Stunk Underground Lieder, die die ganze Halle zum Mitschunkeln und Singen brachten. In den Texten ging es unter anderem um die Frage, „warum Schunkeln eigentlich scheiße ist“.

In voller Montur nach dem Auftritt am Tresen abzuholen

Später am Abend wurde das Publikum dann von zwei Damen dahingehend sensibilisiert, dass eben nicht nur Tiere ein Zuhause suchen, sondern es immer öfter auch Funken trifft. Auf der Bühne wurde ein solcher Akteur des kölschen Karnevals in seiner vollen Montur dem Publikum präsentiert und ans Herz gelegt. Wessen Herz von diesem traurigen Schicksal berührt wurde, konnte sich den Funken gleich nach dem Auftritt am Tresen abholen und mit nach Hause nehmen.

Ebenfalls thematisiert wurden – wie könnte es bei einem Kabarett anders sein – auch die verschiedenen politischen Richtungen und deren Strahlkraft. „Früher war es cool, wenn du links warst, auch wenn du nicht wusstest, was das genau bedeutet. Aber heute? Che Guevara war ja noch sexy, aber Lafontaine? Näää!!“, witzelte Rübhausen.

Besucher Michael Petanik freute sich dann auch über die gute Stimmung in der Hans-Hoersch-Halle. „Ich hab die Stunksitzung mal im Brückenforum in Bonn gesehen. Das ist natürlich viel größer als das hier. Aber in so kleinen Hallen kommt die Stimmung noch viel besser rüber, weil die Bühne und die Künstler so nah sind. War ein schöner Abend.“ Mit der Einschätzung stand er nicht allein.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer