Seit knapp zwei Monaten hat die Kita Schützeneich ihre eigene Verfassung. Wie funktioniert das in der Praxis?

Seit knapp zwei Monaten hat die Kita Schützeneich ihre eigene Verfassung. Wie funktioniert das in der Praxis?
Am Internationalen Tag der Kinderrechte, den die Vereinten Nationen jährlich am 20. November feiern, wurde in der Johanniter-Kindertagesstätte Schützeneich an einer eigenen Verfassung gearbeitet.

Am Internationalen Tag der Kinderrechte, den die Vereinten Nationen jährlich am 20. November feiern, wurde in der Johanniter-Kindertagesstätte Schützeneich an einer eigenen Verfassung gearbeitet.

Johanniter

Am Internationalen Tag der Kinderrechte, den die Vereinten Nationen jährlich am 20. November feiern, wurde in der Johanniter-Kindertagesstätte Schützeneich an einer eigenen Verfassung gearbeitet.

Burscheid. Sie sind höchstens sechs Jahre alt, einige von ihnen haben gerade einmal ihren ersten Geburtstag gefeiert. Sprechen fällt den Kleinsten noch schwer. Und dennoch: Sie alle haben in Johanniter-Kindertagesstätte auf der Schützeneich was zu sagen. Sie geben sich ihre Regeln selbst. Die Kinder bestimmen, was sie mittags essen, was sie unternehmen und spielen wollen. So steht es in der Verfassung des Kindergartens.

An dem Tag, an dem die Vereinten Nationen 26 Jahre zuvor die Kinderrechtskonvention verabschiedet hatten, haben sich Eltern, Kinder und Pädagogen zusammengesetzt, um das Schriftstück gemeinsam zu erarbeiten. „Für uns ist es eine Grundvoraussetzung, dass die Kinder mitbestimmen können, wie der Alltag aussieht“, sagt Kita-Leiterin Inge Wirths. „Sie sollen wissen, dass sie hier ernstgenommen werden.“

Meinungsäußerung über Fotokarten und Piktogramme

Partizipation ist ein wesentlicher Bestandteil der UN-Konvention und daher auch Inhalt der Burscheider Kita-Verfassung. Bei Themen, die die Kinder unmittelbar betreffen, sollen sie ein Wörtchen mitreden können. Natürlich müsse man das Verfahren den Fähigkeiten der Kinder anpassen. Nicht jeder der 73 Schützlinge, die auf der Schützeneich betreut werden, ist in der Lage, seine Meinung zu formulieren und kundzutun. „Viel läuft über Fotokarten und Piktogramme, auf denen die Kinder zeigen können, was sie meinen. Auch die Beobachtung ist wichtig“, so Inge Wirths.

Verzieht ein Kind beispielsweise bei einer Gemüsesorte das Gesicht, ist klar: Das Kind will künftig keine Möhren mehr zum Mittagessen. Alle Jungen und Mädchen hängen nach dem Essen einen traurigen oder fröhlichen Smiley an einer Wäscheleine auf. Je nachdem, ob es ihnen geschmeckt hat oder nicht. Dies wird im Speiseplan vermerkt.

Kein Freibrief für die Kita-Kinder

Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder den Erziehern nun auf der Nase herumtanzen können. „Wir haben im Team vorab ein Maßstab festgelegt, was wir zulassen wollen und welche Rechte wir in welchem Rahmen zulassen wollen“, betont Inge Wirths. So behält sich das pädagogische Team in einem der letzten Absätze der fünfseitigen Verfassung auch die Möglichkeit vor, die Rechte der Kinder bei Bedarf wieder einzuschränken.

Dieses Schriftstück ist nicht etwa in blumiger Schrift verfasst, sonder erweckt vom Sprachstil her den Eindruck einer ernsten Angelegenheit. „Die Beteiligung der Kinder ist eine Voraussetzung für gelingende Selbstbildungsprozesse und die Entwicklung demokratischen Denkens und Handelns“, so heißt es in der Präambel.

Des Weiteren geht es um Verfassungsorgane wie den Morgenkreis in den Gruppen, Fest- und Mittagsessensgremien sowie das Parlament, das sich einmal pro Woche trifft. Die Teilnahme ist für Kinder und Erzieher verpflichtend.

„Die Kinder sollen die Verantwortung für das, was sie machen, auch mal tragen“, so Inge Wirths. „Dass sie eigene Ziele formulieren, ist nicht nur von uns als Kita gewünscht, sondern es steht in unserer Verfassung.“

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer