Für die Kölschrocker von Brings beginnt jetzt der Endspurt in der Session. Der BV hat sie eine Nacht lang begleitet.

Köln. Bis zu zehn Auftritte pro Abend absolvieren die Musiker jetzt zum Ende der Session. Dabei ist nicht nur musikalisch Höchstleistung gefragt. Am Freitag war die WZ einen Abend lang mit der Band in Köln unterwegs.

19.10 Uhr: Die Band trifft sich in ihrem Probenraum an der Widdersdorfer Straße. Proben braucht die Band ihr Programm allerdings nicht: "Wir sind damit schon 150 Mal auf der Bühne gestanden, da gibt es keine Unsicherheiten mehr", sagt Frontmann Peter Brings, bevor die Band zum ersten Auftritt des Abends aufbricht.

19.45 Uhr: Brings fahren mit ihrem Van am Börsensaal der IHK vor. "Der Wagen ist so etwas wie ein zweites Wohnzimmer und oft auch die Garderobe für die Band. Wir haben auch einen Kühlschrank und einen DVD-Player an Bord", sagt Fahrer Jojo Schumacher, der selbst Musiker ist und schon als Ersatzmann für Peter Brings am Mikro war. Um 20.25 Uhr geht es für die Männer im Silberoutfit auf die Bühne bei der Sitzung der "Handelsvertreter Köln, Bonn, Aachen". Schon der erste Auftritt des Abends wird zum Siegeszug für Brings, wobei der neue Song "Hallelujah" am besten bei den Fans ankommt.

21 Uhr: Viel Zeit bleibt den Musikern wenig später in der Lachenden Kölnarena nicht, denn ihr Zeitplan hängt um zehn Minuten nach. Kaum haben die vier Techniker das Equipment in der Halle, stürmen Brings schon auf die Bühne, wo sie von 8000 Jecken vom ersten Takt an gefeiert und bejubelt werden. "In einer großen Halle wie hier in der Arena hat so ein Auftritt eine ganz andere Wucht, dafür ist in den kleinen Sälen der Kontakt zum Publikum direkter und man bekommt mehr Feedback", sagt Schlagzeuger Christian Blüm gegen 21.30 Uhr auf dem Weg in die Katakomben der Arena, vor denen der Bandbus geparkt ist.Dort gibt es kalte Getränke, Süßes und Obst für die Band.

21.55 Uhr: Viel Schlaf hat Peter Brings diese Nacht nicht gehabt. "Wenn ich nach Hause komme, ist das Adrenalin noch so hoch, da kann ich nicht einschlafen. Meist gucke ich noch einen Film und frühstücke dann mit der Familie, bevor es ins Bett geht. Zu Hause ist es vorbei mit Rock’n’Roll, da bin ich nur noch der Papa", sagt der Sänger, bevor es im Kongresssaal der Messe bei der "KG Paragrafenreiter" auf die Bühne geht. Knapp eine halbe Stunde später sitzt die Band bereits wieder im Auto. Dort hinzukommen ist nicht immer ganz leicht. "Gerade bei Damensitzung verwandeln sich die Jungs in Popstars, die von den Fans bis zur Wagentür verfolgt werden", weiß Schumacher zu berichten.

22.50 Uhr: Der Auftritt im Satory-Saal bedeutet für die Crew Schwerstarbeit. Die gesamte Ausrüstung muss die Treppe bis zum Bühneneingang hochgeschleppt werden. In der Garderobe wird die Band von den Blauen Funken schon erwartet. Auch sie muss jeden Abend auf der Bühne Höchstleistung erbringen. Während Christian Blüm auf das tägliche Laufen setzt, bevorzugt Keyboarder Kai Engel viel Schlaf sowie Schwimmen, Dampfbad und Sauna. "Das tut der Stimme gut", weiß der Mann, der vom Großvater der Brings-Brüder ein altes Akkordeon gerbt hat, das bei jedem Auftritt zum Einsatz kommt. Bei den Blauen Funken beweist der Elferrat ebenfalls Fitness und feuert die Band auf dem Tisch stehend bei ihrer Show an.

23.50 Uhr: Kurz vor Mitternacht steht mit der Fernsehsitzung im Gürzenich einer der Höhepunkte des Abends an. Und der dortige Elferrat zeigt sich sofort als bekennende Fangemeinschaft von Brings, denn jeder der Herren erscheint zum Auftritt mit dem Silberhut, den auch Peter Brings in dieser Session auf der Bühne trägt. Vor dem Gang vor die Kameras müssen die Fünf allerdings erst in die Maske, damit sie später im Fernsehen gut dastehen. Und während das Dreigestirn im Foyer noch seinen Auftritt in Ruhe durchdiskutiert, tobt drinnen schon der Saal bei Hits wie "Superjeilezick" oder "Poppe, Kaate, Danze".

0.45 Uhr: Vor dem nächsten Auftritt bei den Roten Funken im Kristallsaal der Messe ist für die Band noch etwas Ruhe angesagt. Während Stephan Brings noch seine Gitarre stimmt, legt sein Bruder für einen Moment die Beine hoch. "Die Auftritte in der Session sind mein Fitnessprogramm. Und jetzt kommen die ungezwungeneren Partys, die liegen uns noch mehr", sagt Peter Brings, der in den zehn Jahren seiner Band im Karneval nur einmal ernsthaft krank war.

1.40 Uhr: Einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage gibt es für Crew und Musiker schon mal beim Bützje Ball der Ehrengarde in der Halle am Girlitzweg. Dort muss die Ausrüstung mitten durchs Publikum geschoben werden und auch die Band muss sich einen Weg bahnen. Bei der großen Party haben Brings das Finale übernommen. Das macht es schwer, wieder von der Bühne zu kommen. Denn als die Fünf ihre Zugabe gespielt haben, skandiert das Publikum trotzig "Jetzt geht’s los". Doch für die Band geht es jetzt um 2.15 Uhr erstmal nach Hause. "Morgen haben wir neun Auftritte, das wird hart", sagt Kai Engel und steigt in den Bandbus.

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