Kreis-Kampagne, die Jugendliche von Trinkexzessen abhalten will, findet breite Unterstützung.

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Ohne Alkohol einen Spaß? Die Trinkgewohnheiten in der Karnevalszeit lassen den Schluss zu, dass dem tatsächlich so ist. Der Kreis will mit seiner Kampagne unter Teenagern dafür werben, auf den Rausch zu verzichten. (Archiv

Ohne Alkohol einen Spaß? Die Trinkgewohnheiten in der Karnevalszeit lassen den Schluss zu, dass dem tatsächlich so ist. Der Kreis will mit seiner Kampagne unter Teenagern dafür werben, auf den Rausch zu verzichten. (Archiv

Lothar Strücken

Ohne Alkohol einen Spaß? Die Trinkgewohnheiten in der Karnevalszeit lassen den Schluss zu, dass dem tatsächlich so ist. Der Kreis will mit seiner Kampagne unter Teenagern dafür werben, auf den Rausch zu verzichten. (Archiv

Rhein.-Berg. Kreis. Wenn die fünfte Jahreszeit das Rheinland fest im Griff hat, gleichen sich die Bilder. Da sind einerseits die bunt kostümierten Narren, die das Straßenbild prägen und in Sälen und Veranstaltungsräumen die Regentschaft übernehmen.

Und da sind andererseits die horrenden Mengen Alkohol, die fließen und einen Rausch ermöglichen, ohne den Karneval für viele undenkbar wäre. Ein besorgniserregender Trend im Hinblick auf die karnevalstypischen Trinkrituale hat sich - auch im Rheinisch-Bergischen Kreis - in den vergangenen Jahren verschärft: Das Trinkverhalten jugendlicher Karnevalisten wird immer extremer.

"Das Thema drängt mehr denn je"

Grund genug für den Kreis, auch in diesem Jahr wieder eine Initiative auszurufen, die an Teenager appelliert, maßvoll zu bleiben. Mit dem Slogan "Tanzen ist schöner als Torkeln" soll wie in den vergangenen Sessionszeiten jungen Menschen nahegebracht werden, dass Feierlaune auch ohne Promille funktioniert.

"Das Thema drängt mehr denn je", erklärt Landrat Rolf Menzel den Anlass der Kampagne. "Die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die mit schwerer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert werden mussten, ist dramatisch angestiegen. Und zwar bundesweit und nicht nicht nur im Karneval."

Die Kampagne richtet sich an Jugendliche - aber auch an Erwachsene. Drei verschiedene Flyer, jeweils zu 5000er-Auflagen gedruckt, sollen in Geschäften sowie im Straßen- und Saalkarneval verteilt werden: Eine Broschüre soll Eltern über Gefahren aufklären und deren Verantwortungsgefühl stärken; eine andere wiederum soll die Einzelhändler an ihre gesetzlichen Pflichten erinnern, beispielsweise diejenige, kein Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren zu verkaufen.

Zusätzlich zu den Flyern und dem Einsatz eines "Barmobils" sind Plakate ein weiterer Eckpfeiler der Kampagne. Insgesamt 210 Poster werden in Bussen, Geschäften und an einschlägigen Zentren des lokalen Karnevals aufgehängt. Die Druckkosten sind von Wupsi und RVK gesponsert worden.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit einer schweren Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden müssen, hat sich von 9500 im Jahr 2000 auf 19 500 im Jahr 2006 verdoppelt. Die Zahlen beziehen sich aufs gesamte Jahr und aufs gesamte Bundesgebiet. Zudem trinkt laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jeder fünfte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren mindestens ein Mal im Monat fünf Gläser und mehr mit alkoholhaltigen Getränken. Aktuell konsumieren 6,2 Prozent der 12- bis 17-Jährigen selbst für Erwachsene riskante Alkoholmengen.

Der Regionalverband Rhein-Berg im Bund Deutscher Karneval will als Unterstützer der Initiative gezielt Flyer-Exemplare bei den Sitzungen verteilen.

Der dritte Flyer spricht Jungs und Mädels direkt an und benennt unverblümt negative Begleiterscheinungen: Gehirnschäden, Impotenz, Aggressivität.

Erstmals ist auch der Bund deutscher Karneval dabei

Außerdem soll durch die Städte im Kreis ein "Barmobil" kurven, das preisgünstig alkoholfreie Cocktails anbietet. Eine Idee, die auf Thomas Lübbe von der Katholischen Erziehungsberatung in Bergisch Gladbach zurückgeht. "Einen Bewusstseinswandel" wolle man mit der Open-Air-Cocktailbar bewirken. Nach dem Motto: Auch Drinks ohne Prozente sind cool.

Die Organisation wird vom Kreis, den angehörigen Kommunen, von Präventionsfachdiensten, der Polizei und der Stadt Leverkusen gestemmt. Unterstützt wird die Kampagne von dem Verein "Punto", den Busunternehmen Wupsi und RVK, dem Einzelhandelsverband Rhein-Berg und - erstmals - dem Regionalverband Rhein-Berg im Bund Deutscher Karneval. Damit ist die Schar, die sich hinter der Initiative versammelt, so breit wie nie zuvor.

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