Bauer Frank Paas fürchtet gesundheitliche Schäden bei seinen Tieren.

Kämersheide
Julia und Frank Paas sammeln die Reste der Feuerwerkskörper ein.

Julia und Frank Paas sammeln die Reste der Feuerwerkskörper ein.

Doro Siewert

Julia und Frank Paas sammeln die Reste der Feuerwerkskörper ein.

Burscheid. Die Kämersheide ist an Silvester ein beliebtes Ausflugsziel. Die Vorteile liegen auf der Hand: Während sich in den engen Straßen der Innenstädte schnell der Dunst und Rauch sammelt, kann das farbenprächtige Feuerspiel am Himmel über der weitläufigen Heide auch 15 Minuten nach zwölf Uhr noch ungestört bewundert werden. Doch während die Silvester-Besucher die Aussicht bis zum Horizont genießen und dann für ein Jahr verschwinden, bleibt für die täglichen Benutzer der Heide ein Müll- und Scherbenhaufen zurück.

Das Szenario, das der Betreiber der Kämersheide malt, dürfte aber auch für die Feuerwerksfans erschreckend sein: Frank Paas befürchtet, dass die chemischen Überreste in das auf der Heide angebaute Tierfutter gelangen könnten. Im schlimmsten Fall würden dadurch auch Milch und Fleisch der Kühe belastet.

Ab diesem Moment wären die Folgen laut Paas verheerend: Den gründlichen Kontrollen unserer Lebensmittel sei Dank, würden die Veterinärämter benachrichtigt und sofort eine Liefersperre für den Betrieb verhängt. Das kontaminierte Futter müsste vernichtet werden und bis die Schadstoffe aus den Kühen abgebaut wären, entgingen dem Hof alle Einnahmen.

Feuerwerkskörper dürfen nicht in die Erntemaschine gelangen

„Natürlich ist das alles nur eine Hypothese, bis jetzt ist ja nichts passiert. Aber wenn dieser Fall eintritt, steht der Landwirt alleine da“, sagt Frank Paas. Doch auch ohne den schlimmsten Fall anzunehmen, entsteht dem Ortsvorsitzenden des rheinischen Landwirtschaftsverbandes jedes Jahr ein großer Schaden. „Ich muss jetzt wieder mit Handschuhen und Gummistiefeln den Müll aufsammeln. Und das zeitnah, bevor sich im Regen alles auflöst.“

Denn natürlich dürfen die chemischen Bestandteile der Feuerwerkskörper nicht in die Erntemaschinen und dadurch zerkleinert ins Futter gelangen. Außerdem könnten spitze Überreste der Raketen im Magen der Tiere großen Schaden anrichten. Für Frank Paas bedeutet das ein nerviges und zeitintensives Prozedere: Immer wieder muss er bei der Frühjahrsbestellung des Ackers die Arbeit unterbrechen und den Traktor verlassen, um bei der Säuberung übersehene Reste der Silvesternacht aufzusammeln.

Doch was kann Paas dagegen tun? „Kurz nach Silvester hoffen wir immer noch, dass die Leute zurückkommen und ihren Müll wieder aufsammeln. Doch das passiert nie“, ist er resigniert. Zäune oder Verbotsschilder will er trotzdem nicht aufstellen: „Natürlich könnte ich Zäune errichten. Aber wir haben hier auch viele Reitwege und Routen für Spaziergänger. Ein solches Naturgebiet wird ja durch die gemeinsame Nutzung erst so toll.“ Außerdem will er durch Schilder nicht die Gemüter erhitzen und dadurch eventuell Menschen provozieren, noch mehr Müll zu hinterlassen.

Deshalb appelliert Frank Paas jetzt schon an die Vernunft der Fans des Feuerwerks zum Jahresende: „Ich glaube, dass vielen Menschen die Folgen nicht bewusst sind – sonst würde bestimmt mehr Rücksicht genommen.“ In der Silvesternacht 2013/14 will er Mülltonnen an der Kämersheide aufzustellen – in der Hoffnung, dass sie genutzt werden.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer