Im vergangenen Jahr wurden 184 jugendliche Schläger angezeigt, im Jahr davor waren es 146. Mit Projekten zur Prävention soll gegengesteuert werden.

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Rhein.-Berg. Kreis. Die Zahlen geben Anlass zur Sorge. Immer mehr Jugendliche im Kreis lösen ihre Probleme mit den Fäusten. Bekannt ist auch, dass diese Auseinandersetzungen immer brutaler werden.

2011 wurden im Kreisgebiet 146 Fälle von Schlägereien unter Jugendlichen bis 21 Jahren bei der Polizei aktenkundig, im vergangenen waren es bereits 184. „Das ist ein deutlicher Anstieg“, erläutert Polizeisprecher Peter Raubuch. Der Vergleich mit allen Altersgruppen erlaubt eine gesellschaftliche Einschätzung. Denn dort sind die Gewaltdelikte nur relativ leicht gestiegen: von 347 auf 360 Fälle im selben Zeitraum.

Doch Behörden und Jugendorganisationen wollen nicht länger tatenlos zusehen. Während es bereits Präventionsprojekte (unter anderem Initiative „Faustlos“ in Grundschulen sowie Sportprogramme) gibt, sind die 17- bis 21-Jährigen allerdings die Sorgenkinder.

Mit dem Projekt „Heimspiel“, basierend auf dem gleichnamigen Kurzfilm mit dem Schauspieler Wotan Wilke Möhring (siehe Infokasten), sehen Polizei, Jugendämter und Institutionen wie das Ufo-Jugendkulturhaus sowie der Fachdienst Prävention der katholischen Erziehungsberatung eine gute Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Diese Gruppe sei normalerweise schwierig zu erreichen.

Viermal wurde der Film bereits gezeigt im Berufskolleg Bergisch Gladbach, das auch von Burscheider Jugendlichen besucht wird. Anschließend wurde 90 Minuten darüber gesprochen. Auch Fragebögen wurden ausgewertet.

Der Film erzählt die Geschichte des Ethiklehrers Andreas Vossen (Wotan Wilke Möhring), der seine Freizeit als Hooligan verbringt. Plötzlich erkennt ihn einer seiner Schüler – und beide stehen als Kontrahenten im brutalen Faustkampf am Ende gegenüber. hmn

Der Workschop „Heimspiel“ kann gebucht werden. Teilnehmer in Gruppen ab zehn Personen sollten aber nicht unter 16 Jahren alt sein. Informationen gibt es unter anderem bei Kriminalkommissar Bernhard Danger unter Telefon 0 22 02/2050. hmn

Herausgekommen dabei ist, dass Jugendliche keinesfalls Gewalt akzeptieren – schon gar nicht von Menschen wie dem Lehrer im Film, der in seiner Nebenwelt ein Hooligan ist. „Die Jugendlichen bewerten das so, dass der Lehrer ein Vorbild ist. Sie verurteilen die Gewalt“, erläutert Bernhard Danger vom Kommissariat Gewaltprävention.

Alle Verantwortlichen räumen ein, dass man mit dem Projekt nicht an Schläger herankomme, doch könne geholfen werden, in Gewaltsituationen ohnmächtig zu sein. Auch könnten Jugendlich dafür gewonnen werden, sich persönlich gegen Gewalt einzusetzen.

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