Verkehrte Welt: Derzeit gibt es mehr Stellen, aber weniger Bewerber.

Lehrstellenmarkt
Die Chance, in seinem Wunschberuf einen Ausbildungsplatz zu ergattern, ist derzeit im Kreis so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Die Chance, in seinem Wunschberuf einen Ausbildungsplatz zu ergattern, ist derzeit im Kreis so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr.

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Die Chance, in seinem Wunschberuf einen Ausbildungsplatz zu ergattern, ist derzeit im Kreis so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Rhein.-Berg. Kreis. „Eine Ausbildung zu machen ist bei der Jugend momentan einfach nicht sexy.“ Kurz und knapp umschrieb Alexander Uhr, Ausbildungsleiter der IHK Köln, bei der Zwischenbilanz des Ausbildungsmarktes in Leverkusen und dem Kreis Rhein-Berg einen der Gründe für das aktuelle Lehrstellen-Bewerber-Verhältnis.

Das hat sich in den vergangenen Monaten nämlich positiv verändert – zumindest für diejenigen, die nach der Schulzeit tatsächlich eine Ausbildung anstreben. „Diese Gruppe ist jedoch kleiner geworden. Das liegt am demografischen Wandel und auch an der Tatsache, dass mittlerweile viele junge Menschen eine Verlängerung der Schulzeit mit anschließendem Studium vorziehen“, erklärte Stefan Krause, Leiter der Agentur für Arbeit. Aus diesem Grund laute der aktuelle Trend: „Deutlich mehr Stellen, aber weniger Bewerber.“

9,1 Prozent mehr Stellen, 14,1 Prozent weniger Bewerber

Dies belegen auch die Zahlen der Agentur für Arbeit, der IHK Köln und der Kreishandwerkerschaft: Seit Oktober 2010 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice 768 Berufsausbildungsstellen in Rhein-Berg gemeldet – 64 oder 9,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darunter waren 509 im März noch ohne Einstellungsentscheidung (17 Prozent mehr als im März 2010).

Parallel zu dieser Entwicklung fiel die Bewerberzahl in den vergangenen Monaten im Vorjahresvergleich kreisweit um 114 auf 696 (minus 14,1 Prozent). Davon blieben 467 junge Leute unversorgt, was rein rechnerisch bedeutet, dass auf einen unversorgten Bewerber 1,1 unbesetzte betriebliche Ausbildungsstellen entfallen. Dieses Verhältnis war im vergangenen Jahr noch schlechter – bei 0,8 zu 1.

Laut Alexander Uhr seien die hiesigen Firmen jetzt zum Umdenken gezwungen: „In vielen Fällen können sich die Ausbilder nicht mehr die besten Bewerber herauspicken, sondern müssen möglicherweise auch einmal schlechtere Zeugnisse in Kauf nehmen.“ Aufgrund des Konjunkturwachstums und des damit verbundenen Bedarfs an Azubis sei dies für Unternehmen und Bewerber gleichermaßen eine Chance: „Schließlich kommt es im Beruf nicht nur auf Zensuren, sondern auch auf die Persönlichkeit an.“

„Für die Ausbildungsbewerber in der Region steht in diesem Jahr das größte Ausbildungsangebot der letzten sechs Jahre zur Verfügung. Wer flexibel ist, der hat gute Chancen“, sagte Stefan Krause. Das große Angebot sei auch Folge der Einsicht zahlreicher Unternehmen, sich aufgrund der demografischen Entwicklung früher um Nachwuchs zu bemühen.

Dennoch haben 49 Prozent der jungen Leute ihren Ausbildungsplatz außerhalb des Kreisgebietes. Dagegen sind 41 Prozent der Plätze in Rhein-Berg durch auswärtige Bewerber besetzt.

Marcus Otto (Kreishandwerkerschaft) appelliert: „Im Moment besteht im Kreis noch in jedem Wunschberuf die Möglichkeit auf einen Ausbildungsplatz. Interessenten sollten sich nur nicht mehr allzu viel Zeit lassen.“

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