Der Energieträger Holz boomt. Immer mehr Haushalte stellen um – und die Region will den Markt bedienen.

Heiztechnik

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Burscheid. Für Lutz Körschgen ist es Routine. Morgens und abends füllt der 38-jährige Biologe den 150 Liter fassenden Brennraum seiner Scheitholzheizung. Ein bisschen Zeitungspapier dazwischen, ein kurzer Kontrollblick, ob das Feuer ordentlich brennt. Dann ist die Sache für ihn erledigt. Seit 2006 beheizt Körschgen so an der Dabringhausener Straße das Wohnhaus seiner fünfköpfigen Familie und sorgt zugleich für warmes Wasser. Ein Anschluss für die Gastherme dient nur dem Notfall. Die Umstellung hat Körschgen nie bereut: „Ich bin froh, dass ich das gemacht habe.“

Der Energieträger Holz boomt. Nach einer aktuellen Studie des Holzclusters Bergisches Land ist die Zahl der Kaminöfen und Holzheizungen in den beiden bergischen Kreisen und Leverkusen zwischen 2005 und 2010 von 40.000 auf 70.000 gewachsen. „Allein bezogen auf Pelletheizungen hat sich Zahl im selben Zeitraum sogar verfünffacht“, sagt Wilfried Schneider, Manager des Holzclusters.

Zunehmende Konkurrenz durch Holzimporte aus dem Osten

Noch, so die Studie, kann die Holzwirtschaft in der bergischen Region die Nachfrage rechnerisch befriedigen. „Etwa die Hälfte des Holzes, das verfügbar ist, wird genutzt“, sagt Schneider. „Aber wenn der Trend anhält, dann ist in fünf Jahren vielleicht die Grenze erreicht.“ Holzpellets, früher ein reines Abfallprodukt, sind mittlerweile im Marktwert deutlich gestiegen. Und der heimische Holzmarkt erfährt aufgrund des großen Bedarfs zusehends Konkurrenz durch Billigimporte aus Polen, Weißrussland oder Rumänien.

„Die Wertschöpfung soll in der Region bleiben“, beschreibt Schneider das Ziel des Clusters, das sich als Netzwerk aller Beteiligten bis hin zum Endverbraucher versteht. Diese führen als Grund für das Heizen mit Holz oft dessen CO2-Neutralität an. Holz gibt beim Verbrennen nur das Kohlendioxid frei, das es vorher gebunden hat. Fossile Brennstoffe dagegen fügen dem Kreislauf zusätzliches klimabelastendes CO2 zu, das eigentlich seit Jahrmillionen dem Kreislauf entzogen war.

Angesichts der zunehmend schwierigen Marktlage empfiehlt Schneider, vor der Umstellung für eine gute Wärmedämmung des Hauses zu sorgen, um den Holzverbrauch gering zu halten. Auch müsse es darum gehen, die Feinstaubbelastung zu minimieren, aus Umweltsicht der Schwachpunkt des Heizens mit Holz. „Und die Kesselanlagen müssen einen hohen Wirkungsgrad haben.“

Das Netzwerk ist ein Kooperationsprojekt des Rheinisch-Bergischen und des Oberbergischen Kreises, des Landesbetriebes Wald und Holz NRW und des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes. Es wurde im November 2008 gegründet.

Das Geschäftsfeld Holz und Energie soll mit allen regionalen Beteiligten weiterentwickelt werden.

Das Wald-Zentrum der Uni Münster hat eine Studie erstellt, die das technisch realisierbare Energieholz-Potenzial der Region ermitteln, die aktuelle Verbrauchsstruktur darstellen sowie die Branche analysieren sollte. Die Ergebnisse wurden am Samstag in Gummersbach in Anwesenheit von Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) vorgestellt.

Für Lutz Körschgen kein Problem. Um etwas Förderung für die 15.000 Euro teure Anlage zu erhalten, musste er einen Wirkungsgrad von 92 Prozent nachweisen. Und die steigenden Holzpreise bereiten ihm keine Sorgen. Neben seinem Hauptberuf als Angestellter der Uniklinik Düsseldorf betreibt er mit seinem Bruder nebengewerblich eine Firma für Baumfällungen und Kaminholz.

„Das Holz, das die Kunden nicht für sich selbst haben wollen, verwende ich für meine Heizung“, sagt er. Der Grund, warum er sich für eine Scheitholz- und keine Pelletheizung entschieden hat. „So bin ich unabhängig von Lieferanten.“

Bis zu 30 Kubikmeter Holz, überwiegend Fichte, lagern auf seinem Grundstück. Die Scheite sind auf Paletten gestapelt und lassen sich so bequem bis an die Heizung in einem Anbau heranfahren. Die Arbeit des (maschinellen) Spaltens und Stapelns sieht er sportlich. „Andere gehen ins Fitnessstudio.“

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