Hals-Nasen-Ohren-Arzt Markus Meinke praktiziert nur noch in seiner Solinger Hauptpraxis. Eine Versorgungslücke sieht die Kassenärztliche Vereinigung aber nicht. Es gebe sogar eine Überdeckung im Kreis.

Hals-Nasen-Ohren-Arzt Markus Meinke praktiziert nur noch in seiner Solinger Hauptpraxis. Eine Versorgungslücke sieht die Kassenärztliche Vereinigung aber nicht. Es gebe sogar eine Überdeckung im Kreis.
Auf einem Zettel an der Tür werden die Burscheider Patienten darauf hingewiesen, dass die Praxis geschlossen ist.

Auf einem Zettel an der Tür werden die Burscheider Patienten darauf hingewiesen, dass die Praxis geschlossen ist.

Doro Siewert

Auf einem Zettel an der Tür werden die Burscheider Patienten darauf hingewiesen, dass die Praxis geschlossen ist.

Burscheid.Wolfgang Brost muss seine 87-jährige Mutter regelmäßig zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt fahren. Und bislang konnte er das auch ohne langwierige Fahrzeiten für die gehbehinderte Frau immer dienstags oder mittwochs zur Zweigpraxis von HNO-Facharzt Markus Meinke an der Hauptstraße 105.

Völlig überrascht war er deshalb, dass er und eine Nachbarin von ihm in dieser Woche vor verschlossener Tür standen. „Die Praxis ist ab dem 22.12.2017 dauerhaft geschlossen“, steht dort auf einem aufgeklebten Din-A4-Blatt mit dem Zusatzhinweis: „Sie können uns jedoch über Rufumleitung nach Solingen oder über Telefon 0212/10985 telefonisch erreichen.“

Wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein bestätigt, hat der Arzt seine Zweigpraxis in Burscheid aufgegeben und sich in seine Hauptpraxis nach Solingen zurückgezogen. Eine Alternative in Burscheid gibt es damit derzeit nicht – und müsse es auch nicht geben, sagt KV-Sprecher Christopher Schneider. „Die Entscheidung eine Zweigpraxis zu eröffnen oder zu schließen, kann der Arzt mit sich selbst ausmachen.“ Ein Anspruch leite sich für Burscheid jetzt nicht daraus ab, dass vor sechs Jahren eine Genehmigung der KV für diese so genannte Zweigpraxis erteilt worden sei.

Alle zwölf vorgegebenen HNO– Zulassungen im Kreis sind besetzt

Ausschlaggebend für die Bewertung einer intakten Versorgung durch die KV bei einem Facharzt wie einem HNO-Mediziner sei die Zahl der zugelassenen Ärzte im Kreis: Zwölf sollen es demnach sein, zwölf sind es auch. „Es gibt keine unbesetzten Stellen“, so Schneider, der bei den Hals-Nasen-Ohren-Ärzten im Kreis sogar von einer Versorgungsüberdeckung in Höhe von 113 Prozent spricht, da auch Städte wie Solingen und Leverkusen zwar außerhalb des Kreises liegen, aber ebenfalls eine medizinische Versorgung in der Nähe anbieten. Wolfgang Brost bezeichnet den Zustand dennoch als „Versorgungslücke“. „Ich kann und werde meine Mutter künftig nach Solingen fahren. Aber was ist mit älteren und nicht mobilen Menschen in der Stadt?“ Christopher Schneider sieht diese Problematik im Einzelfall auch, weist aber auf relativ nah gelegene HNO-Praxen insbesondere in Leichlingen und Wermelskirchen hin.

Bürgermeister Stephan Caplan sagt zu, sich wie einst sein Vorgänger Hans Dieter Kahrl um eine Lösung zu kümmern. „Ich habe auch schon mit dem Arzt gesprochen. Es liegen keine wirtschaftlichen Gründe vor. Im Gegenteil: Er hat gesagt, dass er die Praxiszeiten aufgrund hoher Patientennachfrage sogar noch hätte ausdehnen können.“ Genau das sei auch der Grund für den Rückzug gewesen: ein kaum noch zu bewältigendes Arbeitspensum.

Laut Christopher Schneider sei dies ein guter Hinweis. Unter solch wirtschaftlich guten Voraussetzungen lasse sich womöglich schneller ein Nachfolger finden. Bürgermeister Caplan habe auch schon mit dem Vermieter Kontakt aufgenommen. Jetzt fehlt allerdings ein Arzt als Interessent.

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