Der Streik am Standort Wiesbaden ist beendet. Statt über 430 Mitarbeitern sollen zunächst nur 200 das Unternehmen verlassen.

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Ein Wiesbadener FM-Mitarbeiter während des Streiks: Seiner unübersehbaren Forderung wird jetzt nur zum Teil Folge geleistet.

Ein Wiesbadener FM-Mitarbeiter während des Streiks: Seiner unübersehbaren Forderung wird jetzt nur zum Teil Folge geleistet.

dpa

Ein Wiesbadener FM-Mitarbeiter während des Streiks: Seiner unübersehbaren Forderung wird jetzt nur zum Teil Folge geleistet.

Burscheid. Einen Tag vor der Betriebsversammlung am Donnerstag bei Federal-Mogul (FM) in Burscheid machte gestern die Nachricht vom Verhandlungsdurchbruch am Standort Wiesbaden die Runde. Dort war die Auseinandersetzung um drohende Entlassungen zuletzt eskaliert. Seit dem 6. Mai war der Betrieb mit einer kurzen Unterbrechung bestreikt worden.

In der hessischen Landeshauptstadt stellen rund 1600 FM-Mitarbeiter vor allem Gleitlager und Buchsen für Automotoren her. 436 Stellen sollten nach dem Willen der Geschäftsführung gestrichen werden.

Der jetzt in der vierten Verhandlungsrunde der Einigungsstelle am späten Dienstagabend erreichte Kompromiss hat drei Stufen. 120 Mitarbeiter sollen bereits zum Monatsende aus dem Unternehmen ausscheiden. Ihnen wird der Wechsel in eine Transfer-Gesellschaft angeboten, wo ihnen bis zu einem Jahr Transfer-Kurzarbeitergeld und zusätzliche Qualifikationen ermöglicht werden.

Mit der Aktion "50+" sollen laut IG Metall weitere 80 Beschäftigte über 50 Jahren den Betrieb mit Kurzarbeitergeld und Ausstiegsregelungen bis Ende Juni freiwillig verlassen. 36Arbeiter haben zudem bereits Aufhebungsverträge unterzeichnet.

Für die verbleibenden 200von Entlassung bedrohten Mitarbeiter wird die Kurzarbeit bis Ende Juni 2010 verlängert. "Und dann gucken wir mal, wie die Wirtschaftslage sich entwickelt hat", sagt der Streikführer und 1. Bevollmächtigte der IG Metall Wiesbaden-Limburg, Michael Erhardt. Für FM-Sprecher Bruno Seifert ist klar: "Dann können bis zu 200 weitere Arbeitsplätze reduziert werden, falls die Auftragslage dies erfordert."

Welche Auswirkungen die Wiesbadener Einigung auf die Burscheider Verhandlungen über die hier rund 300 gefährdeten Arbeitsplätze hat, ist aber noch nicht abzusehen. Zuletzt waren hier von beiden Seiten Vergleiche mit Wiesbaden zurückgewiesen worden. Zu unterschiedlich seien die Rahmenbedingungen.

Daher wird sich die Einigung wohl eher psychologisch als konkret inhaltlich in der nächsten Verhandlungsrunde niederschlagen, die morgen angesetzt ist. Gleichwohl haben Geschäftsführung und Betriebsrat in Burscheid gestern bereits die Wiesbadener Ergebnisse diskutiert.

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