Glosse

Stromausfälle in den Abend- und Nachtstunden (sofern da jemand noch die Augen geöffnet hat) haben eine beängstigende Wirkung auf Menschen. Das Geräusch des Kühlschranks, der sonst surrend und gluckernd nervt, wird mit jeder weiteren Minute der Dunkelheit flehentlicher herbeigesehnt. Taschenlampen, die zumeist in einer Schublade vergraben sind, geistig schon mal dort deponiert, wo sie in der Dunkelheit schnell zu greifen sind. Das hilft aber nur dann, wenn die Batterien noch voll sind. Und die sind es nach Murphys Gesetz genau in solchen Momenten eben nicht. Wie die junge Frau, die in einer Wohnung des Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde lebt, die Treppen in der Dunkelheit beim Stromausfall vergangene Samstagnacht hinabsteigen konnte, ohne sich den Hals zu brechen, wir wissen es nicht. Was überliefert ist: Sie kraxelte hinunter, öffnete die Haustür – und stand, als die Tür zugefallen war, im Nachthemd mitten auf der Hauptstraße. In der Nacht. Und natürlich ohne Schlüssel. Warum sie eine EC-Karte dabei hatte, mit der sie die Schlossfalle (so heißt das wohl) öffnen konnte, auch das wissen wir nicht. Was wir aber wissen ist: Die Frau hat viel Glück gehabt. Zum einen, dass sie schnell wieder in ihrer Wohnung war. Zum anderen, dass nicht ein Streifenwagen just in dem Moment an ihr vorbeifahren ist, als sie mit der EC-Karte an dem Schloss herumfummelte.

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