Fachkräftemangel und eine längere Lebensarbeitszeit: Auch im Rathaus muss man sich nach Mitarbeitern strecken. Gezielte Programme steigern die Laune im Haus und helfen bei der Außendarstellung.

Fachkräftemangel und eine längere Lebensarbeitszeit: Auch im Rathaus muss man sich nach Mitarbeitern strecken. Gezielte Programme steigern die Laune im Haus und helfen bei der Außendarstellung.
Bewegte Pause: Physiotherapeutin Verena Lüttringhaus (l.) zeigt den Mitarbeiterin im Rathaus, wie sie sich in zehn Minuten gezielt dehnen können.

Bewegte Pause: Physiotherapeutin Verena Lüttringhaus (l.) zeigt den Mitarbeiterin im Rathaus, wie sie sich in zehn Minuten gezielt dehnen können.

Katja Surges vom Personalmanagement hat das Programm konzeptioniert: Auch ein frischer Obstkorb einmal im Monat gehört dazu.

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Bewegte Pause: Physiotherapeutin Verena Lüttringhaus (l.) zeigt den Mitarbeiterin im Rathaus, wie sie sich in zehn Minuten gezielt dehnen können.

Burscheid. Noch vor zehn Jahren haben sich die Verantwortlichen in Stadtverwaltungen sicher keine Gedanken über die personelle Zukunft ihres Hauses machen müssen. Mit der demografischen Entwicklung hin zu immer mehr älteren Menschen und einem immer dünner werdenden jungen „Unterbau“ muss man jetzt auch in den Rathäusern strategisch um den Nachwuchs buhlen.

„Wir haben Probleme, Mitarbeiter zu finden“, bestätigt Bürgermeister Stefan Caplan, Chef von knapp 80 Mitarbeitern in einem überschaubaren Rathaus – auch, oder gerade das spielt bei der Suche nach Kräften eine Rolle. „Die kleinen Kommunen haben am ehesten Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden, weil mögliche Mitarbeiter glauben, hier schlechtere Aufstiegschancen zu haben“, sagt Caplan.

Und so hat der Verwaltungschef jetzt ein Bewegungs- und Gesundheitsprogramm reaktiviert und ausgedehnt, das in Teilen schon im Jahre 2011 existierte. „Als wir das vor sechs Jahren gemacht haben, habe ich das noch heimlich gemacht“, gesteht der Verwaltungschef. Zu groß wären öffentliche Ressentiments gewesen, wenn von Bewegungspausen, Obstkörben oder sogar Massage im Rathaus die Rede gewesen wäre. Mittlerweile, so glaubt Caplan, sei die Wahrnehmung von außen auch dank einer größeren Aufklärung anders. „Es ist bekannt, dass die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitern dank dieser Maßnahmen insgesamt steigt.“ Und so haben die Rathausmitarbeiter Katja Surges und Dirk Runge das Gesundheitsmanagement im Rathaus neu konzeptioniert. Folgende „Bausteine“ gibt es:

Bewegte Pause Auf jeder Etage soll es künftig einen Mitarbeiter geben, der die Kollegen im optimalen Fall täglich zehn Minuten anleitet, bestimmte Kräftigungs-, Bewegungs- und Entspannungsübungen durchzuführen. Angeleitet werden diese fünf „Multiplikatoren“ von der Physiotherapeutin Verena Lüttringhaus. „Fünf bis zehn Minuten am Tag sind völlig ausreichend“, sagt sie, während sie die Handflächen nach hinten biegt. „Die Muskeln verkürzen sich und verkrampfen wenn man den ganzen Tag am Computer sitzt und dahinter zusammensackt – und dann funktioniert auch die Durchblutung nicht mehr richtig.“ Schwindel, Herz- und Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen seien häufig die Folge.

Massage Auch Massage bietet sie den Rathaus-Mitarbeiterin an – immer mittwochs. 20 Minuten können in Anspruch genommen werden, die Hälfte dieser Zeit gilt als Arbeitszeit, die Kosten trägt jeder selbst – oder bringt einen Krankenschein von der Kasse mit.

Sport in der Mittagspause In Kürze sollen die Verwaltungsmitarbeiter die Möglichkeit bekommen, in der einstündigen Mittagspause Sport zu machen. Dabei handelt es sich um ein Rücken-Fit-Angebot einer BTG-Kraft in der Hugo-Pulvermacher-Halle. Bereits seit September 2016 können die Mitarbeiter das Sportabzeichen auf dem Griesberg machen.

Obstkorb Einmal im Monat bringt ein heimischer Obstbauer einen Korb mit sechs Apfelsorten und auch Birnen vorbei. Auf jeder Etage steht einer.

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