Burscheider haben am Mittwoch auf das Thema aufmerksam gemacht und der Opfer gedacht.

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Bürgermeister Stefan Caplan und Lysann Häusler (v.l.) gedenken mit anderen Frauen den Opfern von Gewalt.

Bürgermeister Stefan Caplan und Lysann Häusler (v.l.) gedenken mit anderen Frauen den Opfern von Gewalt.

Doro Siewert

Bürgermeister Stefan Caplan und Lysann Häusler (v.l.) gedenken mit anderen Frauen den Opfern von Gewalt.

Burscheid. Für einen Moment ist nur das Prasseln der Regentropfen und das Rauschen der vorbeifahrenden Autos zu hören. Mit Gläsern, in denen das Licht von Kerzen flackert, steht eine Gruppe von Frauen am Mittwoch vor dem Rathaus. Zusammen mit Bürgermeister Caplan halten sie eine Schweigeminute in Gedenken an die vielen Frauen ab, die Opfer von Gewalt sind.

1999 haben die Vereinten Nationen den 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ernannt. 2001 hat Terre des Femmes, Menschenrechtsorganisation für Frauen und Kinder, die Fahnenaktion "Frei leben - ohne Gewalt" ins Leben gerufen. Von Beginn an beteiligt sich auch die Burscheider Frauenberatungsstelle. "Es ist wichtig, öffentlich auf die Problematik aufmerksam zu machen und so die Hemmschwellen der Opfer abzubauen", sagt Lysann Häusler von der Frauenberatungsstelle.

Denn Gewalt ist in vielen Haushalten Realität. In Burscheid hat es in diesem Jahr bereits 19 Fälle häuslicher Gewalt gegeben, 2008 waren es noch elf. Polizeisprecher Peter Raubuch schätzt diesen deutlichen Anstieg allerdings nicht als einen anhaltenden Trend ein. "Das hat Zufallscharakter. 2010 gehen die Zahlen wahrscheinlich wieder zurück", sagt Raubuch.

Der Anstieg lässt sich vor allem auch dadurch erklären, dass immer häufiger bei häuslicher Gewalt die Polizei gerufen wird. "Das Dunkelfeld wird zunehmend aufgehellt", sagt Raubuch. "Das Thema wird bekannt und immer mehr Nachbarn oder Dritte melden sich bei uns."

Seit 2002 ist die Polizei für den Schutz der Opfer verantwortlich

In den vergangenen Jahren habe sich sehr viel getan, sagt auch Diplom-Pädagogin Lysann Häusler. "Gewalt ist nicht mehr Privatsache", sagt sie. Für diese Entwicklung ausschlaggebend sei das neue Polizeigesetz, das seit 2002 in Kraft ist. Seither ist die Polizei für den Schutz der Opfer verantwortlich und kann - auch ohne Anzeige durch das Opfer - eine Strafverfolgung einleiten.

Frauenberatungsstelle Höhestraße 76, Telefon 02174-1047. Termine: Dienstags bis donnerstags 9 bis 12 Uhr. Dienstag und Mittwoch 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

In Nordrhein-Westfalen kann die Polizei zudem den Täter zehn Tage die Rückkehr in die Wohnung untersagen. "Das Opfer kann zur Ruhe kommen und sich über seine Möglichkeiten bewusst werden", sagt Raubuch. In Burscheid wurde das Rückkehrverbot 2009 in elf von 19 Fällen ausgesprochen.

Polizei und Frauenberatungsstelle arbeiten eng zusammen. Seit 2002 gibt es zudem den "Runden Tisch - Keine häusliche Gewalt" im Rheinisch-Bergischen Kreis. Darin kooperieren die Gleichstellungsstelle der Kreisverwaltung, die Kreispolizeibehörde, kommunale Jugendämter und viele andere Organisationen.

Ziel ist es, über Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder aufzuklären und diesen vorzubeugen. So wurde zum Beispiel um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen an verschiedenen Schulen im Kreis das Projekt "GewaltArt" durchgeführt, bei dem die Schüler Bilder zum Thema Gewalt malten.

In Burscheid hing die Fahne "Frei leben - ohne Gewalt" bisher am 25. November immer vor den Räumen der Frauenberatungsstelle. Das Angebot von Bürgermeister Caplan, sie in diesem Jahr an einem Mast vor dem Rathaus aufzuhängen, hat man dankend angenommen. Immerhin werden an solch prominenter Stelle mehr Burscheider auf die Fahne aufmerksam. "Wir zeigen jetzt gemeinsam Flagge", sagt Caplan und sichert den Frauen Unterstützung für ihre Arbeit zu.

Die Beratungsstelle bietet psychische und juristische Hilfe

470 Beratungsgespräche hat die Frauenberatungsstelle im Nordkreis 2008 geführt. "Mehr als die Hälfte davon hatte mit häuslicher oder sexualisierter Gewalt zu tun", sagt Häusler. Die Beratungsstelle hilft Betroffenen psychisch und gegebenenfalls auch juristisch und bei der Organisation eines neuen Lebens weiter. "Zuerst einmal geht es darum zu überlegen, wie wir die Frau und ihre Kinder in Sicherheit bringen können", sagt Häusler.

Denn teilweise ist die Gefahr, die von den Tätern ausgeht zu groß. Doch manchmal kommt auch jede Hilfe zu spät "Die extremste Art der häuslichen Gewalt sind Tötungsdelikte und in Nordrhein-Westfalen gab es 2008 immerhin 28 Fälle", sagt Lysann Häusler. Für diese Frauen haben die Burscheider Frauen am Mittwoch ihre Lichter angezündet.

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