Die zweite Phase des Stellenabbaus scheint abgewendet, die Auftragslage bessert sich, die Zahl der Beschäftigten bei Federal-Mogul soll wieder wachsen. Das sind erfreuliche Nachrichten. Aber sie werden getrübt durch das beklemmende Gefühl, dass die Verfallsdauer wirtschaftlicher Analysen mittlerweile dramatisch verkürzt ist: Was gestern noch als Wahrheit verkündet wurde, kann sich schon heute als Trugschluss herausstellen.

Egal ob man mit Vertretern der Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite spricht: Überall ist derzeit bei FM der Satz zu hören, dass die derzeitige Auftragsentwicklung nicht vorhersehbar gewesen sei. Das mag ja so sein, ist aber für diejenigen kein Trost, die sich unter dem Eindruck düsterer Prognosen noch vor wenigen Monaten entschieden haben, in die Transfergesellschaft zu wechseln - und diese jetzt als Abstellgleis empfinden müssen.

Das Gefühl, nur Spielball kurzfristiger und -sichtiger Wirtschaftsinteressen zu sein, birgt gerade mit Blick auf die Betriebsratswahl auch noch aus einem anderen Grund Gefahren: Es könnte die Überzeugung befeuern, denen "da oben" nur richtig Paroli bieten zu müssen. Eine solche Radikalisierung aber kann am Ende einen ganzen Standort ins konzerninterne Abseits führen. Bei FM in Wiesbaden sehen Beobachter genau das gerade geschehen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer