Bei FM werden Leiharbeiter und befristete Verträge abgebaut. Andere Zulieferer spüren noch wenig von der Krise.

Auftragslage
Der Mitarbeiterparkplatz von Federal-Mogul. Wenn der Autoabsatz stockt, wirkt sich das zwangsläufig auch auf die Zulieferer aus.

Der Mitarbeiterparkplatz von Federal-Mogul. Wenn der Autoabsatz stockt, wirkt sich das zwangsläufig auch auf die Zulieferer aus.

D. Siewert

Der Mitarbeiterparkplatz von Federal-Mogul. Wenn der Autoabsatz stockt, wirkt sich das zwangsläufig auch auf die Zulieferer aus.

Burscheid. Ein „fast widersprüchliches Bild“ macht Johannes Pink, Geschäftsführer der Federal-Mogul (FM) Burscheid GmbH, derzeit bei der Auftragslage aus: Bei den Stahlringen, wo FM nicht Marktführer ist, läuft es ordentlich mit einer vergleichbaren Auslastung wie vor Jahresfrist.

Bei den anspruchsvolleren Gussringen aber, die den Hauptteil des Umsatzes ausmachen, muss Marktführer FM im Vergleich zum Vorjahr Einbußen zwischen 15 und 30 Prozent verzeichnen.

Verantwortlich, so Pink, sei ein ganzer Strauß von Gründen: die insgesamt geringere Nachfrage nach Dieselfahrzeugen, ein schwächeres Wachstum in Asien, auch das sogenannte Downsizing, das aus Vier-Zylinder-Motoren die Leistung von früher sechs Zylindern herauskitzelt, was zwangsläufig zu weniger benötigten Kolbenringen führt.

Vor allem aber und an erster Stelle „die Marktsituation“, sprich die Absatzprobleme von Autoherstellern wie Ford, Fiat und dem französischen PSA-Konzern.

„Noch habe ich die Hoffnung, dass sich die Auftragsbücher wieder füllen“, sagt Pink, „aber ich sehe keine Anzeichen dafür.“ Nichts deute darauf hin, dass nach dem Sommerloch die Produktion wieder das Niveau von Mai oder Juni erreichen könnte.

Ford Köln hat für September wieder vier Tage Kurzarbeit angekündigt. Krisenstimmung herrscht auch bei Opel, PSA und Fiat.

FM wird die Konsequenz ziehen und Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sind sowohl die derzeit rund 90 Leiharbeiter als auch befristete Arbeitsverträge, von denen etliche nicht verlängert werden sollen. Die Stammbelegschaft soll so möglichst unbehelligt bleiben.

Auch die Schichtmodelle werden der reduzierten Auftagslage angepasst. Denn Pinks Erwartungen sind „ganz bescheiden: Der Markt in Europa wird bestenfalls stagnieren.“ Das sei mit dem Krisenjahr 2008 aber nicht zu vergleichen: „Die Lage ist schwierig, aber kein Weltuntergang.“

Nickisch baut auf den noch nicht schwächelnden VW-Konzern

Johannes Orlowski, Geschäftsführer von Nickisch in Hilgen, sagt sogar: „Bei uns ist die Welt noch in Ordnung.“ Wenn trotz eines starken Umsatzes wenig Rendite übrig bleibe, liege das derzeit eher an den gestiegenen Personalkosten, die kaum an die Kunden weitergegeben werden könnten.

Bei Nickisch selbst sei jedenfalls noch kein Rückgang erkennbar, „aber bei den Kunden deuten sich Zeichen an, dass die Mengen Ende des dritten Quartals zurückgehen“. Auch wenn Orlowski einräumt, er sei „ein bisschen unsicher“, sieht er seine Firma im Vorteil, weil sie vor allem im VW-Lieferstrang eingebunden sei. Und den Wolfsburgern geht es noch gut.

Bei der Fietz-Gruppe, die zu fast 50 Prozent am Automobilmarkt hängt, machen sich laut Geschäftsführer Maryo Fietz zwar leichte Rückgänge bemerkbar, „aber wir sind noch nicht sicher, ob das sommerbedingt oder dauerhaft ist“. Mit 2008 sei die Lage in dem Betrieb mit seinen 140 Mitarbeitern jedoch nicht vergleichbar. „Aber wir stellen uns darauf ein, dass wir weniger liefern und im Rest des Jahres an Schwung verlieren.“ Der Auftragsbestand sichere erst einmal die nächsten sechs Wochen.

Wesentlich kurzfristigere Auftragseingänge als früher

Dass die Aufträge wesentlich kurzfristiger als früher erfolgen, weil die Kunden inzwischen vorsichtiger einkaufen, stellt Vidor von Stralendorff, Geschäftsführer der Hugo Faßbender Dichtungsgesellschaft (Hufa), schon länger fest. „Aber nicht bei jedem Autobauer klopft die Krise an und wir spüren im Moment noch nichts, weil wir auch weniger die Hersteller im europäischen Raum beliefern.“

Auch Johnson Controls vermeldet keine Krisenanzeigen: „Wir sind im Quartal von April bis Juni global um sieben Prozent gewachsen und haben die Umsätze in Europa im Vergleich zum Vorjahresquartal konstant gehalten, während der Automobilmarkt um fünf Prozent zurückgegangen ist“, sagt Sprecher Oliver Herkert. Das weltweite Ergebnis erkläre sich aus dem „großen Wachstum in Nordamerika und Asien“.

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