Mit ihrem Opa schloss Marlies Dehnhardt als Kind Wetten ab, woher der einlaufende Zug kam.

Marlies Dehnhardt mit ihrem Großvater.
Marlies Dehnhardt mit ihrem Großvater.

Marlies Dehnhardt mit ihrem Großvater.

Undatierte Aufnahme des Burscheider Bahnhofs im Winter. (Repro: Sarx)

privat, Bild 1 von 2

Marlies Dehnhardt mit ihrem Großvater.

Burscheid. Ich bin in Hilgen geboren und bei meinen Großeltern aufgewachsen. Die Eisenbahnstrecke Lennep - Opladen ging direkt an unserem Grundstück vorbei. Anfangs war die Strecke zweigleisig und es gab Bahnsteig 1 und 2 mit Unterführung, außerdem gab’s noch ein Fahrkartenhäuschen, wo die Fahrkarten geknipst wurden. Ich kann mich noch gut an die alten Dampfloks erinnern, die man schon meilenweit riechen und hören konnte, zum Schluss fuhr nur noch der Schienenbus.

Wenn die Züge kamen, haben wir Kinder gewunken

Mein Opa und ich haben oft im Baumhof gesessen und geraten, wo der Zug gerade abgefahren war, um pünktlich im Bahnhof Hilgen einzutreffen. Die Fahrpläne kannten wir auswendig. Wenn ich gewonnen hatte, gab’s Eis oder einen Groschen, wenn mein Opa gewann, musste ich sonntags mit ihm Taubenuhren ablesen. Tauben und Hunde waren seine Hobbys. Oft haben wir Kinder an den Bahnhängen gespielt oder Himbeeren und Brombeeren gepflückt. Wenn die Züge kamen, haben wir gewunken und die Lokführer haben uns mit Hupsignal zurückgegrüßt. Wie oft habe ich damals die Schüler und Arbeiter beneidet, die jeden Tag mit dem Zug fuhren.

Dann endlich war es so weit. Nach meiner Schulzeit hatte ich mich für die Handelsschule Burscheid entschieden und nun fuhr auch ich täglich mit dem Zug nach Burscheid. Wir Schüler trafen uns immer in einem bestimmten Abteil, machten nachträglich unsere Hausaufgaben oder heckten irgendwelche Streiche aus. Nach Abschluss der Handelsschule begann ich die Lehre bei der Volksbank, wieder fuhr ich mit dem Zug, mittlerweile viermal am Tag. Die Schaffner und Zugführer kannten mich nun schon einige Jahre und deshalb brauchte ich meine Monatskarte nicht mehr zu zeigen.

Jetzt sind wir auf den Fuß- und Radweg gespannt

Außerdem fuhr ich einmal wöchentlich nach Leverkusen-Manfort zur Berufsschule; mit von der Partie war noch ein Azubi der Sparkasse. Im Winter, wenn es geschneit hatte, kam unser Zug meistens mit Verspätung an und wir verpassten dadurch unseren Anschluss in Opladen. Wenn wir dann Stunden später in der Schule ankamen, gab es oft Probleme und Ärger, denn in Leverkusen lag kaum oder gar kein Schnee und richtig geglaubt hat uns das heimische Winterchaos keiner; wir hatten natürlich unseren Spaß. Außerdem durften wir in Hilgen bei der Abfahrt in der Bahnhofskneipe auf den Zug warten, weil es dort wärmer war als in der Wartehalle.

Im Jahr 1970 wurde ich zur Volksbank Remscheid-Lennep versetzt und lernte nun auch die entgegengesetzte Strecke kennen, aber Zugführer und Schaffner blieben die gleichen. Jetzt wohnen mein Mann und ich in Burscheid und wieder geht die Bahnstrecke direkt an unserem Haus vorbei, mit dem Unterschied, dass sie mittlerweile stillgelegt wurde.

Es waren schöne Zeiten, die Fahrten im "Balkanexpress" - so wurde unsere Strecke liebevoll genannt. Sie hatte so etwas Beruhigendes und Gemütliches, vor allem aber konnte man die umliegenden Orte noch direkt und ohne Umsteigen erreichen.

Jetzt sind wir auf den Fuß- und Radweg gespannt. Bestimmt wird es bei den Spaziergängen viele Erinnerungspunkte geben.

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