Vier Senioren sind am Dienstag von Betrügern behelligt worden. Die Polizei hat eine Spur, da eine Rufnummer gespeichert wurde.

Kriminalität
Nach dem Anruf kommt in der Regel ein Kurier vorbei, um das Geld bei den Senioren abzuholen.

Nach dem Anruf kommt in der Regel ein Kurier vorbei, um das Geld bei den Senioren abzuholen.

dpa

Nach dem Anruf kommt in der Regel ein Kurier vorbei, um das Geld bei den Senioren abzuholen.

Burscheid. Kriminelle, die Senioren mit dem so genannten Enkeltrick über das Ohr hauen wollen, haben offenbar an Burscheid einen besonderen Gefallen gefunden.

Nachdem ein Betrüger bereits kurz vor Weihnachten mit seiner „Bitte“ um Bargeld bei gleich fünf Burscheidern gescheitert war, zeigten am Dienstag erneut vier Senioren Betrugsversuche an.

In nur zwei Stunden, von 14.20 bis 16.20 Uhr erhielten die Burscheider im Alter von 62 bis 88 Jahren Anrufe von angeblichen Enkeln, Neffen oder Bekannten. Wegen angeblicher Geldnot oder für einen geplanten Autokauf forderten die Anrufer Geldbeträge in einer Höhe von 10 000 bis 25 000 Euro.

„Die Angerufenen reagierten in allen Fällen richtig und beendeten die Gespräche“, erklärt Claudia Kammann, Sprecherin der Kreispolizeibehörde. Zu einer Geldübergabe sei es deshalb in keinem Fall gekommen.

Dankbar sei die Behörde auch, dass die Betroffenen sofort die Polizei informierten, um Anzeige zu erstatten. „Wir reagieren darauf sehr sensibel und kommen heraus“, sagt die Polizistin.

Obwohl die aktuellen Fälle zeigen, dass viele Menschen mittlerweile skeptisch reagieren, wenn sie am Telefon von Betrügern angerufen werden, haben die Täter immer wieder Erfolg – oder sind zumindest nah dran. So hatte eine Burscheiderin (83) im November 24 000 Euro nach einem Anruf des angeblichen Ehemanns der Enkelin abheben wollen. Die Bankmitarbeiterin wurde skeptisch und lehnte die Auszahlung mit dem Hinweis auf zu wenig Bargeld in der Filiale ab.

Polizeisprecherin Claudia Kammann gibt deshalb Tipps, wie Betroffene reagieren sollen:

Keine Informationen preisgeben, wenn der Anrufer fragt: „Weißt Du, wer hier ist?“ Schon mit einem richtigen Namen könne der Betrüger leichter an das Mitgefühl des Opfers appellieren.

Die Rolle umkehren und selbst fragen: Wer ist denn dort?

Wer nicht sicher sei, Zeit gewinnen: Beispielsweise mit einem Anruf bei der Verwandtschaft.

Den Notruf wählen: 110

So könne unter anderem überprüft werden, ob eine Rufnummer im Telefon des Opfers gespeichert worden sei. In Burscheid könnte das jetzt der Fall gewesen sein. Eine Rufnummer habe bislang nicht zugeordnet werden können. Womöglich ist sie eine Spur zu den Tätern.

Betrogene Senioren rufen die Polizei häufig nicht an

Dass die Betrüger sich gehäuft Burscheid vornähmen, habe vermutlich mit der Altersstruktur der Stadt zu tun – und vielleicht mit den überschaubaren ländlichen Strukturen, die eine gezielte Beobachtung möglich mache.

Anderseits sei das Phänomen auch in Städten nicht selten. Claudia Kammann glaubt sogar, dass die Dunkelziffer Betrogener hoch ist. „Viele Senioren möchten sich nicht offenbaren, wenn ihnen das passiert ist, weil sie sich schämen.“

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