Neben den vier bekannten Werken des Bildhauers Ernst Kunst gibt es in der Stadt noch ein fünftes – im Stadtarchiv.

Burscheid. Eva Lüdorf treibt eine Sorge um: "Ich habe den Eindruck, dass man die bildenden Künstler nicht genügend beachtet und anerkennt, geschweige denn verehrt." Die Burscheiderin, die den umfangreichen Nachlass des Malers und Grafikers Werner Bernhard verwaltet und 2007 für ihre kulturellen Verdienste die goldene Ehrennadel des Kreises erhielt, hat dabei einen Namen vor Augen: den Bildhauer Ernst Kunst (1896-1959).

Immer wieder stelle sie in Gesprächen mit Burscheidern fest, "dass man wenig oder fast gar nichts über diesen Bildhauer weiß". Dabei ist der in Burscheid gestorbene und beerdigte Künstler im Burscheider Stadtbild gleich vierfach vertreten: mit der Büste von Pastor Johannes Löh vor dem ehemaligen Pastorat; mit der Porträtbüste von Else Luchtenberg im Eingangsbereich des Altenzentrums auf der Schützeneich; mit dem Denkmal des Academie-Begründers Jacob Salentin von Zuccalmaglio vor dem Haus der Kunst; und mit dem Relief, das dessen Sohn, den Schriftsteller und Dichter Vincenz von Zuccalmaglio, genannt Montanus, in gleichnamiger Straße zeigt.

Jetzt ist die 87-Jährige einem weiteren Kunst-Werk auf die Spur gekommen. Den Anstoß gab das Buch "Der Bildhauer Ernst Kunst - Versuch einer Deutung seines Schaffens" des Burscheider Kunstmäzens und langjährigen Förderers von Ernst Kunst, Paul Luchtenberg. In seinem Buch aus dem Jahr 1962 ist auch ein Bronzerelief des preußischen Beamten und Reformers Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831) verzeichnet, versehen mit dem Hinweis "Burscheid Rathaus". "Damit konnte nur das alte Rathaus in der Bismarckstraße gemeint sein", erzählt Eva Lüdorf. Sie forschte im Stadtarchiv nach - und wurde fündig: Dort hängt das Freiherr-vom-Stein-Relief, bestens erhalten, aber weitgehend unbeachtet, im Kellergang des Rathauses.

Was Kunst zu dem Porträt bewog, weiß Lüdorf nicht zu beantworten. Immerhin erinnern bundesweit mehrere Denkmale und Straßennamen an vom Stein. Auch ein Leverkusener Gymnasium trägt seinen Namen.

Weniger erfolgreich war Lüdorf bei ihren Nachforschungen in Remscheid, wo sich ein Teil des Kunst-Nachlasses befindet. "Der Flötenspieler, der früher in Burscheid stand, sei in irgendeinem Depot gelandet, hat man mir ohne nähere Angaben gesagt."

Kriegerdenkmal kratzte am Ruf des Bildhauers

Ernst Kunst wurde 1896 in Remscheid geboren. Er lernte zunächst den Beruf des Drehers und Schleifers.

In Kassel studierte er Kunst, lebte und arbeitete später in Berlin.

1950 folgte der Umzug nach Burscheid, wo Ernst Kunst 1959 starb und beerdigt wurde.

In Burscheid hat das 1945 verschollene und vermutlich zerstörte Kriegerdenkmal im Stile Arno Brekers, das auf dem alten Friedhof stand, etwas am Ruf des Bildhauers gekratzt. Dabei gilt Kunst bis heute wie seine Freunde Paul Luchtenberg und Karl Lauterbach als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus.

Dass er die Zerstörung eines seiner Werke in seinem Leben gleich zweimal erleben musste, dafür fehlt Eva Lüdorf jedes Verständnis; dass sein Name im öffentlichen Bewusstsein kaum noch eine Rolle spielt, ebenfalls.

Leserkommentare (4)


() Registrierte Nutzer