Zum fünften Mal in Folge gewinnt Wolfgang Bosbach (CDU) den Wahlkreis.

Mit der ganzen Familie feierte Wolfgang Bosbach (CDU) seinen Wahlerfolg gestern Abend im Kreishaus.
Mit der ganzen Familie feierte Wolfgang Bosbach (CDU) seinen Wahlerfolg gestern Abend im Kreishaus.

Mit der ganzen Familie feierte Wolfgang Bosbach (CDU) seinen Wahlerfolg gestern Abend im Kreishaus.

Draheim

Mit der ganzen Familie feierte Wolfgang Bosbach (CDU) seinen Wahlerfolg gestern Abend im Kreishaus.

Rhein.-Berg. Kreis. Bisweilen überwältigen auch einen gestandenen Profi die Gefühle. "14,5 Prozent mehr Erst- als Zweitstimmen sind sensationell, das höchste Kompliment für einen Politiker", jubelte Wolfgang Bosbach am Sonntagabend im Bergisch Gladbacher Kreishaus. Zum fünften Mal zieht der 57-Jährige für die Christdemokraten in Rhein-Berg direkt in den Bundestag ein.

Schon vor vier Jahren fuhr Bosbach mit 12,1 Prozent mehr Erst- als Zweitstimmen bundesweit das zweitbeste CDU-Resultat hinter Horst Seehofer ein. Jetzt holte er 50 Prozent Erststimmen im Kreis und die CDU 35,5. "Das wird in vier Jahren kaum zu toppen sein", fürchtet der strahlende Seriensieger. Superwerte, die in schwierigen Zeiten gut tun. "Politik ist kein dankbares Geschäft mehr", merkte Bosbach nachdenklich an.

"Die Wünsche der Bürger werden immer größer und die Spielräume des Staates immer geringer." Für seinen Wahlkreis wolle er sich in Berlin konsequent für eine mittelstandsfreundliche Politik einsetzen: "Die Unternehmen müssen Luft zum Atmen haben", forderte Wolfgang Bosbach.

Der Sieger dankte vor allem seiner Familie für ihre Geduld

Außerdem müssten die Kommunen in ihrem Handlungsspielraum gestärkt werden. "Wir brauchen eine Alternative zur Gewerbesteuer. Die Achterbahnfahrten für die Städte und Gemeinden können so nicht weitergehen."

Die wichtigste Aufgabe für das Gemeinwohl insgesamt sieht "Wobo" in der Stabilisierung der öffentlichen Haushalte. Es erfordere viel Mut, bei wieder steigenden Staatseinnahmen nicht Geschenke zu verteilen, sondern freie Gelder zu nutzen, um Schulden zu tilgen.

Die Wahlbeteiligung in Burscheid lag mit 74,5 Prozent unter der von vor vier Jahren (80 Prozent).

Von 13.584 Wahlberechtigten wurden 9.986 gültige Zweit- und 9993 gültige Erststimmen gezählt. 132 Zweitstimmen waren ungültig, 125 Erststimmen ebenfalls.

Für Ehefrau Sabine und seine drei Töchter Natalie, Viktoria und Caroline blieb am Sonntag Abend im Kreishaus kaum mehr Zeit als ein Familien-Gruppenbild im Blitzlichtgewitter der Fotografen. Seinen vier Frauen galt eine der Danksagungen für ihre Geduld, "denn ich bin ja fast nie zu Hause".

Ein weiterer Dank ging an den Wermelskirchener Christian Lindner (30), als Liberaler künftiger Partner in der schwarz-gelben Koalition und "Leihstimmen"-Beschaffer. Der Landtagsabgeordnete Lindner zieht über Platz 9 der Landesliste erstmals in den Bundestag ein. Und mit breiter Brust. "Wir haben dieses fantastische Ergebnis erzielt, weil wir klare Kante gezeigt haben."

Am Montagmorgen, um 8.10 Uhr, geht Lindners Flieger in die Bundeshauptstadt. Die CDU ist der Wunschpartner, aber, so Lindner: "Den Koalitionsvertrag auszuhandeln, wird schwierig." In mancherlei Hinsicht müsste der größere Partner zurückrudern. Die FDP-Riege wird ergänzt durch einen weiteren Wermelskirchener. Johannes Vogel (26), Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, landet über die NRW-Liste ebenfalls in Berlin.

Für Lasse Pütz bleibt der Reichstag in weiter Ferne. Der 27-jährige Sozialdemokrat, der zum zweiten Mal gegen Wolfgang Bosbach antrat, blieb mit 26,7 Prozent Erststimmen chancenlos, nahm es aber gelassen: "Ich habe alles gegeben und es hat nicht gereicht."

Den historischen Tiefstand der Genossen kommentierte er so: "Wir leiden an einem erheblichen Vertrauensdefizit." Zudem habe es in einer Großen Koalition mit Kompromissen auf dem kleinsten Nenner kaum etwas zu gewinnen gegeben. Pütz sieht die Oppositionsrolle als Phase, in der sich die Partei neu aufstellen müsse.

Harald Wolfert (Grüne) war hingegen rundweg zufrieden mit dem besten Grünen-Resultat in der Geschichte. Im Niedergang der beiden Volksparteien erkannte Wolfert einen Trend, der anhalten werde: "Die Parteienlandschaft ist differenzierter geworden."

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