Am Samstag wurden die Kinder im Pfarrheim auf ihren „Job“ vorbereitet. Gestern schwärmten sie aus und mussten ganze Akkordarbeit leisten.

Großes Einkleiden am Samstag im Pfarrheim: Die goldfarbenen Kronen wurden natürlich von den Kindern zuerst aufgesetzt.
Großes Einkleiden am Samstag im Pfarrheim: Die goldfarbenen Kronen wurden natürlich von den Kindern zuerst aufgesetzt.

Großes Einkleiden am Samstag im Pfarrheim: Die goldfarbenen Kronen wurden natürlich von den Kindern zuerst aufgesetzt.

Ob das hält? Skeptische Blicke wirft dieser junge Sternsinger auf die Kordel seines Umhangs.

Nicole Haase, Bild 1 von 2

Großes Einkleiden am Samstag im Pfarrheim: Die goldfarbenen Kronen wurden natürlich von den Kindern zuerst aufgesetzt.

Burscheid. Die Gesangstexte in der Hand lauschen rund 30 Kinder der Musik. Einige starren ganz konzentriert auf die Wörter und versuchen sie sich einzuprägen. Am Sonntag muss der Text sitzen. Norbert Peil schlägt die Tasten des Klaviers im Pfarrheim St. Laurentius an. Jedes Jahr aufs Neue bereitet der Organist die kleinen Gemeindemitglieder auf das kirchliche Hochfest der Heiligen Drei Könige vor.

„Jetzt müsst ihr mitdenken“, sagt er und sucht nach Freiwilligen. Vanessa Vetsch kommt nach vorne. Die 13-Jährige ist zum fünften Mal Sternsinger. Sie weiß, was jetzt passiert. Sie hält eine grüne Karte hoch. Singen, so lautet das Kommando. Reckt sie die rote Karte in die Luft, müssen die angehenden Sternsinger still sein – und das Lied im Kopf weiter vor Augen haben. An der richtigen Stelle wieder einzusetzen, wenn das Mädchen die grüne Karte zeigt, das ist die Kunst. Diakon Reimund Scheurer lacht. Für einen kurzen Moment singt er als Einziger.

Jonah Schoth mag derweil nicht ruhig sitzen bleiben. Er kennt es ja schon. Mit seinen zwei Jahren ist er zum zweiten Mal mit bei den Sternsingern. „Er hat sich sehr gefreut, als er zu Hause die Gewänder gesehen hat“, erzählt Mutter Anke Schoth, die die Lieder auswendig mitsingen kann. Das kommt nicht von ungefähr. Seit 15 Jahren begleitet sie die Sternsinger-Aktion der Gemeinde St. Laurentius. Fast durchgehend. „Vor den Häusern zu stehen und die Leute strahlen zu sehen, das macht mich froh“, erzählt sie. „Jonah freut sich sehr.“ Der Kleine läuft kichernd über den Flur.

Währenddessen kommen die größeren Kinder in Dreiergrüppchen zusammen. Kaspar, Melchior und Balthasar: Wer wer ist, das klärt sich schon noch. „Wir verteilen die Rollen später“, sagt Vanessa Vetsch, die zusammen mit ihrer zehnjährigen Schwester Bianca und ihrer 12-jährigen Freundin Kimberly Gayk eine Gruppe bilden will. Als Dienstälteste weiß sie ja, worauf es ankommt. Und weshalb sie auch dieses Jahr wieder mitgeht. „Es macht Spaß und es ist gut zu wissen, dass man Kindern helfen kann, die benachteiligt sind. Die können ja nichts dafür.“

Das eingesammelte Geld kommt dem Kindermissionswerk zugute

Das Geld, das sie und die anderen Kinder sammeln werden, kommt dem Kindermissionswerk zugute, das mehrere Projekte in aller Welt durchführt. Jedes Jahr wird ein anderes in den Fokus gerückt. 2016 lernen die Sternsinger anhand von Filmen und Broschüren Bolivien kennen. Bianca Vetsch ist fasziniert: „Wir sehen, was mit den Spendengeldern gebaut wird. Das ist toll.“

Terminstress Bei so viel Terminstress müssen die Sternsinger bei Laune gehalten werden. Das passiert am besten mit Leckereien, denken sich die Ehrenamtler, die als Begleitung mitgehen. „Die Kinder helfen und bringen Segen. Und sie werden auch belohnt: mit Süßigkeiten“, sagt Renate Frühauf. „Es ist eine Win-win-Situation.“ Wenn die Kinder Stern, Kronen und Gewänder am Mittwoch nach dem Gottesdienst wieder ablegen, gibt es Pizza im Gemeindehaus. Darauf freut sich auch Diakon Reimund Scheurer, der diesen Programmpunkt hervorhebt. In dieser geselligen Atmosphäre ist schon manche Freundschaft zwischen den Kindern entstanden. „Meine Mama hat gesagt, ich könnte ja mitmachen“, sagt Kimberly Gayk. „Ich will andere Kinder kennenlernen.“

 
Bürgermeister Am Dienstag sind die Sternsinger bei Bürgermeister Stefan Caplan eingeladen. Nicht nur für ein schönes Foto für die Presse übrigens. Jedes Jahr spendet auch das Stadtoberhaupt einen Betrag für die Schatulle der Sternsinger.
 

Im vergangenen Jahr sammelten die Sternsinger der Gemeinde St. Laurentius rund 5000 Euro, berichtet Diakon Reimund Scheurer. „Wir besuchen das Altenzentrum und das Rathaus. Rund 200 Familien wollen besucht werden. Ich weiß nicht, ob wir das alles schaffen.“ Schließlich müssen sich die Kinder an jeder Station Zeit nehmen.

Den Menschen, die ihnen die Tür öffnen, singen sie die gelernten Lieder vor, sprechen ein Gebet und schreiben an die Haustür die traditionelle Segensbitte. Dann soll es auch in der Spendendose klimpern.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer