Clärchen Casel gewährt mit ihren Reimen Einblicke in Zeiten, als noch Fuhrwerke durch die Stadt rollten.

Clärchen Casel (r.) im Jahr 1958 mit ihrer Nichte Marianne Stobbe.  Repros: Barbara Sarx
Clärchen Casel (r.) im Jahr 1958 mit ihrer Nichte Marianne Stobbe. Repros: Barbara Sarx

Clärchen Casel (r.) im Jahr 1958 mit ihrer Nichte Marianne Stobbe. Repros: Barbara Sarx

Clärchen Casel, aufgenommen in den 80er Jahren. 1981 starb sie im Alter von 85 Jahren.

Sarx, Barbara (s09), Bild 1 von 2

Clärchen Casel (r.) im Jahr 1958 mit ihrer Nichte Marianne Stobbe. Repros: Barbara Sarx

Burscheid. Sie hatte eine schöne Altstimme und arbeitete als Gartenbau- und Vertrauenslehrerin im Internat Salem, wo sie Kontakte zu höchsten deutschen Adelskreisen gewann. Nach ihrer Pensionierung kehrte sie in ihre Heimatstadt Burscheid zurück. Sie und das von ihr im Hause Nr. 28 an der Burscheider Hauptstraße betriebene Reformhaus waren eine Burscheider Institution: Clärchen Casel, eine herbe, kleine Frau mit damals ungewöhnlich kurzem Haarschnitt war, so erinnert sich Ilse Plutte, außerordentlich beliebt.

Ihre Mutter Hedwig, eine Tochter von Louis Fassbender (1837-1880), der auf dem bis dahin unbebauten Gelände an der heutigen Hauptstraße mehrere Häuser gebaut hatte (heute Nr.28, 28A, 30, 30A und 32), hatte dort bereits ein Korsettgeschäft betrieben.

In einem langen Gedicht in Burscheider Platt hielt Clärchen Casel fest, was mit Faßbenders Hötte geschah, nachdem der Elektromeister Richard Busch 1933 das Anwesen gekauft hatte, und wie der Umbau die ganze Familie Fassbender und die Mieter durcheinander brachte:

„Hat er et och alt jehurt? So jeht et em Daje von Hus zu Hus,

de Faßbendersch Hötte hät der Bosch jekofft,

dä Bosch van Ploesberig, dä beim Steffens hät geliert,

dä hät et janz alleen fü sech reskiirt

Es durden nit lang, do jing et al los,

em janzen Huus woeer bluß eene Zoff.“

Ein Stück Stadtgeschichte hat sie mit diesem Gedicht erhalten, aber auch mit einem weiteren, das sie 1968 zum 80. Geburtstag von Anna Müller (geb. Breuer) schrieb, die bis 1954/55 im Haus Hauptstraße 36 ein Kolonialwarengeschäft betrieb. Erbauer des Hauses und Gründer des Geschäftes war deren Großvater Carl Wilhelm Adams.

Das Gedicht gewährt einen Einblick in die Zeiten, als Fuhrwerke noch durch die Straßen rollten und kleine Geschäfte Lebensmittel und manches andere für den täglichen Gebrauch verkauften. Einem alten Steinkrügelchen setzt sie mit diesem 1968 geschriebenen Gedicht ein Denkmal:

„Das Krüchelchen“, dat stammt us disem Huus,

vam Opa Adams singem jruuße Laden

met steenern Döppen, kleen on jruuß,

met rären (irdenen) Bärcher (kleine Schalen),. Kömpen, Tassen.

Met Porzeling on Strucktabak

Met Kniel (Caneel, Zimt) on Pfeffer, Muckefuck,

Met Blöe (Bläue, zum Bleichen) on Salz on Winckelswar (Winkel= Lebensmittelladen),

Zaffran on Kies on Zuckerhuet.

Doch nüx ze essen, nüx ze drinken

Woer en dem kleenen Krüchelchen.

Dä Kaareschmer (Karrenschmiere), on dä däet stenken,

hat et en singem Büchelchen.

Do unger schworer Kaar et hing

On schwonkden an dem Ledder.

On wenn e Rad am quietsche fing,

dä Fuhrmann schmert‘ et met ‘ner Fedder.

Jetz es et aal, bahl siwwenzig Johr.

No, stell fü Stoet et op dat Bord.”

Der Kolonialwarenladen war 1954/ 55 aufgegeben worden, Uhrmacher Kremer eröffnete dort sein Geschäft.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer