Mit „Mühlen an Burscheider Bächen“ legt der Geschichtsverein seine vierte Dokumentation vor.

Das Getriebe der Thielenmühle im Murbachtal ist bist heute erhalten geblieben.
Das Getriebe der Thielenmühle im Murbachtal ist bist heute erhalten geblieben.

Das Getriebe der Thielenmühle im Murbachtal ist bist heute erhalten geblieben.

Rolf Engelhardt und Anne Marie Frese haben die neue Dokumentation des Geschichtsvereins am Montag vorgestellt.

Barbara Sarx, Bild 1 von 2

Das Getriebe der Thielenmühle im Murbachtal ist bist heute erhalten geblieben.

Burscheid. Die Mühlsteine der Thielenmühle waren bis Mitte der 1960er Jahre die letzten in der Stadt, die noch ihren Dienst versahen. Und als Müller Hans Kotthaus 1975 auch noch die Bäckerei in der Mühle aufgab, war in Burscheid die Ausübung eines der ältesten bergischen Gewerbe endgültig beendet.

Aber wo die Praxis endet, beginnt oft das Interesse der Geschichtsforscher. In ihrer vierten Dokumentation hat die Burscheider Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins nun die Geschichte der Burscheider Mühlen aufgearbeitet - und sich dabei der Dienste zweier ausgewiesener Mühlenexperten versichert.

Zum einen des Burscheider Vorsitzenden Rolf Engelhardt. Von Beginn an war er bereits im Förderverein Lambertsmühle engagiert. Und als ihn vor Jahren ein Beinbruch für längere Zeit lahmlegte, stürzte er sich auf alle Literatur, die er über Mühlen, ihre Antriebsweisen und Bauarten finden konnte. "Er weiß mehr über die technische Seite der Mühlen als die meisten anderen", sagt Anne Marie Frese.

Sie selbst ist gleichwohl die zweite Garantin für eine kenntnisreiche Betreuung der Dokumentation. Schließlich ist sie als Tochter von Hans Kotthaus in der Thielenmühle aufgewachsen. Weitere Recherchen steuerte Sabine Wurmbach bei, Barbara Sarx ist für das umfangreiche Fotomaterial verantwortlich.

Pulver, Öl und Getreideschrot wurden in den Mühlen erzeugt

Ob Pulvermühlen (zur Herstellung von Schwarzpulver), Ölmühlen oder Fruchtmühlen (zur Herstellung von Getreidemehl und -schrot): Alle Mühlenformen hat es in Burscheid gegeben, wobei die Fruchtmühlen deutlich überwogen. Meist sorgte das Wasser der Burscheider Bäche für die Antriebskraft, aber es soll auch zwei Göpelmühlen gegeben haben, die von Pferden oder Eseln betrieben wurden.

"Kriegsende in Burscheid - Zeitzeugen erinnern sich" (2006); "Industriegeschichte in Burscheid" (2007); "In Burscheid angekommen - Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene in Burscheid" (2008).

"Mühlen an Burscheider Bächen" (2009), erhältlich bei den Buchhandlungen Busch und Hentschel sowie der Foto Factory; Preis: neun Euro.

Heute wissen mitunter selbst die Bewohner kaum noch etwas über die Geschichte ihrer Häuser, zumal viele Mühlen nicht mehr als solche erkennbar sind. Nicht nur deshalb bereitet die Dokumentation ein wichtiges Stück Heimatkunde auf. Sie orientiert sich dabei an einer Liste aktiver Mühlen, die Bürgermeister Heinrich Pfleger im Jahr 1853 erstellt hat, führt aber auch Mühlen auf, die Pfleger nicht erwähnt.

Mitunter räumen die Autoren dabei auch mit Missverständnissen auf. Schon die Lage von Claas- und Lämgesmühle oberhalb des Murbachs müsste eigentlich nahelegen, dass es sich dabei nicht mehr um die ursprünglichen Mühlenstandorte handeln kann.

Die befanden sich am Bach selbst, sind aber inzwischen spurlos verschwunden. Ihr Name wurde dann nur von den landwirtschaftlichen Betrieben übernommen, die sich nach Aufgabe des Mühlbetriebes oberhalb des Bachlaufs ansiedelten.

Nach der Mühlen-Dokumentation hat der Geschichtsverein das nächste Projekt schon ins Auge gefasst: Es wird sich um Burscheider Bürgermeister und Rathäuser drehen.

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