Der Dichter Fritz Halbach war ein hassgetränkter Antisemit.

Umbenennung
Die Fritz-Halbach-Straße in Hilgen: Der Streit um die Umbenennung ist noch nicht beendet. Archiv

Die Fritz-Halbach-Straße in Hilgen: Der Streit um die Umbenennung ist noch nicht beendet. Archiv

Doro Siewert

Die Fritz-Halbach-Straße in Hilgen: Der Streit um die Umbenennung ist noch nicht beendet. Archiv

Burscheid. In der Diskussion um die Umbenennung der Fritz-Halbach-Straße ist bei den Gegnern der Entscheidung immer wieder ein Argument zu hören, das im Wesentlichen darauf zielt, auf antisemitische Äußerungen anderer Namensgeber hinzuweisen, nach denen konsequenterweise dann auch keine Straße oder kein Gebäude mehr benannt werden dürfe. Oft wird dieses Argument noch mit der Aussage verbunden, die heutigen politisch-moralischen Maßstäbe könne man nicht einfach auf früher übertragen.

Auch der Initiator des Bürgerbegehrens, das die Umbenennung kippen will, argumentiert so. Thomas Garweg verweist auf Antisemitismus bei Wilhelm Busch und Richard Wagner. Wie bei ihnen sei aber auch bei Halbach die Benennung wegen seiner Kunst erfolgt, in diesem Fall seiner literarischen Werke. „Dass er antisemitische Tendenzen zeigt, weist ihn als Kind seiner Zeit aus.“

„Halbach hat seinem Judenhass nicht jenseits seiner Werke, sondern dezidiert in ihnen Ausdruck verliehen.“

Diese Einschätzung trägt aber nicht weit. In der geschichtlichen Rückschau wäre es fatal, jede Form von Antisemitismus gleich zu gewichten. Man muss schon genau hingucken, vergleichen und die zeitlichen Umstände berücksichtigen. Im Falle von Fritz Halbach ist das gemacht worden. Und das Ergebnis weist weit über die Einstufung als „Kind seiner Zeit“ hinaus.

Vor allem hat Halbach seinem Judenhass nicht jenseits seiner Werke, sondern dezidiert in ihnen Ausdruck verliehen – und zwar nicht vereinzelt, sondern über einen langen Zeitraum und immer wieder. Das war bei der Ratsentscheidung 1958, die ihn allein als Heimat- und Mundartdichter würdigte, entweder ignoriert worden oder nicht bekannt gewesen. Am eklatantesten wird Halbachs Hass, so das von Geschichtsprofessor Christoph Nonn erarbeitete Gutachten, in seinem 1934 veröffentlichten Buch „Ester, die Herrin der Welt – ein völkisches Testament“ deutlich.

Darin lässt er seiner Ausrottungsfantasie freien Lauf und schildert einen Aufstand gegen die „jüdische Weltherrschaft“, an dessen Ende allein im „Land der Mitte“ über 600 000 Juden umgebracht werden. Einen Propheten lässt er rufen: „Gürtet eure Schwerter und tilget alles, was unter euch ist hebräischen Blutes und alles, was ihm versippt ist, Männer, Weiber und Kinder.“

Das zu einer Zeit weit vor der Reichspogromnacht und der systematischen Ermordung der Juden zu formulieren, rechtfertigt das Fazit des Gutachtens: „Fritz Halbach war kein Verführter, kein Mitläufer des Nationalsozialismus. Er gehörte vielmehr zu den Verführern: Fritz Halbach wirkte als ideologischer Wegbereiter und engagierter Anhänger des Nationalsozialismus. Er war ein völkischer Ideologe und radikaler Antisemit.“

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