Die Firma des Burscheiders Michael Karger verlegt die Kabel für das Highspeed-Netz der Zukunft.

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Christian Kölges, Fred Riebau und Geschäftsführer Michael Karger (v. l.) von Infracomm bei dem heikelsten Teil ihrer Arbeit: Mit Hilfe einer Vergrößerung auf einem Monitor verschweißen sie die Glasfaserleitungen.

Christian Kölges, Fred Riebau und Geschäftsführer Michael Karger (v. l.) von Infracomm bei dem heikelsten Teil ihrer Arbeit: Mit Hilfe einer Vergrößerung auf einem Monitor verschweißen sie die Glasfaserleitungen.

Doro Siewert

Christian Kölges, Fred Riebau und Geschäftsführer Michael Karger (v. l.) von Infracomm bei dem heikelsten Teil ihrer Arbeit: Mit Hilfe einer Vergrößerung auf einem Monitor verschweißen sie die Glasfaserleitungen.

Burscheid. Eine ganze Stadt wartet auf das schnelle Internet. Und der, an dem es hängt, ist Michael Karger. „Wir sind immer die Letzten an der Baustelle“, sagt der Geschäftsführer von Infracomm.

„Die Tiefbauer können sich Zeit lassen und wir müssen dann den Schalttermin einhalten.“ Zurzeit verlegt seine Firma im Auftrag von Netcologne Glasfaserleitungen entlang der Balkantrasse. Damit arbeitet der Burscheider auch ein bisschen für sich selbst, denn auch er wartet privat auf einen schnelleren Internet-Zugang auf dem Griesberg.

Filigrane Technik: Glasfaser ist dünner als ein menschliches Haar

Erst vor einem Jahr hat Michael Karger Infracomm gegründet. Neu ist er trotzdem nicht im Geschäft: 16 Jahre hatte er bereits bei einer Firma in Essen als Niederlassungsleiter gearbeitet, deshalb kennt er die Branche.

Mittlerweile beschäftigt er 17 Mitarbeiter. Und die führen – auch wenn sie nicht so aussehen, wenn sie an Baustellen neben schwerem Gerät stehen – sehr filigrane Arbeiten durch. „Eine Faser ist dünner als ein Haar“, erklärt Karger. Bis zu 144 dieser Fasern verlaufen durch ein Kabel. Jede einzelne wird thermisch verschweißt.

„Die Übertragung von großen Datenmengen per Licht durch Glas befindet sich noch in der Forschung, trotzdem arbeiten wir parallel schon damit“, sagt Karger. Er wirkt selbst begeistert von der Technik, wenn er erzählt, dass Ärzte von New York aus minimalinvasive Operationen an Patienten in Bonn durchführen könnten – dank der Lichtgeschwindigkeits-Leitungen, die er verlegt.

Doch das Geschäft mit der Geschwindigkeit hat auch Nachteile: Nur einer von fünf Arbeitern, die er einstellt, bleiben auch in der Firma – dem Rest ist der Job zu stressig. „Wir haben vertraglich geregelte Zeiten, wann wir im Störfall vor Ort sein müssen.“

Infracomm kümmert sich um Störfälle des Kabelbetreiber Unity Media in Nordrhein-Westfalen. Das war auch der Grund, warum Karger seine Firma nicht in Burscheid gegründet hat: „Die A 1 Richtung Leverkusen ist da ein echter Engpass. Aus Langenfeld sind wir schneller am Einsatzort.“

Besonders ärgerlich sind solche – oft nächtlichen – Einsätze, wenn die Ursache vermeidbar wäre: Diebe, die Kupferkabel vermuten und für sie wertlose Glasfaserkabel zerschneiden oder Ratten, die vor allem ältere Leitungen „lecker“ finden, sind Einsatzgründe.

Nicht nur, weil die Pflege des bestehenden Netzes mit zu seinen Aufgaben gehört, ist sich Michael Karger sicher, dass er in einer echten Zukunftsbranche arbeitet. „Natürlich haben wir uns überlegt, was durch UMTS, LTE und Smartphones auf uns zukommt. Aber auch wenn das Internet ,aus der Luft’ kommt, liegt irgendwo eine Glasfaserleitung zum Sendemast.“

Was zurzeit in Burscheid passiert, ist außerdem nur Stufe eins des möglichen Netzausbaus: Dabei wird das Kabel nur zu einer vorhandenen Verteilerstelle gelegt, ins Haus kommen die Daten über alte Kupferleitungen. Wenn eines Tages auch die Leitungen direkt zu den Häusern verlegt werden, ist Karger zur Stelle – auch damit er auf dem Griesberg schneller surfen kann.

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