Im Ernstfall müssten drei Betreuer alle 24 Bewohner des Heilpädagogischen Heims retten.

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Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr evakuieren bei einer Brandschutzübung die Bewohner des Heilpädagogischen Heims. An der Bürgermeister-Schmidt-Straße leben 24 Erwachsene mit einer geistigen Behinderung.

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr evakuieren bei einer Brandschutzübung die Bewohner des Heilpädagogischen Heims. An der Bürgermeister-Schmidt-Straße leben 24 Erwachsene mit einer geistigen Behinderung.

Doro Siewert

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr evakuieren bei einer Brandschutzübung die Bewohner des Heilpädagogischen Heims. An der Bürgermeister-Schmidt-Straße leben 24 Erwachsene mit einer geistigen Behinderung.

Burscheid. Das Treppenhaus ist verraucht, der Feueralarm wird ausgelöst und im ganzen Haus bricht Chaos aus. Wenn es im Heilpädagogischen Heim an der Bürgermeister-Schmidt-Straße am Donnerstag tatsächlich gebrannt hätte, hätten manche Bewohner lange auf Hilfe warten müssen. „Aber deshalb machen wir so eine Brandschutzübung ja: um Schwachstellen zu erkennen“, erklärt Angelika Juras, Leiterin der Einrichtung.

Um 12.55 Uhr beginnt das ohrenbetäubende Piepen. Angelika Juras verständigt zunächst die Feuerwehr, da die Anlage nicht mit der Leitstelle verbunden ist. Die Evakuierungsübung ist mit der Freiwilligen Feuerwehr Burscheid abgesprochen.

„Im Erdgeschoss war das eine Katastrophe. Ich habe gerufen, aber keiner hat reagiert.“

Grit Schaarschmidt, Betreuerin

Normalerweise arbeitet auf jeder der drei Etagen ein Mitarbeiter mit den behinderten Menschen. „Im Erdgeschoss war das eine Katastrophe“, berichtet die Betreuerin Grit Schaarschmidt. „Ich habe gerufen, es brennt, wir müssen raus, aber kaum einer hat reagiert.“

Da das vermeintliche Feuer am Haupteingang ausbrach, muss Schaarschmidt die Bewohner rückwärtig über die Feuertreppe nach draußen führen. „Aber wenn ich einen Bewohner nach draußen gebracht habe und wieder rein gegangen bin, sind mir alle hinterhergelaufen. Im ersten Moment bedeute ich Schutz. Während der ganzen Zeit habe ich mich gefragt, wo die Feuerwehr bleibt.“

Die Freiwillige Feuerwehr sucht vor Ort noch einen Ansprechpartner. Für die Übung stehen vor der Einrichtung mehrere Mitarbeiter zur Verfügung, die die Bewohner zum Badehaus führen. „Aber keiner konnte uns die Lage erklären“, bemängelt Klaus Kopisch, Einsatzleiter der Feuerwehr. „Einer muss die Verantwortung übernehmen und uns sagen, wie viele Leute gerettet sind und wo im Gebäude sich noch welche befinden.“ Insgesamt leben in der Einrichtung 24 Menschen.

Im HeilpädagogischenWohnheim des LVR an der Bürgermeister-Schmidt-Straße leben 24 Menschen. Pro Schicht werden sie von insgesamt drei Mitarbeitern betreut.

In regelmäßigen Begehungen lernen die Einsatzkräfte der Feuerwehr das Gebäude kennen. Neben den modernen Brandschutzkonzepten und Schulungen der Mitarbeiter sollen in Zukunft auch regelmäßige Fortbildungen mit den Bewohnern angeboten werden.

Gemeinsam mit der Stadt erstellt das LVR-Angebot „Wohnen in Burscheid“ einen Notfallplan für die Versorgung der Menschen mit Behinderung nach dem Ernstfall. Ein Arbeitskreis klärt, wo die Bewohner nach einem Brandfall kurzfristig schlafen könnten und wie die Versorgung mit Lebensmitteln gestaltet werden könnte.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind die Heilpädagogischen Hilfen des LVR (LVR-HPH-Netz) in Burscheid, Kürten, Leichlingen und Wermelskirchen vertreten. Fast 80 Menschen mit geistiger Behinderung nehmen die stationären Wohnangebote in Anspruch. Weitere 25 Personen werden in der eigenen Wohnung betreut. Über 100 Mitarbeiter unterstützen die geistig Behinderten im Alltag.

Neben einem Rollstuhlfahrer, der sich alleine nicht befreien kann, befindet sich noch ein weiterer Bewohner im künstlich verrauchten Erdgeschoss. Er hat die Situation nicht erkannt. Ob die Lage anders gewesen wäre, wenn die Bewohner den Rauch gerochen hätten? „Das können wir nicht sicher einschätzen“, erklärt Angelika Juras.

Letzter Bewohner wird nach 16 Minuten gerettet

Um 13.11 Uhr, 16 Minuten nach Auslösung des Alarm, ist der letzte Bewohner gerettet. „Es war chaotisch, aber das habe ich auch erwartet. Wir können ja nicht einfach sagen, kommt alle mit“, erklärt Angelika Juras. Drei Betreuer würden im Ernstfall daher nicht ausreichen. „Wir müssten dann Mitarbeiter anrufen, die in der Umgebung wohnen.“

Klaus Kopisch packt die Nebelmaschine wieder ein. Auch er sieht Verbesserungsbedarf: „Wir brauchen unbedingt einen Ansprechpartner. Wir wissen ja nicht, wie viele im Gebäude sind und wie das Objekt aufgeteilt ist. Deshalb machen wir auch regelmäßige Begehungen.“

Angelika Juras und Grit Schaarschmidt wollen nach der ersten Übung am Ball bleiben: „Wir sind da noch ganz am Anfang.“ In Zukunft seien regelmäßige Übungen mit Mitarbeitern und Bewohnern geplant.

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