1000 Mitarbeiter von Federal-Mogul wurden über den aktuellen Stand im Unternehmen informiert.

Burscheid. Es regnet in Strömen, als sich gestern Mittag die Mitarbeiter von Federal- Mogul am Werk 2 in der Montanusstraße trafen, um gemeinsam zur Betriebsversammlung in der Schulberg-Halle zu marschieren. Dabei entspricht die Stimmung der meisten dem nasskalten Schmuddelwetter.

"Wir sind besorgt, hoffen aber, dass wir heute endlich mehr erfahren. Ich möchte wissen, wie es weitergeht", sagt Formdreher Bernd Mattusch, der seit 24 Jahren in dem Betrieb arbeitet, der nun wegen der Wirtschaftskrise mindestens 300 Arbeitsplätze abbauen will.

Fehlende Informationen zerren an den Nerven der Mitarbeiter

Das Informationsdefizit ist ein Problem, das am meisten an den Nerven der Federal Mogul-Belegschaft zehrt, die schon seit längerem durch Kurzarbeit Abstriche beim Lohn hinnehmen muss. "Wir wollen endlich genaue Zahlen hören. Bislang sagt uns ja keiner was", ärgert sich einer der 150 Mitarbeiter, die sich gegen 13.30 Uhr auf den Weg in Richtung Schulberghalle machen. Auf ihren Transparenten wird moniert, dass "Entlassungen keine Alternativen sind" und man bekräftigt, dass "Kurzarbeit der Arbeitslosigkeit" vorgezogen wird.

Dabei ziehen sie durch die ganze Stadt und nehmen auch noch die Kollegen mit, die von Werk 1 zur Versammlung starten. "Es ist sehr schwer. Die Leute haben Schulden gemacht oder müssen Leasingverträge erfüllen. Wie soll das gehen", fragt sich Johannes Pfückner und blickt in die Sporthalle, in die auch zu Veranstaltungsbeginn um 14 Uhr noch die Mitarbeiter strömen. Draußen vor der Halle bildet sich derweil eine lange Schlange.

Nach der zweistündigen Betriebsversammlung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, ist die Stimmung bei den 1000 Mitarbeitern bedrückt. 300 Arbeitsplätze sollen in Burscheid abgebaut werden. "Eigentlich war außer der Zahl der Stellen, die abgebaut werden sollen, alles bekannt. Ich habe kaum Neues erfahren", sagt Sarah Lange. Ihr Zeitvertrag wird in zweieinhalb Wochen auslaufen. Wie es dann weiter geht, weiß die Maschinen- und Anlagenführerin nicht.

"Ich hoffe natürlich, dass es weitergeht und dass die Leute, die hier ausgebildet wurden, eine Zukunft haben.", sagt Lange. Sie muss derzeit wegen der Kurzarbeit mit 400 statt 2100 Euro im Monat auskommen. "Da kann man sich nicht viel erlauben", sagt die Frau, die vor viereinhalb Jahren ihren beruflichen Weg beim Kolbenringhersteller begonnen hat.

Für den Betriebsrat beginnt jetzt die Phase, in der man auf den geplanten Stellenabbau reagieren muss. "Seit dem 2. März haben wir die Zahlen, über die nun die Kollegen informiert wurden. Jetzt müssen wir diese prüfen und Alternativen suchen, die wir anbieten können. Wichtig ist, dass jetzt alles ruhig und sachlich vor sich geht. Wir sind noch in der Informationsphase und führen keine Verhandlungen", sagt der stellvertretende Betriebsratschef Thomas Hahn.

Diskussion um den zweiten Mann im Betriebsrat

Gegen ihn liegt derzeit ein Antrag auf dem Tisch, bei dem es darum geht, Hahn von allen Ämtern zu entbinden. "Bislang hat mir keiner sagen können, was mir vorgeworfen wird. Ich selbst habe nichts zum Nachteil der Belegschaft getan. Das zeigt auch der Rückhalt, der mir heute von den Kollegen gezeigt wurde." Auch der Betriebsratsvorsitzende Michael Bergmann steht voll hinter Hahn: "Ich hoffe, dass hier bald wieder die Vernunft einkehren wird."

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