Die Künstlerin Angela Kiersch stellt bis zum 27. September im Kulturbadehaus aus. Wer sich in einer oft plumpen Welt nach Zartheit sehnt, sollte den Besuch nicht verpassen.

Die Künstlerin Angela Kiersch stellt bis zum 27. September im Kulturbadehaus aus. Wer sich in einer oft plumpen Welt nach Zartheit sehnt, sollte den Besuch nicht verpassen.
172 getrocknete und fein bearbeitete Kirschlorbeerblätter sind speziell für die Badehausausstellung zu der Installation „Shower“ verbunden worden und erhalten durch einen Lichtstrahler einen rötlichen Schimmer.

172 getrocknete und fein bearbeitete Kirschlorbeerblätter sind speziell für die Badehausausstellung zu der Installation „Shower“ verbunden worden und erhalten durch einen Lichtstrahler einen rötlichen Schimmer.

Doro Siewert

172 getrocknete und fein bearbeitete Kirschlorbeerblätter sind speziell für die Badehausausstellung zu der Installation „Shower“ verbunden worden und erhalten durch einen Lichtstrahler einen rötlichen Schimmer.

Burscheid. Es wird einem leicht ums Herz, wenn man das Kulturbadehaus betritt. Ja, das hat natürlich mit den teils filigranen Arbeiten der Künstlerin Angela Kiersch zu tun, die dort ab Freitagabend  bis zum 27. September zu sehen sind. Und sicher trägt auch die mit 24 Exponaten sparsam ausfallende Raumgestaltung das Ihre dazu bei. Aber selbstverständlich ist diese erste Wirkung trotzdem nicht. Denn in der Leichtigkeit der Ausstellungsstücke schwingt auch das Vergängliche mit, der Zerfall.

Er ist aber, um den Titel der Ausstellung aufzugreifen, bei Angela Kiersch gut aufgehoben. Weil sie ihm nicht ängstlich oder mit Verachtung gegenübertritt, sondern seine Schönheit entdeckt, ihm in einer neuen Form auch einen neuen Sinn gibt.

Nichts ist geklebt, nichts ist gezwungen

Die 57-Jährige arbeitet mit Kiefernnadeln, Blättern, Lärchenästen, Kletten. Und sie hebt nicht nur auf, was am Boden liegt, sondern sie baut es auch wieder auf – und wie: 172 getrocknete und fein bearbeitete Kirschlorbeerblätter bilden passgenau zum Ausstellungsort die hauchzarte Installation „Shower“, die durch eine rötliche Illumination noch einmal einen besonderen Zauber entfaltet. Dass Kiersch dabei nichts klebt, nichts in Formen zwingt oder dekorativ mit Farbe überzieht, müsste sie eigentlich kaum erläutern. Leichtigkeit lässt sich nun einmal nicht erzwingen.

Die Arbeiten der Künstlerin aus Neukirchen-Vlyn sind, wenn man so will, die zarte Gegenrede zu einer oft plumpen Welt, die das Schöne mit Füßen tritt. Wie Kiersch aus Kiefernnadeln und Efeubeeren als Verbindungsteilen grazile, an Molekülverbindungen erinnernde Gebilde schafft oder an anderer Stelle behutsam Gaze und Garne einarbeitet, das ist von atemberaubender Feinheit. Und mitunter bricht in die Vergänglichkeit und Fragilität der Natur auch der Verfall der Technik ein – wenn den Kiefernnadeln beispielsweise an ihrem einen Ende ein Käppchen aus Drahtisolierung aufgesetzt ist.

Damit nun nicht jede Bodenhaftung verloren geht, gibt es daneben auch kräftigere Arbeiten: voluminöse Kissen aus Kiefernnadeln beispielsweise oder kompaktere Verbindungen mit Wolle. Aber immer erzählen die eingesetzten Materialien von der Lust an der Entdeckung ihrer „ungenutzten Fähigkeiten“, wie Angela Kiersch ihre eigene Faszination beschreibt.

Für einen Moment verliert der Alltagsbalast seine Bedeutung

Die Austellung „Aufgehobenes“ im Kulturbadehaus, Bürgermeister-Schmidt-Straße, wird Freitagabend ab 19.30 Uhr durch Bürgermeister Stefan Caplan eröffnet. Die Begrüßung übernimmt Jelle von Dryander, die Einführung Heinz-Peter Knoop. Musik kommt vom Duo Jazz Hoch Zwei.

Die Arbeiten von Angela Kiersch sind bis zum 27. September zu sehen.

Mittwochs bis freitags von 18 bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr (für Schulklassen nach Vereinbarung).

Sonntag, 27. September, um 15 Uhr.

angelakiersch.de

Es ist der Zufall des Standorts, aber durchaus auch ein ergänzender Reiz, dass selbst das benachbarte Umspannwerk in seinen Ausschnitten beim Blick durch die Oberfenster des Badehauses eine ganz neue Wirkung entfaltet – als sei es geradezu unvermeidbar, dass alles, was sich im Bannkreis der nunmehr dritten Kunstausstellung des Kulturvereins bewegt, zumindest für einen Moment seinen mühseligen Alltagsballast abstreift.

Dann wird der Blick frei für den Sinn des Lebens. Darum gehe es der Kunst doch, sagt Organisator Heinz-Peter Knoop. Im Kulturbadehaus lässt sich das gerade gut nachempfinden.

 

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